Gemeindebau Leopoldstadt
Bewohner erzwingen erste Sanierungsarbeiten von Wiener Wohnen
- Vor der Verhandlung machten die Bewohnerinnen und Bewohner Stimmung gegen die gestiegene Miete und die Mängel im Karlheinz-Hora-Hof.
- Foto: Luca Arztmann/MeinBezirk
- hochgeladen von Luca Arztmann
Der Sanierungsdruck auf Wiener Wohnen beim Karlheinz-Hora-Hof steigt. Nach Verfahren der zuständigen Magistratsabteilung wurden erste Arbeiten beauftragt, unter anderem der Austausch von asbesthaltigen Fassadenplatten. Die Bewohner sehen einen "Sieg auf ganzer Linie", Wiener Wohnen will so rasch wie möglich Maßnahmen setzen.
WIEN/LEOPOLDSTADT. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Gemeindebaus am Handelskai kämpfen mit wiederkehrenden Schimmelbefall in ihren Wohnungen, zudem bereitet ihnen die Fassade mit asbesthaltigen Platten Sorgen. Von ihrem Vermieter, Wiener Wohnen, fühlen sie sich mit den Problemen alleine gelassen, MeinBezirk berichtete, siehe unten.
Bei der MA 50 (Wohnbauförderung und Schlichtungsstelle für wohnrechtliche Angelegenheiten) laufen deshalb zurzeit diverse Verfahren gegen Wiener Wohnen. Das Ziel: Der städtische Hausverwalter soll zu der notwendigen Sanierung des Karlheinz-Hora-Hofs bewegt werden. Kürzlich erfolgten die ersten außergerichtlichen Verhandlungen, rund 25 Bewohnerinnen und Bewohner hatten sich vor der Schlichtungsstelle eingefunden.
"Ein Sieg auf ganzer Linie"
Schon vor dem Termin machten sie mit Plakaten, Bilder vom Schimmelbefall in ihren Wohnungen, Sprechchören und Trillerpfeifen Stimmung. Außerdem kritisierten sie die gestiegenen Mietpreise nach dem Auslaufen der Wohnbauförderung am Handelskai – auch wenn es das nicht Inhalt des Verfahrens ist.
Initiator des gemeinsamen Vorgehens der Bewohnerinnen und Bewohner ist Verdat Göksu, der zu diesen Zwecken die Wiener Mieter Union (WMU) gegründet hat. Über seinen Verein war er bei jeder einzelnen Verhandlung dabei, sein kurzes und knappes Fazit danach: "Ein Sieg auf ganzer Linie".
Schimmel bis mangelhafte Elektrik
Fünf der Verhandlungsprotokolle liegen MeinBezirk vor. Die Themen sind immer dieselben: Schimmel, unzureichende Lüftungsanlagen, beschädigte sowie asbesthaltige Fassadenplatten, undichte Fenster, feuchte Kellerabteile und mangelhafte Elektrik. Dabei wird auf die bereits vorliegenden Privatgutachten der WMU sowie Gutachten der MA 25 – Technische Stadterneuerung und MA 36 – Feuerpolizei verwiesen.
- Die Bewohner brachten Bilder vom Schimmel in ihrer Wohnung mit zur Schlichtungsstelle.
- Foto: z.V.g.
- hochgeladen von Luca Arztmann
Vor der Schlichtungsstelle erklärt sich Wiener Wohnen zumindest teilweise bereit, die vorgebrachten Mängel zu beheben. Auf Anfrage heißt es, dass nicht alle der vor der Schlichtungsstelle "thematisierten Schäden" Wiener Wohnen bekannt waren. "In einzelnen Fällen lagen über mehrere Jahre keine entsprechenden Schadensmeldungen vor", so eine Sprecherin. Ohne eine solche Meldung könne man Instandsetzungsarbeiten nicht beauftragen.
Fassadenplatten ausgetauscht
Feststeht: Im Außenbereich wurden bereits 15 beschädigte Fassadenplatten entfernt, sieben weitere sollen zeitnah ausgetauscht werden. Da es sich um asbesthaltiges Material handelt, muss sich eine dafür qualifizierte Firma darum kümmern. Bezüglich der Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner hält Wiener Wohnen fest: "Sofern die Platten nicht stark beschädigt sind oder unsachgemäß behandelt werden, werden erfahrungsgemäß kaum Asbestfasern freigesetzt."
Ebenfalls beauftragt wurde die Reinigung und Instandsetzung der Lüftungsventilatoren, Reparaturen an Fenster und Fensterabdichtungen, Schimmelsanierungen sowie Elektroinstallationsarbeiten. Der städtische Vermieter betont, dass man die notwendigen Sanierungen am Karlheinz-Hora-Hof "möglichst rasch" durchführen will.
Aufgeheizte Stimmung
Dabei soll ausgerechnet Göksu die zuständigen Fachabteilungen bei ihrer Arbeit behindern. Das Verhalten des WMU-Obmanns verzögere die Sanierungen. Darunter fallen laut Wiener Wohnen "Ausweiskontrollen, Bild- und Tonaufnahmen während der Arbeiten sowie wiederholt abwertende und beleidigende Äußerungen gegenüber den Beschäftigten".
- Göksu kämpft seit Jahren mit Schimmel im eigenen Badezimmer.
- Foto: Luca Arztmann/MeinBezirk
- hochgeladen von Luca Arztmann
Darauf angesprochen erklärt Göksu die Anschuldigungen als "Falschaussage". Des Weiteren bezieht er sich auf die Fassadensanierung. Von ihm oder seinem Verein hat es "keinerlei Blockaden" gegeben. Laut ihm sei das auch nicht möglich, da bisher keine Arbeiten an der Fassade durchgeführt wurden. Audioaufnahmen und Ausweiskontrollen werden laut Göksu zum Schutz des "Hausrechts" der Bewohnerinnen und Bewohner eingesetzt.
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