Skandal
Zwei Stunden kein Arzt im Krankenhaus Mistelbach

Dass Margarete Ehrenreich den Feiertag mit einem Ausflug ins Spital verbringen würde, war so nicht geplant.

MISTELBACH. Die Frau war wegen akuter Rückenschmerzen um 7.30 Uhr morgens mit der Rettung ins Krankenhaus Mistelbach gekommen. "Vermutlich ein Hexenschuss oder etwas eingeklemmt. Auf jeden Fall konnte ich mich gar nicht rühren", erzählte Margarete Ehrenreich. Doch anstatt der erhofften raschen Hilfe passierte im Krankenhaus erstmal gar nichts, auch kein Aufnahmegespräch.
"Irgendwann wurde ich zum Röngten geholt und nur mit einem Leintuch über den nackten Oberkörper wieder rausgeschoben. Meine Kleidung zerknüllt in die Hand gedrückt" empört sich die Frau, die sich wegen der massiven Schmerzen nicht so einfach wieder anziehen konnte.

Warten auf den Arzt

Immer wieder bat Margarete Ehrenreich um Schmerzmittel beziehungsweise eine Infusion, doch man vertröstete sie, dass sie auf einen Orthopäden warten müsse. Auch sonst schaute kein Arzt bei der Patientin vorbei, obwohl sich zu dem Zeitpunkt nur ein zweiter Patient auf der Station befand, der auf seinen Heimtransport wartete.
Nach zwei Stunden unter Schmerzen reichte es der Frau. Gemeinsam mit ihrem nachgekommenen Ehemann verließ sie das Mistelbacher Krankenhaus um nach Korneuburg weiterzufahren. "Obwohl dort mindestens zehn Leute im Wartebereich waren, wurde ich sofort behandelt und bekam eine Infusion. Ich frage mich, warum das in einem Schwerpunktkrankenhaus nicht möglich war," empört sich die langjährige ehemalige Mitarbeiterin des LK Mistelbachs weiter, "Es muss sich etwas an den richtigen Stellen ändern."

Zeitmarken

Tiefes Bedauern spricht der ärztliche Direktor Christian Cebulla aus: "Ich verstehe die Patientin. Dieser Vorfall tut mir sehr leid." Er versuchte bereits sich persönlich bei Margarete Ehrenreich zu melden und verspricht sich die Prozesse anzusehen, vor allem auch an der Kommunikation zu arbeiten. Der Vorfall wird nicht ohne Konsequenzen bleiben.
Zur Verteidigung seiner Kollegen führt Cebulla aber auch ins Rennen, dass man während der Wochenenden und Feiertage mit einer dünneren Personaldecke arbeite. "Der Arzt hatte auch auf der Station einige Fälle zu versorgen. Natürlich nimmt man aber zwei Stunden mit Schmerzen anders wahr als wenn man gestresst durcharbeitet", zeigt Cebulla Verständnis. Entschuldigung soll es dennoch keine sein: "Wir müssen in der Notaufnahme Zeitmarken einführen. Spätestens nach 20 Minuten muss es möglich sein, dass ein Arzt sich um den Patienten kümmert."
Für Cebulla ist Feedback wichtig: "Es zeigt, dass wir noch besser werden müssen."

Autor:

Karina Seidl-Deubner aus Mistelbach

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