Corona-Krise
Linzer Kulturszene zwischen Bangen und Hoffen

Das EAV-Musical "Total Verunsichert - Die Erste Allgemeine Verunsicherung" ist wohl frühestens im Herbst im Theater der Innenstadt zu sehen.
  • Das EAV-Musical "Total Verunsichert - Die Erste Allgemeine Verunsicherung" ist wohl frühestens im Herbst im Theater der Innenstadt zu sehen.
  • Foto: Richard Schaefer
  • hochgeladen von Christian Diabl

Während in der Corona-Krise vor allem kleine Kulturvereine um ihre Existenz bangen, lässt substanzielle Hilfe der Politik weiter auf sich warten. Eine Rundschau in der Linzer Kulturszene.

LINZ. Kaum ein Bereich unserer Gesellschaft bleibt von den Corona-bedingten Einschränkungen verschont. Besonders schwer hat es die Kulturbetriebe erwischt. Gemeinsam mit Veranstaltern aus der Freizeit- und Sportbranche waren sie die Ersten, die geschlossen wurden und werden vermutlich die Letzten sein, die wieder aufsperren dürfen. Vor allem kleinere Vereine und Initiativen zittern jetzt um ihr Überleben, wie ein – freilich nicht repräsentativer – Rundruf der StadtRundschau zeigt.


„Null Einnahmen und volle Kosten“

Das Bild ist überall ähnlich: keine Einnahmen, aber weiter laufende Kosten. Besonders die Miete macht kleinen Vereinen zu schaffen. Im luft*raum in der Langgasse sind normalerweise mehrere davon aktiv – von einer Einkaufsgemeinschaft bis zur Nähküche. Nun steht der Betrieb still. „Null Einnahmen und volle Kosten“, resümiert Obfrau Martina Eigner, die nicht weiß, wo sie das Geld für die nächsten Monate hernehmen soll. Glücklich ist, wer einen großzügigen Vermieter hat: Der Kulturverein Strandgut in Urfahr zahlt in der Krise für drei Monate nur die halbe Miete. Weil es auch Rücklagen gibt, ist der Verein vorerst gerettet. „Eine Zeitlang schaffen wir das“, sagt Obmann Robert Auzinger, zumal im Strandgut alle ehrenamtlich arbeiten und so keine Personalkosten anfallen.


Geringfügige gehen leer aus

Umgekehrt ist die Situation im Theater Phönix. Hier gibt es keine Mietkosten, da das Haus dem Verein gehört, dafür aber erheblichen Personalaufwand. Weil der Aufführungsbetrieb aber stillsteht ist der Großteil des Teams in Kurzarbeit, die das Phönix für die nächste Zeit absichert. Aber auch hier gibt es Krisenopfer. Von zehn Studierenden, die geringfügig an der Kassa, in der Garderobe und im Lokal gearbeitet haben und nicht unter die Kurzarbeitsregelung fallen, musste sich das Theater trennen. Sorgen macht sich Theaterleiterin Romana Stauffer-Hutter auch um Partner, mit denen man für Stücke zusammengearbeitet hätte, die nun abgesagt werden mussten. Das sind befristete Dienstnehmer in den Bereichen Regie, Kostüme und Bühnenbild, die jetzt um ihr Einkommen fallen.


Je prekärer, desto schlimmer

Generell gilt: Je prekärer die Menschen schon vor der Krise beschäftigt waren, desto härter treffen sie jetzt die Auswirkungen. Diesen Eindruck bestätigt Thomas Diesenreiter, Geschäftsführer der Kulturplattform OÖ (KUPF). Viele Kunst- und Kulturschaffende hangeln sich von Projekt zu Projekt und haben als zweites Standbein kleine Anstellungen bei Vereinen. In der Krise sind beide Einkommensquellen entweder gefährdet oder bereits versiegt. Neben kleineren Hilfstöpfen wie dem Kultur-Katastrophenfonds für Musikschaffende der AKM oder dem Künstler-Sozialversicherungsfonds, die Nothilfe leisten, sind Freischaffende auf den von der WKO betreuten Härtefall-Fonds angewiesen. Wie für viele andere Neue Selbstständige und EPUs ist dieses Geld aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sofern sie überhaupt anspruchsberechtigt sind.


