Handyzeit statt Ferienzeit?
Kinder und der richtige Umgang mit digitalen Medien
- Handy, Tablet und Co gehören für viele Kinder zum Alltag. Gerade in den Ferien ist ein bewusster Umgang wichtig.
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Mehr Freizeit bedeutet oft auch mehr Zeit am Handy, Tablet oder Computer: Doch wie viel Medienkonsum ist im Alltag von Kindern und Jugendlichen eigentlich gesund? Und wie gelingt es Eltern, sinnvolle Grenzen zu setzen, ohne ständig in Konflikte zu geraten? MeinBezirk hat nachgefragt, welche Strategien im Familienleben wirklich funktionieren und worauf es für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien ankommt.
LAVANTTAL. Für Manuela Jäger, Obfrau des Elternvereins der Sportmittelschule St. Stefan, gehören Handy und Tablet zum Alltag ihrer Kinder. Genutzt werden sie zum Austausch mit Freunden, zum Spielen, für Videos und teilweise auch zum Lernen. "In den Sommerferien ist die Nutzungszeit etwas höher, gleichzeitig achten wir darauf, dass genügend Zeit für Sport und gemeinsame Unternehmungen bleibt", erzählt sie. In der Familie gelten klare Regeln: Die Bildschirmzeit ist begrenzt, vor dem Schlafengehen bleiben die Geräte ausgeschaltet. Besonders gut funktioniere es, wenn attraktive Alternativen angeboten werden. Fußball, Schwimmbadbesuche, Radfahren oder gemeinsame Ausflüge würden das Handy oft ganz automatisch in den Hintergrund rücken. Jägers Rat an andere Eltern: realistische Regeln aufstellen, Alternativen bieten und selbst einen bewussten Umgang mit digitalen Medien vorleben.
Psychologische Perspektive
Thomas Preßlauer, klinischer und Gesundheitspsychologe aus Wolfsberg, bestätigt diesen Ansatz. Aus psychologischer Sicht gelte grundsätzlich: "Je weniger Zeit Kinder vor Bildschirmen verbringen, desto besser. Besonders bei jüngeren Kindern sollte Bildschirmzeit möglichst vermieden werden. Bildschirmzeit ist gleich schädliche Zeit für das Kind – das ist wissenschaftlich belegt. Je später Kinder damit in Kontakt kommen, desto besser." Besonders kritisch sieht Preßlauer algorithmusgesteuerte Angebote wie soziale Medien. Diese präsentieren Kindern laufend auf ihre Interessen zugeschnittene Inhalte und können ein suchtähnliches Nutzungsverhalten fördern. Auch viele moderne Computerspiele seien darauf ausgelegt, Nutzer möglichst lange zu binden. Zudem würden manche Spiele als Plattform genutzt, auf denen Erwachsene gezielt Kontakt zu Kindern aufnehmen. Nicht jede Nutzung sei jedoch problematisch: Kreative Anwendungen wie das Gestalten von Fotos oder Videos seien positiv zu bewerten, sofern sie aktiv und in Maßen erfolgen. Entscheidend sei zudem die Vorbildwirkung der Eltern. "Sie dürfen von Ihrem Kind nicht erwarten, dass es Lust auf das analoge Leben hat, wenn Sie selbst nur das Handy in der Hand haben", so Preßlauer. Statt reiner Verbote empfiehlt er: "Schaffen Sie Erlebnisse, die in der analogen oder zumindest hybriden Welt stattfinden."
- Michaela Jäger und Thomas Preßlauer
- Foto: Foto: Gutschi, Birgit Leitberger/Canva Collage
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