06.07.2017, 06:00 Uhr

1967: Ein Sommer wie damals

"Musik aus den 60er- und 70er-Jahren muss man erlebt haben, um sie richtig aus dem Herzen spielen zu können", so Josef Jahrmann.

Liebe, Friede, Freiheit. Loosdorfs Stadtchef Josef Jahrmann erinnert sich an den "Summer of Love".

LOOSDORF. Wir schreiben das Jahr 1967. Die USA befinden sich seit mehr als einem Jahrzehnt im Vietnamkrieg, die "Beatles" veröffentlichen ihr epochales Pop-Album "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" und Walt Disney bringt den Zeichentrickfilm "Das Dschungelbuch" in die Kinos.
Doch 1967 war noch mehr. Vor genau 50 Jahren entwickelte sich von San Francisco aus etwas dermaßen Großes, das heute noch in vielen Köpfen der Menschen nachwirkt. Die Rede ist vom legendären "Summer of Love".
Was in den USA Millionen von Hippies in den Bann zog, war in heimischen Gefilden "etwas schaumgebremster", so Loosdorfs Bürgermeister Josef Jahrmann, der sich noch genau an diese Zeit erinnern kann.

Freiheit statt Geld & Karriere
"Ich war 19 Jahre alt, hatte gerade meine Matura in der Tasche und fühlte mich frei", erzählt Jahrmann. "Das Gedankengut der Hippies von Liebe, Friede, Freiheit schwirrte auch in meinem Kopf, insbesondere als Musiker. Man muss sich bewusst machen, dass zur damaligen Zeit eine sehr strikte Vorstellung von Leben und Karriere in der Gesellschaft herrschte. Mein Vater sagte immer: 'Spare, lerne, leiste was – dann bist du, hast du, kannst du was'. Das war natürlich genau das, was wir Jungen nicht wollten", so der heute knapp 70-Jährige. Auch in Sachen Mode war man in Österreich "hippiemäßig" unterwegs, wenngleich auch nicht ganz so extrem. "Wir trugen zwar alle Glockenhosen und hatten lange Haare, aber bei Weitem nicht so schrill und bunt, wie man es vielleicht aus amerikanischen Filmen kennt", erinnert sich Jahrmann.
Die Hotspots der österreichischen Hippies am Land waren in der Musikerszene beheimatet. Vorbilder, wie die Bands "Ten Years After", "The Beatles" oder die "Rolling Stones", inspirierten Jahrmann auf seinem musikalischen Weg, der durch die Einrückung zum Bundesheer im April 1967 jäh unterbrochen wurde. "Und auf einmal fand ich mich wieder, in jener alten Welt mit ihren Fesseln und Zwängen", berichtet Jahrmann. "Unter der Woche die Strenge beim Bundesheer, am Wochenende die freien Auftritte als Musiker. Diese Kontroverse hat mich übrigens auch dazu veranlasst, Lehrer zu werden. Ich wollte unbedingt den Schülern etwas vom Leben weitergeben." Und was kann man von der damaligen Zeit lernen? "Dass das Verhältnis der Menschen untereinander nicht so aggressiv war, sondern mehr freundschaftlich", so Jahrmann. "Hören wir auf unseren Boden zu zerstören. Unsere Kinder müssen auch noch darauf leben."
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