15.03.2017, 11:47 Uhr

Ziel: Ein richtig regionales Skateboard zum Selberbauen

Daniel Krismer zeigt, wie der geformte Rohling (re.) zum Skateboard wird.
KUFSTEIN (nos). Wenn Daniel Krismer nach Feierabend über die Kellertreppe hinab in seine Werkstatt steigt, dann dreht sich für den Fahrlehrer alles ums Holz. Seit rund anderthalb Jahren hat er ein ungewöhnliches Hobby für sich entdeckt. Wo Andere an Vogelhäuschen oder Krippen basteln, leimt und tüftelt Daniel an Skateboarddecks.

"Nach rund zweieinhalb Stunden auf Google habe ich mein Winterprojekt gefunden", grinst Daniel in seiner Kellerwerkstatt im Kufsteiner Stadtteil Zell. Eigentlich wollte sich der passionierte Skater einfach ein neues Deck kaufen, dann kam er auf die Idee, sich selbst ein Deck zu bauen. Vier Wochen hat er dafür gebraucht, dann war das erste "Brettl" fertig. Viele Versuche und Experimente folgten. "Um die richtige Mischung aus Hölzern und Leim zu finden, musste ich viel tüfteln", erzählt Daniel von seinen ersten Versuchen. Aus sechs bis acht Furnierschichten leimt er ein Deckt zusammen und bringt es in einer Vakuum-Form in die richtige "Shape". "Wenn Besucher in die Werkstatt kommen, stauenen sie oft, weil sie eine riesige und schwere maschine erwarten, mit denen ich das Holz in Form biege, dabei geht das sehr umkompliziert", freut sich Daniel. Nicht nur "Street-Boards", zum Springen und Tricksen, hat Krismer mittlerweile auf Lager, besonders die "Longboards" haben es dem Kufsteiner angetan. "Es macht Spaß verschiedene Schnitte und Formen auszuprobieren, bei einem Longboard ist man da viel freier", meint der Fahrlehrer, der sein eigenes Longboard auch auf dem Lehrparcours gern zum Einsatz bringt. Bei den "Street-Boards" kommt es dafür viel mehr auf die Belastbarkeit an, einige gingen da beim Tüfteln zu Bruch, bis der richtige Mix gefunden war.

"Das Holz hole ich mir meistens beim Furnierhändler oder über bekannte, die größere Mengen abnehmen können als ich. Dafür kann ich aber auch mit Ausschussware noch etwas anfangen", erklärt der Bastler. Besonders Ahorn und Esche haben sich in den Versuchen beweisen können, Daniel würde aber gerne vermehrt auf regionale Hölzer zurückgreifen. "Ein großes Ziel wäre ein richtig regionales Board, bei dem alle Teile aus Tirol kommen", erklärt Krismer.
Bei vielen, aber nicht allen Brettern, kommt auch eine Lage Stoff zum Einsatz. Die wird mit den Furnierschichten verleimt, um dem Brett nochmal mehr Belastbarkeit zu geben. "Da geht eigentlich alles, solang es klebt", meint Daniel, "auch Loden".

"Dieses Tüfteln bis es passt, das macht irrsinnig viel Spaß", erklärt der Boardbauer. Geld verdienen ist dabei mehr als nachrangig, Interessierte können ihn über facebook oder Instagramm kontaktieren, um die 100 Euro kostet ein handgemachtes Deck aus Daniels Keller, wenig Unterschied zu "professioneller" Massenware aus asiatischen Werken.
Für 2018 hat sich daniel bereits ein neues Ziel für seine Deck-Manufaktur gesetzt: "Eigentlich geht es darum, dass sich Jeder so etwas selbst bauen kann, darum möchte ich einen 'Do-it-Yourself-Workshop' machen, bei dem Kinder, Jugendliche oder auch Erwachsene lernen, wie sie sich selbst ein Deck bauen können. Große Industrie muss man da keine aufbauen".

In Daniel Krismers Werkstatt wird nicht nur gebastelt, sondern auch schon mal musiziert:


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