RAIFFEISEN ARENA
"Stadien sind Orte der Kommunikation"

Harald Fux (r.) und sein Büro Raumkunst haben das Stadionprojekt des LASK - die Raiffeisenarena - gewonnen.
  • Harald Fux (r.) und sein Büro Raumkunst haben das Stadionprojekt des LASK - die Raiffeisenarena - gewonnen.
  • hochgeladen von Benjamin Reischl

Im ausführlichen Interview mit der StadtRundschau stellt sich Architekt Harald Fux den Fragen von Redakteur Benjamin Reischl und spricht im Interview über die Raiffeisen Arena im Herzen der Landeshauptstadt.

Vor drei Wochen hat der LASK auf der Gugl seine neue Heimat präsentiert. Am verantwortlichen Architekten geht ein solches Ereignis auch nicht spurenlos vorrüber?
Harald Fux: In der Tat war es ein absolut würdiger Rahmen, die Raiffeisen Arena der breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können. Die Chancen war ja nicht gerade niedrig, dass eine solche dem Ereignis entsprechende Präsentation ob der aktuellen Situation gar ins Wasser fällt.

"Nach dem Anruf bin ich auf die Straße und habe gejubelt" 

Mit dem LASK hat es nun ein absoluter Traditionsklub geschafft, ein modernes Stadion, eine Arena zu realisieren, das den eigenen Ambitionen und vor allem der mehr als 110-jährigen Geschichte gerecht wird. Wenn Sie sich zurückerinnern, wie haben Sie darüber erfahren, dass Ihr Projekt gewonnen hat.
Ich kann mich noch relativ gut erinnern. Es war um meinen Geburtstag herum und Sie können sich vorstellen, was das für einen bedeutet. Wir haben beginnend ab Februar sehr, sehr viel Zeit in dieses Projekt investiert und auch gewusst, dass wir etwas ganz Tolles geplant haben. Dass wir gewinnen, mit dem konnte natürlich keiner rechnen. Wir waren von unserem Projekt überzeugt, dass es etwas Besonders ist, aber wie es in solchen Bewerben halt ist, ist man der rauen See ausgesetzt – das ist richtig geflutscht. Die Freude war dementsprechend groß. Nach dem Anruf bin ich einmal raus auf die Straße und habe mich unendlich gefreut und gejubelt. Das Stadion des LASK ist keine Kopie, es gibt hier kein Patentrezept, sondern ein Stadion, das zur Stadt und dem Land Oberösterreich passt.

Inwiefern würden Sie sagen, dass das Stadion auf der Gugl OÖ widerspiegelt?

Das Stadion wird ein Ort der Begegnung. Man nähert sich von Westen dem Stadion, betritt dieses über das Fandorf. Mit diesem am Stadionvorplatz und den anderen Einrichtungen ist für jeden Gusto etwas dabei. Ungeachtet dessen, welche Karte oder welches VIP-Armband man trägt, hat man beispielsweise vor dem Spiel im Fandorf die Chance, miteinander ein Bier zu trinken, zu plaudern, die Zeit miteinander zu verbringen und dann das Spiel zu besuchen. Wir verfolgen hier eine völlig neue Philosophie, denn das Stadion soll zum Band werden, das Fans und Menschen verbinden.

"Neue Arena ist absolute Kür für mich"

Jetzt investiert man als Architekt unzählige Tage und Nächte in das Projekt, gewinnt dann eines der begehrtesten Projekte, die in einer schwierigen Zeit zu haben sind und möchte für einen Verein eine perfekte neue Heimat schaffen. Schweißt einen das zusammen?
Die jüngere Geschichte des LASK habe ich als Oberösterreicher natürlich mitverfolgt, aber in den letzten Monaten ist hier etwas entstanden. Man fiebert mit, sitzt vorm Fernseher, so wie letzte Woche gegen Manchester und nimmt den Klub ganz anders war, viel intensiver würde ich meinen.

