Corona-Impfdebatte
Expert:innen antworten auf gängige Bedenken von Impfskeptiker:innen

In vielen Familien und auch im Freundeskreis sind Diskussionen und Streitigkeiten über den „richtigen“ Umgang mit Corona an der Tagesordnung. Wir haben fünf Expert:innen um Antworten auf häufige Bedenken von Impfskeptikern gebeten.
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  • In vielen Familien und auch im Freundeskreis sind Diskussionen und Streitigkeiten über den „richtigen“ Umgang mit Corona an der Tagesordnung. Wir haben fünf Expert:innen um Antworten auf häufige Bedenken von Impfskeptikern gebeten.
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Die Debatte rund um die Corona-Impfung wird oft heftig geführt und bringt viele Familien und Freundschaften an ihre Belastungsgrenzen. Wir haben mit fünf Expert:innen gesprochen und uns sachliche Antworten auf die gängigsten Bedenken geben lassen.

LINZ. Derzeit hört man nicht selten, dass Freundschaften oder sogar familiäre Bande aufgrund der Corona-Pandemie – insbesondere durch die Imfpdebatte – in die Brüche gehen. So mancher Streit lässt sich mit sachlichen Argumenten, Einfühlungsvermögen und Akzeptanz beilegen. Wir haben mit fünf Expert:innen aus unterschiedlichen Fachbereichen gesprochen und uns Antworten für die häufigsten Bedenken und Annahmen geholt

„Die Impfung bringt nichts, man kann ja trotzdem krank werden!“

Es ist richtig, dass auch geimpfte Personen erkranken könnenbeziehungsweise Symptome entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung und Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung ist jedoch sehr stark reduziert. Vergleichbar ist dies mit dem Sicherheitsgurt und den Airbags im Auto, auch diese können nicht garantieren, dass jede Kollision völlig unbeschadet überstanden wird, das Risiko schwerer Verletzungen wird jedoch unbestritten stark reduziert
– Bernd Lamprecht ist Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum in Linz und stellvertretender Dekan an der Medizinischen Fakultät der JKU.

Interview: Bernd Lamprecht mit Chefredakteur Thomas Winkler

„Ich stecke mich lieber mit Corona an, das ist besser als eine Impfung!“

Der Verlauf einer COVID-Erkrankung kann nicht vorhergesagt werden. Es kann zu einem schweren Krankheitsverlauf kommen, der einen Aufenthalt im Krankenhaus, im schlimmsten Fall sogar auf der Intensivstation, nötig macht. Mit einer Impfung kann man sich vor derart schweren Verläufen schützen.
Elisabeth Bräutigam ist Ärztliche Direktorin am Ordenslkinikum Linz.

Elisabeth Bräutigam ist Ärztliche Direktorin am Ordenslkinikum Linz.
  • Elisabeth Bräutigam ist Ärztliche Direktorin am Ordenslkinikum Linz.
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„Ich traue mRNA-Impfstoffen nicht und habe Angst, dass sie mein Genmaterial verändern oder ich unfruchtbar werde!"

mRNA-Impfstoffe können unser Genmaterial nicht verändern. Dafür gibt es drei wesentliche Gründe: Erstens gelangt die mRNA zwar in die Zelle, aber nicht in den Zellkern, wo das Erbgut, die DNA, sich befindet. Zum Zweiten ist mRNA in der Zelle sehr instabil und wird rasch abgebaut. Und drittens unterscheidet sich RNA chemisch von DNA. RNA kann daher nicht in unsere DNA eingebaut werden. Den Zellen fehlen die Proteine, die dafür nötig wären. In der Zelle passiert es genau anders herum: Es wird unsere DNA hergenommen und in mRNA übersetzt, um damit Proteine herstellen zu können. Genau das macht die Zelle für uns auch im Fall einer mRNA Impfung - sie stellt ein Oberflächenprotein des SARS-CoV-2 her, das Spike-Protein. Unser Immunsystem kann darauf reagieren und hat bei einer Infektion mit dem ‚echten‘ Virus sofort eine Abwehr zur Verfügung.

Auch die Sorge um die Fruchtbarkeit ist unbegründet. Es gibt wohl in der Placenta Proteine, die vom Bauplan her dem Spike-Protein des SARS-CoV-2 ähnlich sind. Diese Ähnlichkeit ist aber minimal und nicht relevant. Der Bauplan all unserer menschlichen Proteine ist auf nur 20 Bausteine, sogenannte Aminosäuren, begrenzt. Diese kann man sich wie Legosteine vorstellen. Sie werden für jedes Protein in einer einzigartigen 3D-Struktur zusammengesetzt. Die tatsächliche zusammengefaltete Form dieser Proteine ist so unterschiedlich, dass Verwechslungen ausgeschlossen werden können. Ähnlichkeiten im Bauplan finden sich auch mit Proteinen von herkömmlichen Schnupfenviren oder Viren die Durchfallerkrankungen auslösen (z.B. Rotaviren). Man kann aber weder durch SARS-CoV-2, noch durch Schnupfen-, oder Rotaviren unfruchtbar werden und durch die mRNA Impfstoffe, die nur das Spike-Protein herstellen lassen, auch nicht
– Susanna Zierler ist Professorin für Pharmakologie an der Medizinischen Fakultät der JKU und leitet das Institut für Pharmakologie.

