LASK-Trainer Kühbauer nach "Wunder von Linz"
"Sind in einer anderen Dimension, wo wir eigentlich nicht hingehören"
- LASK-Trainer Didi Kühbauer am Tag nach dem "Wunder von Linz": "Wenn man sich die letzten zwölf Monate ansieht, und ich bin ja erst wieder seit zwölf Monaten da, dann ist das das Drehbuch für einen Hollywood-Schinken."
- Foto: MeinBezirk/Benjamin Reischl
- hochgeladen von Thomas Winkler, Mag.
Obwohl er nach der Champions League-Qualifikation durch das furiose 5:1 in der Linzer Raiffeisen Arena gegen Celtic Glasgow nicht sofort zu Bett gegangen sein dürfte, nahm sich LASK-Trainer Didi Kühbauer am Tag nach dem "Wunder von Linz" Zeit für ein Interview mit MeinBezirk. Im Gespräch mit Chefredakteur Thomas Winkler und Benjamin Reischl verrät er, was "untypisch österreichisch" am Sieg war, und worauf er besonders stolz ist.
Es ist die Rede vom "Wunder von Linz" – war es das?
Für ganz Oberösterreich, aber natürlich vor allem für den LASK ist das angesichts der Möglichkeiten schon eine unglaubliche Geschichte. Wenn man sich die letzten zwölf Monate ansieht, und ich bin ja erst wieder seit zwölf Monaten da, dann ist das das Drehbuch für einen Hollywood-Schinken. Wir haben schon in Glasgow ein super Spiel gemacht, uns aber nicht belohnt. Dann bist du auf internationaler Ebene 3:0 hinten, gegen Celtic, die weitaus mehr Budget und Optionen haben. Und dann spielst du sie zuhause eigentlich an die Wand und schaffst, was nur wenige gedacht haben. Das macht mich so stolz, dass die Mannschaft mit dem Mindset ins Spiel gegangen ist, dass sie das drehen können.
"Meisterschaft & Cup nicht vergessen"
Ist die Champions League-Qualifikation der größte Erfolg in Ihrer Trainer-Karriere?
Obwohl wir ein guter Club sind, sind wir den anderen Mannschaften in der Champions League in allen Belangen unterlegen, angefangen bei den wirtschaftlichen Möglichkeiten. Bei Real Madrid verdienen manche Spieler mehr, als wir Budget haben, da verliert ein Spieler beim Gehen das Geld, das wir nicht mal verdienen. Angesichts dessen ist die Qualifikation ein riesiger Erfolg und für uns das Allergrößte, weil jeder einmal in der Champions League spielen will. Aber wir dürfen die Meisterschaft und den Cup nicht vergessen, weil das eine Leistung über ein ganzes Jahr war. Und die Champions League-Qualifikation war die Leistung über zwei Spiele, in denen die Jungs diesen Hunger, diese Leidenschaft, diesen Biss hatten, dass sie das Unmögliche möglich machen. Wir sind da in einer anderen Dimension, wo wir eigentlich nicht hingehören.
"Wir haben sie niedergerannt"
Was haben Sie den Spielern in der Halbzeitpause gesagt, als es noch 1:1 stand?
Ich habe als Trainer daran geglaubt, dass wir das schaffen. Und ich habe in der Pause gesagt: "Jungs, wir werden das Spiel heute nicht verlieren. Wir werden als Sieger vom Platz gehen, und da ist alles möglich." Das 1:1 war entscheidend für uns. Da habe ich gesagt: "Jetzt haben wir dieselbe Voraussetzung wie von Minute 0. Wir haben noch 45 Minuten Zeit." Uns war wichtig: Wir verlieren das Spiel nicht. Mit dem zweiten Tor gleich nach der Pause, war es von der Dramaturgie her fantastisch, das war der absolute Dosenöffner. Da ist nochmals Schwung in die Truppe gekommen. Und das danach war außergewöhnlich. Celtic war mausetot. Meine Burschen waren da, auch wenn der eine oder andere muskulär was gespürt hat. Aber wir haben sie niedergerannt, die waren erledigt, das war untypisch österreichisch: Wir haben es spielerisch gut gemacht, aber wir haben sie körperlich erledigt.
Einige Spieler haben sich mit den Erfolgen in die Auslage gespielt ...
Das ist Part of the game im Fußball. Man muss es verstehen, wenn Spieler einen neuen Weg suchen, weil sie nach Höherem streben. Ich hoffe, dass wir jetzt zusammenbleiben, weil unser Kader nicht der allergrößte ist.
"Geld schießt nicht immer Tore"
Dass der Kader nicht der größte ist, war schon vor dem Champions League-Einzug ein Thema.
Wir haben immer gesucht. Es ist sauschwierig, weil wir diese Geldmittel in Österreich nicht haben. Celtic hat zwischen 20 und 40 Millionen Euro in den Kauf von Spielern investiert, natürlich hatten sie auch Abgänge. Wir werden mit unseren Möglichkeiten alles daran setzen, dass wir dranbleiben. Wir werden uns nie mit der Spitze messen können. Umso schöner ist, dass wir diesem Club, der bei den finanziellen Möglichkeiten weit über uns steht, gezeigt haben: Geld schießt nicht immer Tore.
"Brauchen auf allen Positionen noch Spieler"
Was braucht es konkret an Verstärkungen?
Wir brauchen eigentlich auf allen Positionen noch Spieler. In der Stürmerposition natürlich, weil wir mit Saša Kalajdžić einen Spieler verloren haben, der für uns unglaublich war. Ein größerer Kader ist notwendig, weil die Spiele im Konzert von drei Bewerben mehr werden. Es werden die Spielminuten mehr, die körperliche Belastung, der psychische Stress, du hast viele Reisen. Es ist ein positiver Stress. Aber wenn es nicht funktioniert, dann schlägt es schnell um. Deshalb ist die Kadergröße wichtig.
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