Sie haben als Architekt mit Ihrem Büro Raumkunst langjährige Erfahrung im Bereich Stadionbau. Ist ein solches Projekt die Kür, wenn man bedenkt, dass in Österreich wenn überhaupt alle 20 Jahre ein solches Stadion realisiert wird.
Da stimme ich Ihnen zu. Wir haben bisher sehr viele Projekte im Sportstättenbau realisieren können, darunter auch im Bildungsbereich und bei kleineren Vereinen. Bereits als junger Architekt habe ich Erfahrungen sammeln dürfen und war an der Errichtung der Stadien in Innsbruck, Salzburg, Klagenfurt und St. Pölten beteiligt, nur bei den beiden neuen Wiener Stadien habe ich nicht mitgemischt. Alles sind wunderbare Erfahrungen gewesen, aber dieses Stadion zu entwerfen, ist schlussendlich die absolute Kür für mich.

Im Laufe der Zeit sammelt man Erfahrungen, wie Sie bereits angesprochen haben. Aktuelle Stadionprojekte zeigen, wie man es machen kann, aber oft auch nicht machen sollte. Sie haben oft keinen Charakter, wirken austauschbar, oft wie ein Bausatz aus Beton und Glas.

Das sehe ich auch so und das war allen Beteiligten von Beginn an klar, dass man sich hier von der breiten Masse abheben möchte. Das Stadion des LASK entspricht den höchsten Standards und zeigt, was es heißt, eine moderne Sportstätte zu entwerfen.

"Der Fußball verbindet unterschiedliche Milieus"

Ein Stadion mit Ecken und Kanten, auch wenn es oval ist, wenn ich richtig verstehe?
Durchaus, der Wiedererkennungswert ist unmissverständlich durch die zulaufende herzförmige Form gegeben und hebt sich deutlich von anderen Beispielen ab. Der LASK hat hier sehr konkret in Form eines Anforderungskatalogs aufgezeigt, was er möchte. Es ist nicht so, dass man einfach ein Stadion hinstellt und sagt, dass es das war. Stadien der Moderne sind Orte der Kommunikation, des Treffens, Teile unseres sozialen Lebens, sie haben soziokulturelle Bedeutung, verbinden Jung und Alt, Mann und Frau. Der Fußball zeigt, wie man unterschiedliche Milieus miteinander verbindet. Man muss sich das wie einen Kreis vorstellen, der alle verbindet, eine Einheit stiftet.

Zuvor haben Sie angesprochen, dass Sie bei den Arenen in Salzburg und Klagenfurt mitwirken durften. Beide unterscheiden sich doch recht deutlich von all jenen Stadion, die zuvor errichtet wurde.
Wir sind mittlerweile in vielen europäischen Städten tätig, so in Berlin, Hamburg oder München. Generell hat sich die Stadionarchitektur und vor allem die Anforderungen, die an diese Orte des Wettkampfes gerichtet sind, von der Basis an verändert.

Wann oder wo würden Sie sagen, dass es einen Wendepunkt gegeben hat, der die aktuellen Strömungen in der Stadionarchitektur begründet hat.
Mit großer Sicherheit das Tivoli in Innsbruck. Für seine Entstehungszeit war es visionär. Vieles, was dort realisiert wurde, war neu, zuvor unvorstellbar und hat bei weitem nicht all das umgesetzt, was man hätte können. Generell muss man beobachten, dass man im Bereich der Stadionarchitektur relativ rasch das Attribut „veraltet“ zugeschrieben bekommt.

"Nicht nur mehr der Mieter sein"

Was können Sie und der LASK machen, dass man in zehn Jahren nicht sagt, dass der LASK eine „alte“ Arena hat.
Wir sind neue Wege gegangen und gehen diese weiterhin. Wir zeigen neue Möglichkeiten auf und stützen uns auf unsere eigene Planung. Das Stadion wird modern, der Verein arbeitet hier sehr großzügig und hat stets mitgedacht, was man haben, aber auch vermeiden möchte. Der Verein denkt hier traumhaft.

Das erweckt den Anschein, dass es Unterschiede im Bereich von durch die öffentliche Hand und privat finanzierte Projekte gibt.
Sehr wohl, der Freiraum ist bei diesem Projekt ein ganz anderer. Das ist einzigartig und wirkt sich positiv auf den einzigarten Wiedererkennungswert des Stadions aus. Als Architekt steht man im Austausch, ist international vernetzt und bekommt mit, was sich auf der internationalen Bühne tut und als LASK ist man hier mit der Raiffeisen Arena in der absoluten Spitze vertreten. Für den LASK ist es wichtig, ein eigenes Stadion zu haben und nicht nur Mieter zu sein. Als Verein hat man in dieser Situation Wagnis und Gewinn in einer Hand, doch dieses Stadion ist eine Garantie für Wachstum und schlägt außerdem ein Band zwischen Stadt und Verein.

