Besinnlichkeit und Geschenke?
Das Weihnachtsgeschäft im Mythos-Check
- Advent- und Weihnachtsmärkte sind Frequenzbringer, von denen auch der Einzelhandel profitiert.
- Foto: Rene Wimmer
- hochgeladen von Ingo Till
Die Vorweihnachtszeit ist für viele Menschen eine Zeit der Besinnlichkeit und des Schenkens. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter den gängigen Mythen rund um das Weihnachtsgeschäft?
OÖ. Das Institut für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) hat sich dieser Frage angenommen und die zehn populärsten Mythen einem Faktencheck unterzogen:
Frühe Weihnachtsdekoration: Freude oder Frust?
Bereits im Herbst füllen sich die Regale mit Weihnachtsbäckerei und -schmuck. Doch nicht alle Konsument:innen sind begeistert. Laut IHaM empfinden viele die frühe Präsenz als störend, da sie den besonderen Charakter der Weihnachtszeit verwässert.
Besinnlichkeit: Ein Generationenphänomen
Sechs von zehn Österreicher:innen erleben die Vorweihnachtszeit als die besinnlichste Zeit des Jahres. Besonders die Generation Z schätzt diese Zeit, was auf eine stärkere Hinwendung zu spirituellen Aspekten hindeutet.
Geschenkeeinkauf: Zwischen Freude und Stress
Der alljährliche Geschenkeeinkauf ist für knapp die Hälfte der Österreicher:innen eine freudige Angelegenheit, während 40 Prozent ihn als stressig empfinden. Dr. Ernst Gittenberger vom IHaM resümiert: „Der Geschenkeeinkauf ist weniger ein Akt spontaner Großzügigkeit als vielmehr ein fein austariertes soziales Ritual.“
Black Friday: Nicht der Startschuss für Geschenke
In Österreich beginnt der Weihnachtseinkauf nicht erst mit dem Black Friday. Viele Konsument:innen haben bereits vorher ihre Geschenke besorgt, was den Mythos widerlegt, dass dieser Tag den Startschuss für Weihnachtseinkäufe gibt.
Weihnachten vs. Ostern: Ein klarer Sieger
Weihnachten bleibt der unangefochtene Spitzenreiter unter den Anlasskäufen. Die Ausgaben für Weihnachtsgeschenke sind rund achtmal höher als für Ostergeschenke.
Einzelhandel: Nicht das fünfte Quartal
Das Weihnachtsgeschäft ist für den Einzelhandel nicht vergleichbar mit einem zusätzlichen Quartal. Die Ausgaben für Weihnachtsgeschenke machen lediglich zwei Prozent der jährlichen Einzelhandelsausgaben aus. „Selbst hohe Steigerungsraten würden das Jahresergebnis im Einzelhandel nur im niedrigen Promillebereich verbessern“, erklärt Dr. Gittenberger.
Stationärer Handel: Die bevorzugte Wahl
Trotz des Online-Shopping-Booms bleibt der stationäre Einzelhandel die bevorzugte Einkaufsstätte für Weihnachtsgeschenke. Univ.-Prof. Dr. Christoph Teller betont: „Der stationäre Handel bietet ein multisensorisches, emotionales Umfeld, das den Geschenkeeinkauf zu einem besonderen Erlebnis macht.“
Weihnachtsmärkte: Belebung der Innenstädte
Weihnachtsmärkte fördern die Frequenzsteigerung und die Verweildauer in den Innenstädten, was die Ausgabenbereitschaft der Konsumenten erhöht. Prof. Teller bestätigt: „Die traditionellen Märkte sind ein klassisches Beispiel für die enge Beziehung zwischen Handel und Stadt.“
Fazit: Tradition und Emotion
Weihnachten bleibt trotz aller Herausforderungen eine zentrale Rolle im Leben der Menschen und im Einzelhandel. „Die Mischung aus Tradition, Emotion und wirtschaftlicher Bedeutung macht das Weihnachtsgeschäft zu einem einzigartigen Phänomen“, fasst Teller zusammen. Der Faktencheck zeigt, dass viele Annahmen rund um das Weihnachtsgeschäft nicht uneingeschränkt zutreffen, aber die Bedeutung von Weihnachten als wichtigster Anlass für Geschenkeeinkäufe bleibt unbestritten.
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