Susanna Zierler ist Professorin für Pharmakologie an der Medizinischen Fakultät der JKU und leitet das Institut für Pharmakologie.
  • Susanna Zierler ist Professorin für Pharmakologie an der Medizinischen Fakultät der JKU und leitet das Institut für Pharmakologie.
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Der Impfstoff wurde viel zu schnell entwickelt, das ist doch komisch!“

Die Entwicklung der mRNA Impfstoffe ist zwar rascher vor sich gegangen, aber es wurden dabei keine Schritte bei der Zulassung übersprungen, sondern lediglich überlappend durchgeführt. Sie sind daher genauso sicher, wie andere Impfstoffe und mittlerweile an Millionen Menschen angewandt. Rascher war die Entwicklung auch deshalb, weil die wissenschaftliche Gemeinschaft an einem Strang gezogen hat und weltweit gleichzeitig daran geforscht wurde. Es ist sehr erfreulich, dass in so kurzer Zeit wirksame Präventionsmittel gefunden wurden, die ein Ende dieser Pandemie greifbar machen. Das hat auch deutlich gemacht, was alles möglich ist und es wird vielleicht auch in Zukunft die Arzneimittelentwicklung vorantreiben. An der Technologie selbst wird ja bereits seit zwei bis drei Jahrzehnten geforscht. Weitere Einsatzgebiete sind beispielsweise neue Therapien gegen Krebserkrankungen
– Susanna Zierler ist Professorin für Pharmakologie an der Medizinischen Fakultät der JKU und leitet das Institut für Pharmakologie.


„Impfpflicht - nein Danke. Wir leben ja schon in einer Corona-Diktatur!"

Dass einem staatliche Anordnungen etwas vorschreiben, das man selbst strikt ablehnt, macht einen Staat noch nicht zu einer Diktaktur. Die Corona-Maßnahmen beruhen auf Gesetzen, die von den vom Bundesvolk gewählten Abgeordneten - zum Teil sogar mit qualifizierter Mehrheit - im dafür vorgesehenen Verfahren beschlossen wurden, jeder und jede kann diese Maßnahmen - auch öffentlich im Rahmen von (friedlichen) Demonstrationen - kritisieren, ohne dafür strafrechtlich verfolgt zu werden, man kann die Rechtmäßigkeit der Maßnahmen, insbesondere auch deren Vereinbarkeit mit den Grundrechten, vom Verfassungsgerichtshof überprüfen lassen und jede*r wahlberechtigte Bürger*in kann bei den nächsten Wahlen die Stimme einer Partei geben, die die eigenen Standpunkte teilt, oder sogar selbst für ein Mandat in Nationalrat oder Landtag kandidieren und so versuchen, diese Standpunkte mehrheitsfähig zu machen (siehe zuletzt MFG in Oberösterreich). Österreich erfüllt damit auch in der Pandemie nach wie vor alle Kriterien einer funktionierenden Demokratie.
– Andreas Janko ist Professor für Öffentliches Recht und Vizedekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Johannes Kepler Universität

Andreas Janko ist Jurist und Professor für Öffentliches Recht an der JKU Linz.
  • Andreas Janko ist Jurist und Professor für Öffentliches Recht an der JKU Linz.
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"Was in den Mainstream-Medien steht, glaube ich auf keinen Fall. Die sind doch sowieso alle gleich geschalten!"

Die Informationen in Zeitungen, Radio und Fernsehen ähneln sich wirklich. Wahrscheinlich, weil ihre Journalisten bei den Ärzten und Wissenschaftlern nachfragen, die täglich gegen das Corona-Virus und vor allem um das Leben von Menschen kämpfen. Und diese Experten sind sich einig: Dass die Impfung derzeit das einzige Mittel ist, um Corona zu besiegen. Aber die Journalisten fordern für diese Behauptung der Ärzte und Wissenschaftler auch Belege, Zahlen ein. Imfpskeptischen Familienmitgliedern oder Freunden würde ich konkrete Artikel oder Beiträge vorschlagen: "Lies Dir mal dieses Interview mit XY" oder "Schau Dir mal das Interview mit XY an", und dann die Frage stellen: "Was glaubst Du, stimmt an den Aussagen in diesem Artikel, in diesem Fernsehbeitrag nicht?“
Thomas Winkler ist Chefredakteur der BezirksRundSchau.

Das hilft bei Konflikten in der Familie – fünf Tipps

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