„Alle Pläne umgeschmissen“

Das betrifft auch viele Mitwirkende des Theaters in der Innenstadt, die nun um ihre Einnahmen fallen. Nur ein Mitarbeiter ist angestellt und profitiert von der Kurzarbeitsregelung. Besonders schlimm hat es eine neue Kollegin erwischt, die erst eine Woche vor Corona von Köln nach Linz gezogen ist. Für sie gebe es keine Unterstützung aus Deutschland, weil sie dort nicht mehr lebt, und auch hier nichts, weil sie ja gerade erst gekommen ist, erzählt Theaterchef Nik Raspotnik, der selbst auf den WKO-Härtefall-Fonds angewiesen ist. Der Theaterbetrieb steht auch hier still. „Wir haben unsere ganzen Herbstpläne umgeschmissen. Wir können ja nichts proben“, sagt er. Die freie Zeit kann Raspotnik immerhin für seit Langem notwendige Renovierungsarbeiten nutzen, denn dank eines Fördervereins ist die Existenz des Theaters vorerst gesichert.


Preisgeld rettet

Auch den Kulturverein Schlot im Franckviertel wird es vermutlich im Herbst noch geben. Das ist nicht nur dem Einsatz der Aktiven, sondern auch dem Zufall geschuldet, denn der Verein wurde gerade erst mit dem „Großen Landespreis für initiative Kulturarbeit“ ausgezeichnet. Man hätte das Preisgeld klarerweise lieber für neue Projekte genutzt, jetzt aber ermögliche es dem Verein, die Miete weiterzuzahlen, sagt Obfrau Birgit Koblinger.


„Brauchen klare Ansage“

Was allen Vereinen zu schaffen macht, ist die Unsicherheit – sowohl was die Hilfe als auch einen Zeitplan für ein Wiederaufnehmen der Tätigkeit betrifft. „Wir brauchen irgendwann mal eine klare Ansage, wie ein Vorstellungsbetrieb im Herbst ausschaut, sonst können wir nicht planen“, sagt Stauffer-Hutter vom Phönix. Davon hängen oft existenzielle Entscheidungen ab: „Wenn ich im Herbst keine zehn oder zwölf Leute hereinlassen kann, brauche ich gar nicht anfangen“, sagt Eigner. „Soll sich der luft*raum ein Lager mieten, alles einpacken und darauf warten, bis alles vorbei ist?"


Hilfe vorerst nur ankündigt

Was an den Nerven nagt: Hilfe durch die Bundesregierung lässt weiter auf sich warten. „Es fehlen nach wie vor die Kriterien für die Förderung für NGOs und Kulturvereine aus dem Härtefonds des Bundes“, sagt Diesenreiter. Zwar hat auch das Land OÖ einen Härtefall-Fonds für Vereine angekündigt. Aktuell können diese aber weder beim Bund noch beim Land tatsächlich Anträge stellen. Problematisch sei auch, dass Land und Stadt immer zuerst auf den Bund verweisen.


Nur kleine Erleichterungen

Im Prozessbereich sind zwar Erleichterungen beschlossen worden. So werden Förderbeträge rascher ausbezahlt und auf Ratenzahlungen verzichtet. Förderungen für Corona-bedingt entfallene Projekte müssen zudem nicht zurückbezahlt werden. Auch hat die Stadt Linz die Atelierförderung erhöht. Ein wirklicher Ausweg für die Vereine ist das alles aber nicht. „Abzuwarten bleibt, ob die bisher geplanten Summen überhaupt ausreichen. Denn niemand kann seriös sagen, wie lange die Einschränkungen im Kulturbereich noch dauern werden“, sagt Diesenreiter. Zudem werde auch das Publikum nicht von einem Tag auf den anderen zurückkehren.


KUPF fordert Kulturkonjunkturpaket

Für Diesenreiter braucht es neben den akuten Rettungsmaßnahmen auch ein Kulturkonjunkturpaket für die Zeit danach. „Denn selbst wenn die Betriebe jetzt irgendwie über die Phase des Stillstands drüberkommen, fehlt ja später das Geld für die Produktionen“, so Diesenreiter. Die KUPF will das Land OÖ daher überzeugen, auch wieder einen Kulturinnovationstopf, gefüllt mit einer Million Euro, ins Leben zu rufen. „Es braucht Impulse der Kulturpolitik, die über die Schadensbegrenzung hinausgehen“, so Diesenreiter.


Kulturszene jetzt unterstützen

Im Theater in der Innenstadt ist man trotz allem zuversichtlich: „Es wird weitergehen und die Leute freuen sich darauf“, sagt Raspotnik, der sein Theater im Herbst wieder voll sehen will. Damit das für möglichst alle Kulturschaffende in der Stadt gilt, ist auch das Engagement der Linzer gefragt: Wer die Kulturszene unterstützen will, kann zum Beispiel auf die Refundierung von bereits gekauften Tickets verzichten, Gutscheine erwerben und Vereine direkt durch Spenden oder Mitgliedsbeiträge unterstützen.

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