24 Häuser auf dem Schirm
Wie die Landstraße gegen Problemhäuser im Bezirk vorgehen will
- Das ehemalige Gasthaus "Zum alten Heller" sieht sichtlich mitgenommen aus. Einziger Vorteil: Es ist unbewohnt.
- Foto: Luca Arztmann/MeinBezirk
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Verfall, Schmutz und unzumutbare Zustände für Mieterinnen und Mieter: Die typischen Probleme in Spekulationshäusern findet man vielerorts auch in der Landstraße. Der Bezirk setzt daher seit Jahren auf eine enge Zusammenarbeit mit allen Stellen und führt eine interne Liste mit den besonders schwierigen Fällen.
WIEN/LANDSTRASSE. Regelmäßig machen in der Landstraße Wohnbauprojekte negative Schlagzeilen, einen Überblick über die Berichte von MeinBezirk findet man unten. Meist leidet darunter nicht nur die Bausubstanz, sondern auch die Mieterinnen und Mieter. In typischen Fällen wird die Hausverwaltung quasi eingestellt und notwendige Arbeiten verschleppt.
Die Landstraßer Bezirksvorstehung ist für viele Mieterinnen und Mieter in solchen Fällen oft die erste Anlaufstelle. Ein besonders drastischer Fall in der Hetzgasse 8 wurde vor über zehn zum Politikum, erstmals wurde das Geschäft mit Spekulationshäusern medial sowie im damaligen Wahlkampf heiß diskutiert, MeinBezirk berichtet, siehe unten.
Alljährliches Treffen der Zuständigen
In der Landstraße suchte man nach dem Fall in der Hetzgasse nach einer Lösung, um besser auf solche Fälle reagieren zu können. Das Ergebnis war ein jährlicher Fixtermin mit allen zuständigen Stellen, insgesamt sind es acht Stück.
- Alle zuständigen Stellen treffen sich jährlich in der Landstraße, um das gemeinsame Vorgehen abzustimmen. (Symbolbild)
- Foto: Patricia Hillinger/MeinBezirk
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Vertreterinnen und Vertreter des Bezirks treffen sich mit der Gebietsbetreuung Stadterneuerung (GB*), der MA 7 – Kultur, der MA 19 – Architektur und Stadtgestaltung, der MA 25 – technische Stadterneuerung, der MA 37 – Baupolizei, der Mieterhilfe, der Mietervereinigung sowie dem Magistratischen Bezirksamt. Je nach Anlass werden noch weitere Dienststellen hinzugezogen.
"Regelmäßiger Gegenwind"
Generell wurde das Vorgehen aller Stellen in der Landstraße abgestimmt, auch der kontinuierliche Austausch trug seinen Teil bei. Dies sorgt bei betroffenen Häusern für positive Entwicklungen, in den vergangenen Jahren konnten so Missstände "Schritt für Schritt" behoben werden, heißt es aus der Bezirksvorstehung.
Für den Vorsitzenden der Baukommission, Marco Niebauer (SPÖ), hilft der Jourfix vor allem dabei, problematische Adressen früh zu erkennen. Oft helfe "frühzeitiger und regelmäßiger Gegenwind" aus dem Bezirk, um Bauträger an ihre Verpflichtungen zu erinnern. "Manche Häuser werden so erst gar nicht zum Problem", erklärt Niebauer.
Problemhaus-Liste
Bezirksvorsteher Erich Hohenberger (SPÖ) weiß, wie komplex die Herausforderungen bei Problemhäusern sind, von bau- bis zivilrechtlich: "Genau deshalb ist dieser Jour fixe so wichtig. Er bringt alle zuständigen Stellen an einen Tisch, sorgt für kurze Wege und ermöglicht ein abgestimmtes Vorgehen", so der Bezirkschef.
- Bezirksvorsteher Erich Hohenberger (SPÖ) setzt auf "kurze Wege" mit den Behörden.
- Foto: MeinBezirk
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In der vergangenen Bezirksvertretungssitzung im Juni wurde auf Anfrage von KPÖ/Links bestätigt, dass die Wassergasse 18 seit zwei Jahren am Schirm des Bezirks ist. Konkret ist damit eine interne Liste gemeint, auf welcher die langwierigen Problemhäuser stehen. Diese umfasst insgesamt 24 Objekte, darunter findet sich etwa der Landstraßer Gürtel 17, die Ungargasse 34 und sogar die Villa Mautner-Jäger.
Gasthaus und Villa
Bei der Ungargasse 34 handelt es sich um das ehemalige Gasthaus "Zum alten Heller". Bereits vor Jahren machten Gerüchte über einen Abriss die Runde, damals wie heute liegt der Baupolizei aber kein Ansuchen dafür vor. Erst im Mai bescheinigte man aber Mängel an der Fassade und ein undichtes Dach.
Bisher kam der Eigentümer den vorgeschriebenen Arbeiten nicht nach, eine Anfrage blieb unbeantwortet. Beim Bezirk sieht man bei dem Haus vor allem einen Vorteil: Es ist derzeit nicht bewohnt, Mieterinnen und Mieter sind also von dem Verfall nicht betroffen.
Die denkmalgeschützte Villa Mautner-Jäger wartet schlicht seit Jahren auf die dringend notwendige Sanierung, der Eigentümer scheiterte bisher bei der Suche nach einem Käufer. Nach wie vor wird die Adresse für rund 11,8 Millionen Euro auf der Online-Plattform Willhaben angeboten. Die Bewilligung für eine umfassende Generalsanierung, den Ausbau des ehemaligen Pförtnerhauses sowie den Bau einer Tiefgarage ist nach wie vor aufrecht. Bisher mangelt es nur an jemandem, der es umsetzt.
Abriss, Sanierung und Neubau am Gürtel
Etwas komplizierter ist die Situation am Landstraßer Gürtel 17. Das Haus wurde jahrelang von der MEK 2020 Immobilienprojekt Holding GmbH dem Verfall überlassen. Mittlerweile wurde das Zinshaus zwangsversteigert, der neue Eigentümer, die SDC Landstraße GmbH, zahlte rund 3,5 Millionen Euro.
- Das Zinshaus am Gürtel soll saniert werden, im hinteren Bereich der Liegenschaft steht ein Abriss an.
- Foto: Luca Arztmann/MeinBezirk
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Ein Mieter berichtete MeinBezirk von Besserungen vor Ort, der neue Eigentümer würde offen über seine Pläne für das Haus sprechen. So soll das vordere Haus zum Gürtel saniert werden, im hinteren Bereich der Liegenschaft wird abgerissen und neu gebaut. Bestätigt wurde dies von der SDC nicht, eine Anfrage ließ man unbeantwortet.
Nächstes Treffen offen
Laut Baupolizei wurden auch vom neuen Eigentümer die notwendigen Arbeiten bisher nicht umgesetzt. Dazu zählt etwa die Sanierung der Fassade Richtung Gürtel oder die Instandsetzung des Stiegenhaus-Geländers. Die MA 37 kontrolliert die Adresse laut einer Sprecherin regelmäßig. Aktuell geht man davon aus, dass das Unternehmen neue Pläne für die Adresse für eine Einreichung ausarbeitet.
So oder so: Bisher reichten die Entwicklungen am Gürtel nicht aus, um es von der Liste des Bezirks zu schaffen. Wann das nächste Treffen mit allen Stellen stattfindet, ist bisher offen, feststeht, dass es wieder viel zu besprechen geben wird.
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