Schülerinnen und Schüler streiken
So läuft das Kopftuchverbot an den Linzer Schulen
- V.l.: Anna, Felix und Mel nehmen an der Kundgebung gegen das Kopftuchverbot am 9. Oktober um 8.30 Uhr am Martin-Luther-Platz teil.
- Foto: MeinBezirk
- hochgeladen von Julia Höllhuemer
Seit September 2026 gilt an Österreichs Schulen ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren – die Bundesregierung begründet die Regelung mit dem Schutz vor religiösem Zwang. In Linz sind nach ersten Einschätzungen nur wenige Schülerinnen betroffen, oberösterreichweit sind laut Bildungsdirektion vier Verstöße gegen die Regelung bekannt. Anlässlich des Verbots hat sich in der Landeshauptstadt eine Schüler-Streikversammlung gegründet, die am 9. Oktober gegen die neue Kleidervorschrift protestiert.
LINZ. Das Kopftuch gilt laut politischen Befürwortern der Regelung als mögliches Zeichen von Unterdrückung und patriarchalen Strukturen. Das Verbot soll muslimische Mädchen unter 14 Jahren demnach schützen, ihre Entfaltungsfreiheit stärken und Chancengleichheit fördern. In Linz sind nach ersten Einschätzungen nur wenige von der neuen Regelung betroffen.
Ruhige Lage an den Schulen
An der Linzer MS 17 mussten vier Schülerinnen ihr Kopftuch abnehmen – nach Gesprächen im Vorfeld kam es zu keinen Verstößen. Am BRG Hamerling und der VS 16 gebe es ohnehin keine Mädchen, die ein Kinderkopftuch tragen, heißt es aus den Direktionen.
Laut Bildungsdirektion Oberösterreich ist die Lage seit der Einführung des Verbots ruhig. Landesweit sind nur vier Verstöße bekannt. Trotzdem protestieren Linzer Schülerinnen und Schüler am 9. Oktober 2026 gegen die Kleidervorschrift. Felix, Schüler am Georg-von-Peuerbach-Gymnasium, sagt: "Das Verbot ist rassistisch und spricht kein reales Problem an den Linzer Schulen an."
"Stimmungsmache"
Ähnlich sieht das auch Finnley von der Kunst HBLA: "Das Gesetz basiert auf einer Stimmungsmache gegen Menschen mit Migrationshintergrund." Jakob, ein Schüler der HTL Linz, spricht sich ebenso gegen das Verbot aus: "Eine staatlich verordnete Kleidervorschrift hat nichts mit der Selbstermächtigung von Mädchen zu tun. Sie ändert nichts an Femiziden und steigender Armut, die Frauen hart treffen. Wir würden uns wünschen, dass die Politik endlich die Themen aufgreift, über die wir uns Sorgen machen, statt weiterhin den Hass gegen Musliminnen und Muslime zu befeuern."
Anlässlich des Verbots gründete sich die Streikversammlung der Linzer Schülerinnen und Schüler, unterstützt von der Sozialistischen Jugend (SJ) und der Revolutionären Kommunistischen Partei (RKP), so Mitorganisatorin Mel.
Besonders engagiert sind die Schülerinnen und Schüler der Linzer Bildungsanstalt für Elementarpädagogik (BAfEP): Die 17-jährige Clara gründete dort vor drei Wochen ein Schulstreikkomitee, derzeit sprechen sich 60 bis 70 Personen gegen die Regelung aus. Auch Lehramtsstudierende wie Anna, SJ-Vorsitzende in Linz, streiken mit: „Lehrpersonen müssen Verstöße melden, sonst drohen Strafen. Das schädigt die Vertrauensbasis zwischen Lehrkraft und Schülerin.“
Kopftuch ist keine Alterssache
Die Islamische Religionsgemeinde Oberösterreich – sie ist an der Kundgebung nicht beteiligt – betonte auf MeinBezirk-Anfrage, dass das Kinderkopftuch im Islam nicht vorgeschrieben ist. Religiöse Gebote seien nicht an ein bestimmtes Alter, sondern an persönliche Reife und Einsichtsfähigkeit geknüpft, erklärt der stellvertretende erste Imam, Hajret Beluli.
"Ob und wann ein Mädchen das Kopftuch trägt, ist eine persönliche Entscheidung. Für uns gilt: Kein Mädchen darf zum Tragen gezwungen werden, und keines zum Ablegen." Ob das neue Gesetz verfassungskonform ist, müsse der Verfassungsgerichtshof entscheiden. Dieser hatte 2020 bereits eine ähnliche Regelung aufgehoben.
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