22.10.2014, 15:48 Uhr

Kraftwerk Sanna: Mehr Informationen gefordert

Wasserkraftwerk Sanna: Der Zammer Gemeinderat soll über eine Beteiligung im nächsten Jahr entscheiden.

Zammer Mandatare lehnten einen vorzeitige Abstimmung über eine Kraftwerksbeteiligung der Gemeinde mehrheitlich ab.

ZAMS (otko). Bei der Gemeinderatssitzung vergangenen Montag präsentierten die Infra-Vertreter den aktuellen Stand beim geplanten 90 Mio. Euro teuren Sanna-Kraftwerk. Im Anschluss stellten sich die Kraftwerksplaner den teils kritischen Fragen der Mandatare. Der Zuschauerraum war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Infra-Geschäftsführer Gerhard Langer erläuterte nochmals den Zeitplan des Projekts: "Mit Jahresende wollen wir die UVE-Unterlagen einreichen und Anfang 2015 das Behördenverfahren starten. Ende 2016 soll eine Projektbewilligung vorliegen und nach einem erfolgten Baubeschluss soll das Kraftwerk nach einer 3-jährigen Bauzeit 2020 den Teilbetriebe aufnehmen." Die sieben Anrainergemeinden zwischen Strengen und Zams sollen mit 25 Prozent neben dem E-Werk Reutte (EWR) und Energie West (65 Prozent) sowie der Infra (10 Prozent) an der Kraftwerksgesellschaft beteiligt werden. "Bis zur Genehmigung des Projekts beträgt das Risiko pro Gemeinde 7.500 Euro. Die Energieversorgungsunternehmen übernehmen die Entwicklungskosten", erklärte Langer.

Frage der Rentabilität

SPÖ-Gemeinderat Armin Rudig wollte wissen, ab wann sich das Kraftwerk rentiert. Infra-GF Langer konnte aber keine konkreten Zahl nennen. Das hänge von den drei Faktoren Investitionskosten, Finanzierungskosten und vom Strompreis ab. "Wir gehen alle davon aus, dass der Strompreis ab 2020 wieder steigt. Es wird aber relativ schnell möglich sein den Gemeinden Zinsen für Darlehen zu stellen. Mit dem Gewinn müssen sie sich aber gedulden", betonte Langer. Ähnlich argumentierte EWR-Vorstand Michael Hold: "Ein längerfristiger Strompreis von 35 Euro pro Megawattstunde würde das Aus für die Tiroler Wasserkraft bedeuten."
AZL-Chef Dr. Georg Steinwender stellte die präsentierten Zahlen zum Thema Wirtschaftlichkeit in Frage und ortete zahlreiche Widersprüche. Auch kritisierte er die Prognose für die Investitionskosten. "Sie revidieren ihre eigenen Zahlen. Wir haben bereits ein Risiko im Stanzertal, wozu brauchen wir es zweites", stellte Steinwender in den Raum. Langer verwies darauf, dass bei geänderten Bedingungen der Baubeschluss verschoben werden könne. "Falls sich eine Gemeinde nicht dem Risiko aussetzen will, kann sie ihre Anteile an einem genehmigten Projekt verkaufen", betonte Hold.


Verkehrsbelastung

Auch die Belastung der Gemeinde Zams während der Bauzeit wurde diskutiert. Laut Langer fallen 80 Prozent des Aushubmaterials des Stollens in Richtung Pians und 20 Prozent beim Krafthaus in Perjen an. Zusätzlich fällt auch Aushubmaterial für das Schwallausgeleichsbecken an, das über eine Behelfsbrücke über den Inn auf die S16 abtransportiert werden soll. Die leeren Lkw fahren dann über die Bundesstraße durch Zams zurück.

Gegenseite anhören

Im Anschluss an die Fragestunde stellte Steinwender den Antrag , dass der Zammer Gemeinderat in der nächsten Sitzung über die Kraftwerksbeteiligung abstimmen soll. Bgm. Siegmund Geiger favorisierte einen Termin im nächsten Jahr, um sich keinen Druck aufzulegen. Theresia Schönherr (ÖVP) kritisierte das "Spektakel", das Steinwender hier aufführe und forderte mehr Informationen ein. Auch andere Gemeinderäte plädierten dafür, die Gegenseite zu hören und der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.
Der AZL-Chef hingegen warf Bgm. Geiger vor, Gutachten und Informationen zurück zuhalten. "Ich habe den Eindruck, dass du wie einer agierst, der auf der Gehaltsliste der Infra steht", betonte Steinwender. Dieser Vorwurf wurde scharf zurückgewiesen. "Das ist eine unglaubliche Unterstellung", konterte ÖVP-Vizebgm. Josef Reheis.
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Günter Kramarcsik aus Landeck | 22.10.2014 | 18:58   Melden
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