Alles wieder aussteigen, bitte!

Diese Schülerinnen warten auf ihren Bus und hoffen, dass sie einen Platz ergattern.
  • Diese Schülerinnen warten auf ihren Bus und hoffen, dass sie einen Platz ergattern.
  • hochgeladen von Julia Hettegger

Eltern wehren sich gegen Vorgehensweisen der ÖBB-Postbusse. Erst letzte Woche musste eine Zehnjährige aussteigen, um Platz zu machen. „Lächerlich“, ärgert sich der Vater des Kindes, „der Lenker hat im Sinne der Kunden gehandelt“, kontert man bei der ÖBB-Postbus GmbH.

ST. JOHANN/SCHWARZACH (jb). Dass die Schülerbusse im Pongau immer zum Bersten voll sind, davon können die Nutzer ein Lied singen – alles Gewohnheitssache, wenigstens kommen die Kleinen auf sicherem Weg nach Hause! Oder auch nicht, denn vergangene Woche machte die zehnjährige Isabella Haitzer aus Schwarzach eine ganz andere Erfahrung mit den ÖBB-Postbussen: „Wie immer am Mittwoch, wollte ich mit dem Linienbus um 13:45, der nach Taxenbach fährt, vom Busbahnhof St. Johann nach Schwarzach fahren“, berichtet die Musikhauptschülerin, „der Bus war wie immer voll, sodass der Lenker die Fahrgäste aus Schwarzach aufforderte auszusteigen“, – worauf Isabella alleine auf der Bushaltestelle zurückblieb. „Meine Freundinnen standen alle weiter hinten im Bus und haben gar nicht bemerkt, dass ich ausgestiegen bin“, erzählt die Zehnjährige, deren Vater sie daraufhin mit dem Auto von St. Johann abholen musste. „Der Lenker hat hier im Sinne des Kunden gehandelt“, nimmt man seitens der ÖBB-Postbus GmbH Stellung, „bei diesem Vorgehen stehe ich völlig hinter der Handlung des Fahrers, der von uns dahingehend geschult wird, Umsteigeverkehr auszuschließen und daher den Taxenbacher Fahrgästen ‚Vorrang‘ zu geben“, argumentiert Gebietsleiter Hannes Bogensperger. „Völlig lächerlich“, meint Schwarzachs Bürgermeister Andreas Haitzer (SPÖ), Vater der kleinen Isabella, „soll das etwa heißen, dass ein zehnjähriges Mädchen mehr im Bus, den Platz für so viele Taxenbacher besetzten würde? Außerdem ist es eine moralische Fehlentscheidung des Lenkers, ein Kind alleine aussteigen zu lassen.“ – Kein Handlungsfehler, kontert man bei den ÖBB-Postbussen, „– schließlich habe der Fahrer im Glauben gehandelt, dass ein Schülerbus nach Schwarzach in wenigen Minuten folgen würde“, so Bogensperger, der angibt, dass dieses Vorgehen (Fahrgäste bei Überfüllung auf einen späteren Bus zu verweisen) durchaus häufig praktiziert wird. Isabella jedoch weiß: „Ich fahre immer mit diesem Bus, aber noch nie hat jemand wieder aussteigen müssen!“

Aber der Bus kam nicht ...
Dafür, dass der angegebene „Folgebus“ auch 15 Minuten später, als Bürgermeister Haitzer seine Tochter abholte, nicht gekommen war, hat man keine Erklärung. Auch seien ähnliche Vorkommnisse bei der Zentrale nicht bekannt. „Das glaube ich nicht“, hört man von der Mutter einer ähnlich betroffenen Elfjährigen, „bereits in der Früh sind die Busse so überfüllt, dass ich immer Angst bekomme, meine Kleine könnte ‚zerdrückt‘ werden“, berichtet Alexandra Gassner, ebenfalls aus Schwarzach, „auch kommt es hin und wieder vor, dass Busse an den Haltestellen gar nicht stehen bleiben, sondern gleich vorbeifahren und die Kinder dann für geraume Zeit auf einen Ersatzbus warten müssen“, was für die Mutter vor allem in den Wintermonaten bedenklich erscheint. Auch dafür hat Gebietsleiter Bogensperger eine einfache Erklärung: „Vor allem in der Früh fahren mehrere Busse fast zeitgleich. Die Haltestellen werden dann eingeteilt, damit es nicht zu Überfüllungen kommt. Das muss sein – wir müssen zu den Stoßzeiten einfach ‚entflechten‘.“ Dass diese „Entflechtung“ aber gerade auf dem Rücken der Kleinsten ausgetragen werden muss, verärgert Schwarzachs Ortsoberhaupt Haitzer: „Mit der s'Cool-Card sind unsere Kinder genauso berechtigt, diesen Bus zu nehmen wie ‚normal zahlende‘ Kunden der ÖBB. Da muss man als Fahrer schon darauf achten, wen man zurücklässt.“

Kein Fehlverhalten bewusst
Dass auch Kinder und Schüler wichtige Kunden seien und die gleiche Behandlung bekommen würden wie andere Fahrgäste, beteuert man bei der ÖBB, lenkt aber gleichzeitig ein: „Wenn die Schülerin die Bitte des Fahrers zu grob und damit falsch aufgefasst hat, entschuldige ich mich dafür im Namen des Postbusses“, so Bogensperger.

Dennoch fühlte sich der Fahrer von der Beschwerde des Bürgermeisters angeblich so auf den Schlips getreten, dass er sich tags darauf, als Isabella wieder im Bus war, mittels Mikrofon im vollbesetzten Bus über den Vorfall Luft gemacht haben soll. Beschämend für Isabella, provozierend für ihren Vater und ein Imageschaden für den ÖBB Postbus.

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