Pegelstände
Wiener Kraftwerk Freudenau in Alarmeinsatz wegen Hochwasser

Im Donaukraftwerk Freudenau ist bereits eine Alarmbereitschaft eingerichtet worden. Im Extremfall können auch Schleusen geöffnet werden, wie hier zu sehen im Jahr 2013. | Foto: Verbund
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  • Im Donaukraftwerk Freudenau ist bereits eine Alarmbereitschaft eingerichtet worden. Im Extremfall können auch Schleusen geöffnet werden, wie hier zu sehen im Jahr 2013.
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Laut aktueller Prognose soll die Donau einen Pegelstand zumindest eines fünfjährigen Hochwassers bekommen. Bei einem der wichtigsten Kraftwerke des Stroms, dem Kraftwerk Freudenau, ist man in Alarmbereitschaft.

WIEN/LEOPOLDSTADT/NÖ. Das Genua-Tief Anett hat den Osten Österreichs voll im Griff. Entlang der Donau in Wien ist jedoch nicht entscheidend, wie viel Wasser von oben kommt. Sondern vielmehr, wie es im Umland aussieht. Hier werden Regenmengen, Stand Freitagmorgen, von bis zu 250 Liter pro Quadratmeter prognostiziert.

Der wohl wichtigste Hochwasser-Indikator für die Donau in Wien ist die Messstelle Korneuburg. Dort befindet sich das sogenannte Einlaufbauwerk zum Entlastungsgerinne Neue Donau. Ab sechs Metern können die Tore dort geöffnet werden, sodass der Strom auch über die Neue Donau abfließt. Ein ausgeklügeltes Back-Up-System, welches Wien von Überflutungen schützt.

Stand Freitagmorgen rechnet man mit Pegelständen über sechs Meter bereits in der Nacht auf Samstag. | Foto: NÖ Landesregierung/Screenshot
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Diese Grenze von sechs Metern wird laut aktueller Prognose mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit übertroffen. Doch die Zuflüsse haben nicht nur Auswirkungen auf den Hochwasserschutz, sondern auch auf manche Barriere in der Stadt. Eine besonders große ist das Kraftwerk Freudenau der Verbund AG. Dort ist man bereits im Hochwasser-Einsatz, erklärt man gegenüber MeinBezirk.

Alarm-Mannschaft vor Ort

Bei Hochwasserereignissen hat das Laufkraftwerk vor allem eine Aufgabe, erklärt Florian Seidl vom Verbund: "Das wichtigste ist, das man den Wassermassen nicht im Weg steht". Dazu gibt es verschiedene Wege. Als allererste Lösung gibt es die sogenannten Wehrfelder. Das sind Tore, die präzise gesteuert und somit je nach Bedarf weiter geöffnet oder geschlossen werden können. So kann der Abfluss genau geregelt werden.

Das Kraftwerk Freudenau verfügt über verschiedene Wehrfelder und Schleusen. | Foto: Kathrin Klemm/RMW
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Es gilt den Betrieb dieser Mechanismen in jedem Fall reibungslos zu ermöglichen. "Im Normalfall wird das Kraftwerk per Fernsteuerung betrieben. Wir haben aber jetzt eine Alarmbereitschaft vor Ort, um schnell auftretende Reparaturen erledigen zu können und mögliche Störungen rasch zu beheben", gibt Seidl ein Lagebild ab. Ein Prozedere, das bei Hochwassern üblich ist.

Wasser drückt von unten

Wie viel Wasser tatsächlich durch die anhaltenden Regenfälle eintreffen wird, sei nur schwer einschätzbar. Grund dafür ist die Großwetterlage. Zum einen schneit es bei Donau-Zubringern bereits tief herunter. In Göstling an der Ybbs im oberen Ybbstal im Mostviertel beispielsweise wurde am Freitagmorgen bereits Schnee auf rund 530 Metern Seehöhe registriert. Ähnlich verhält es sich mit Gebieten rund um den Inn im Westen.

Zum anderen muss sich erst zeigen, ob die Prognosen auch wirklich so eintreten, wie sie von den Meteorologen genannt werden. Die aktuellen Wettermodelle sind schwer zu interpretieren. Zusätzlicher Faktor: Es geht nicht nur um den Donaustrom selbst, sondern auch um den Grundwasserspiegel. Bei den Mengen an Regen, die über Wien niederfallen, wird Wasser wohl auch von unten über das Flussbett in die Donau gedrückt.

Im Jahr 2013 wurden auch die Schleusen geöffnet. | Foto: Verbund
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Gewappnet sei man jedenfalls, so Seidl: "In allerletzter Konsequenz können wir dann auch tatsächlich die Schleusen öffnen. Hier gilt jedoch zu sagen, dass keine präzise Steuerung möglich ist. Bedeutet: Das Wasser fließt ungehindert durch". Zuletzt war dies der Fall im Jahr 2013.

Stromerzeugung wird eingestellt

In solchen Fällen geht es nicht mehr um den Normalbetrieb. "Entscheidend bei der Stromerzeugung ist das Gefälle bei der Staustufe, also der Abfall zwischen den Bereichen vor und hinter dem Kraftwerk. Lasse ich dem Wasser seinen normalen Weg ohne Barriere, so wird dieses Gefälle irgendwann nicht mehr ausreichen und die Stromerzeugung kommt vollständig zum erliegen", schildert der Verbund-Experte die Abläufe. Die Versorgungssicherheit mit Energie sei jedoch weiterhin gegeben. Der Strom wird dann von anderen Kraftwerken ins Netz eingespeist, entsprechende Vorbereitungen gibt es dafür ständig.

Ein Hochwasser an der Donau kann in Wien übrigens auch für Außenstehende weniger problematisch wirken, als es eigentlich ist. Grund dafür ist eben das gezielte Ablassen des Wassers: "Was wir dann sehen ist, dass die Donau vor der Staustufe scheinbar gesunken. Das wirkt für viele natürlich paradox. Das bedeutet jedoch nicht, dass es kein Hochwasser gäbe, sondern dass die Donau in ihrem natürlichen Gefälle und Verlauf wieder abfließt."

Größte Herausforderungen danach

Mit dem Hochwasser kommt aber auch einiges an Treibgut zusammen, welches sich beim Kraftwerk Freudenau quasi verfängt. "Wir reden hier auch von großen Baumstämmen, die eine Gefahr für die Schifffahrt sein können. Nach solchen Ereignissen besteht ein erheblicher Aufwand, dieses Treibgut zu entfernen."

Ebenso ein Phänomen der Donau sind Sandverfrachtungen bei starken Durchflussereignissen wie dieser Tage. Große Mengen an Sand und Schlamm können sich dabei vor der Staustufe ablagern, der dann entfernt werden muss. 

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