Ein Stadion ist für mich ein wichtiges Zeichen in Bezug auf die Identität eines Klubs.
Das fängt beim eigenen Rasen an, geht über den Fanshop und die Tribünen bis zum gesamten Stadion. All diese Faktoren sind für die Identität eines Klubs essenziell. Den Spielern wird mit den Tageszimmern eine echte Heimat gegeben. Das ist ein großes Statement und sorgt für einen vollwertigen Arbeitsplatz.

Doch nicht alles glänzt, was golden ist. Rechnen Sie mit Problemen, ich denke hier an den Rasen.

Das ist ein spannender Bereich, über den wir uns natürlich Gedanken gemacht haben. Es ist nicht wirtschaftlich, wenn man wie in vielen Stadien Europas dazu gezwungen ist, ein oder zwei Mal pro Jahr den Rasen zu wechseln. Vor allem ist es nicht nachhaltig, was das neue Stadion aber anstrebt zu sein. Wir arbeiten hier gerade mit einem Expertenteam in einem Windkanal am Stadionmodell und sind davon überzeugt, dass es diese Probleme nicht geben wird und für ausreichend Belüftungsmöglichkeiten gesorgt wird und ausreichend Sonnenlicht auf den Rasen fällt. Klagenfurt ist in diesem Bereich hervorragend realisiert worden.

Generell erweckt es den Anschein, dass moderne Stadion viel durchkomponierter sind als altehrwürdige Arenen.
Ich kann mich erinnern, als wir damals für die Gestaltung der Kabine des Deutschen Nationalteams bei der EM verantwortlich waren. Das war für mich ein einschlägiges Erlebnis, denn die Spieler fühlten sich in der Wörtherseearena in Klagenfurt in ihrer Kabine absolut nicht wohl. Wir mussten diese im Lounge-Stil, übrigens auf Kosten der UEFA, adaptieren. Eine Kabine in spartanischer Gestaltung verkauft man nicht mehr, die Profis sind anspruchsvoller geworden und wir beobachten das auch im Amateurbereich. Im 21. Jahrhundert reicht es nicht mehr aus, eine saubere Dusche vorzufinden.

Entscheiden Sie dann wirklich als Architekt vom WC bis zur Außenhülle?

Ich möchte mich soweit es geht einbringen und achte wirklich darauf, dass alles in Ordnung geht. Wer die oberösterreichischen Gewerke kennt, weiß, dass diese hervorragend arbeiten. Jedenfalls möchte ich bis zur letzten Sockelleiste, dass alles seine Ordnung hat und sich ineinanderfügt. Während der Errichtung werde ich sehr viel Zeit in Linz verbringen, denn ich bin ein Perfektionist und stehe für alles zur Verfügung.

Bis es dann wirklich losgeht, wird es noch ein wenig dauern. Wann rechnen Sie mit dem Baustart?

Wenn die Witterung passt, wird es mit Jahreswechsel losgehen.

Ein solches Projekt stellt eine ganze andere Größenordnung als die Errichtung eines Einfamilienhauses dar. Wie wird hier vorgegangen, in Form eines Generalunternehmers?

Davon möchte man seitens des LASK absehen und ich unterstütze das. Wir gehen hier vielleicht einen oberösterreichischen Weg bestehend aus vielen kleinen Teilen, denn dieser Modus wird am Ende der effizientere und kostengünstigere sein.

Aus einem Gespräch mit Jürgen Werner ging hervor, dass die Kabine rund sein soll. Zufall oder geplant, denn ich kenne das beispielsweise aus dem Giuseppe Meazza in Mailand.
Das folgt derselben Philosophie, die ich bereits zuvor angesprochen habe. Ein Kreis, ein Band, das alle verbindet und zusammenrücken lässt.

Wenn man auf der Autobahn nach Linz reinfährt erspäht man nicht nur die VOEST, den Linzer Dom, sondern auch die Gugl am Froschberg, insbesondere die vier Fluchtlichtmasten.
Beim ersten Rendering war ein Mast noch dabei, am Modell nicht. Es gibt Überlegungen, diesen zu erhalten. Mir ist bewusst, dass das für die Identifikation vieler Fans mit dem Stadion sehr wichtig ist und die Anliegen der Fans auch dem Klub bewusst sind. Ich denke auch, dass diese eine wirkliche Landmark darstellen. Die Türme sind für mich Kunstwerke, die architektonisch etwas hergeben. Es gilt nun zu prüfen, ob diese in bautechnischer Hinsicht in Ordnung sind. Ich persönlich tendiere in Richtung Erhalt eines Turmes, den man toll, beispielsweise im Rahmen eines Spieltages, in Szene setzen könnte, damit deutlich wird: Hier spielt der LASK.

Eine recht subjektive Frage, aber mich würde interessieren, wenn Sie die Wahl hätten: Ein Stadion in der Stadt oder am Land?

Hier gibt es nicht viel zu überlegen: Eindeutig in der Stadt. Denken Sie an diese Arenen am Stadtrand, wo Spiele spätabends stattfinden, vor Spielbeginn die Menschen aufsaugen und dann abseits jeglicher Gastronomie oder anderer Treffpunkte die Besucher wieder ausspucken. Das Stadion am Froschberg ist von der Lage perfekt.

Ich persönlich habe die Spiele auf der Gugl im letzten Jahr sehr genossen, ist man doch direkt in der Stadt, kann sich treffen, hat Berührungspunkte.
Dem stimme ich zu. Ich konnte mich jetzt selbst mehrmals überzeugen, egal ob zu Fuß, oder mit den Öffis, man ist schnell beim Stadion. Der Bahnhof ist bei nationalen und internationalen Spielen rasch erreichbar und wer möchte, kann nach dem Spiel im Stadion verweilen, oder beispielsweise zu Fuß in Richtung Innenstadt schlendern.

Zuvor haben wir bereits über Vereine und ihre Identität unterhalten. Kann das Stadion hier der letzte große Baustein sein, auch was die Verankerung in der Stadt betrifft?

Davon bin ich überzeugt. Linz ist immer einen Sonderweg gegangen und hat sich seit vielen, vielen Jahren einer modernen Architektur verschrieben, aber auch alte Substanz erhalten und sich seiner Geschichte gestellt. Das Stadion fügt sich mit seiner unverkennbaren Erscheinung den Ansprüchen einer Industrie- und Kulturstadt. Gerade Stahl bietet sich hier als Baustoff an, den wir auch ins neue Stadion integrieren werden, aber viel heller, denn graue und schwarze Stadien gibt es zur Genüge.

Am Ende des Tages ist wohl ein unermessliches Maß an Arbeit, das auf alle Beteiligten hereinkommt, natürlich auch auf Sie. Ist das heutzutage überhaupt ein Geschäft?
Wissen Sie, es ist mittlerweile so, dass ich sehr lange im Geschäft bin. Ich betrachte meinen Job als Berufung und es geht nicht immer nur um Geld. Vielmehr ist dieses Projekt für mich eine Muse, meine Leidenschaft und die gewichtet mehr. Emotionen kann man nicht aufwiegen, die haben einen unermesslichen Wert.

Danke für das ansprechende Gespräch.

Sehr gerne, besten Dank.

Harald Fux ist gebürtiger Oberösterreicher, geboren in Freistadt, und führt in Wien gemeinsam mit seiner aus Ried im Innkreis stammenden Partnerin Christine Diethör das Architekturbüro Raumkunst, mit dem er sich der Errichtung von Schul- Sportstätten verschrieben hat. Nach der Matura am Gymnasium Freistadt verschlug es den Mühlviertler an nach Wien, wo er an der Technischen Universität Wien studierte. Harald Fux ist Präsident der österreichischen Sektion der vom IOC und IPC anerkannten Vereinigung für Sport- und Freizeitanlagen IAKS und ist Vorstandsmitglied im IAKS International. Er war als Lektor an der Hochschule München, der Fachhochschule Technikum und der Universität für Bodenkultur in Wien tätig und ist Experte im österreichischen Normungsinstitut Austrian Standards Institute.

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