Starhemberg: "Denken in enkeltauglichen Kreisläufen"

Der Eferdinger Georg Adam Starhemberg: "Der Wald bringt jeden einzelnen Menschen etwas."
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BEZIRKSRUNDSCHAU: Dem Holzbau wird ja großes Potenzial bescheinigt. Wo geht die Reise hin beim Baustoff Holz?
Starhemberg: Ganz generell kann man sagen, dass die letzten Jahre gezeigt haben, dass sich der Holzbau sehr gut entwickelt. In Oberösterreich betrug der Holzbauanteil im Jahr 2013 schon 42 Prozent.

Wie geht es baurechtlich weiter beim Holzbau?
Es kommt vermutlich Mitte des Jahres eine weitere baurechtliche „Erleichterung“ für den Holzbau. In Zukunft werden fünf- und sechsgeschossige Wohnbauten aus Holz leichter möglich sein. Und auch bei Holz-Hybrid-Bauten sehen wir viele Möglichkeiten, speziell in Oberösterreich. Denn wir haben ja auch sehr gute Ziegler, sehr gute Stahl- und Betonbauer, sehr gute Glasverarbeiter und eben einen sehr guten Rohstoff – das Holz, das vor der Haustür wächst und CO2 bindet.

Früher hat man ja den Holzbau öfter mit Brandgefahr assoziiert...
Man hat in der Forschung viel vorangetrieben und die Branche hat gezeigt, dass man mit Holz sehr innovativ bauen kann. Natürlich hat der Trend zur Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz dem natürlichen Baustoff geholfen.
Und das Thema Brandgefahr ist einfach zu beantworten: Mit der Baurechtsnovelle 2013 war keinesfalls eine Liberalisierung der Anforderungen im Brandschutz verbunden. Sondern man musste beweisen, dass die Anforderungen eingehalten werden können. Ein Holzhaus muss genau denselben Feuerwiderstand haben, wie ein Haus aus Ziegel. Und, um nur ein Beispiel zu nennen: Bei einem Brandversuch wollte ein Holzunternehmer beweisen, dass sein System 90 Minuten Feuerwiderstand hat. Am Schluss war bei dem Versuch nach fast 120 Minuten der (Versuchs-)Ofen aus. Die Holzwand stand immer noch, aber das Gas war ausgegangen. Damit hatten nicht einmal die Brandexperten der Versuchsanstalt gerechnet.

Ist das Geschäft mit Holz eigentlich profitabel?
Man muss sich vergegenwärtigen, wie breit die Wertschöpfungskette des Holzes ist – von der Forstwirtschaft, über die Holz- und Sägeindustrie, die Papierindustrie, den Holz- und Möbelbau. Es wird nie entlang dieser Kette allen gleich gut oder gleich schlecht gehen. Aber alles in allem hält sich die Branche ganz gut.

Merkt man auch in der Holzbranche, dass die Konjunktur anspringt?
Aufgrund der Gespräche, die wir mit verschiedenen Unternehmen geführt haben, ist die Stimmung derzeit ganz gut. Das Vertrauen in eine positive Entwicklung ist da. Und scheinbar haben die Betriebe gut zu tun und verdienen das notwendige Geld.

Und die Holzbranche ist ja auch ein wichtiger Wirtschaftszweig in OÖ…
Ja, Holz ist der zweitgrößte Devisenbringer hinter dem Tourismus. Zudem ist die Branche ein großer Arbeitgeber: an die 70.000 Menschen haben allein in Oberösterreich entlang der Holz-Wertschöpfungkette ein Einkommen. Das entspricht ungefähr den Jobs in der Automobilzulieferindustrie. Hinzu kommt noch, dass die Jobs zum größten Teil draußen in den Regionen sind.
Wenn es hingegen bei der Bewirtschaftung der Wälder zu weiteren Einschränkungen kommen würde – es wurde ja schon gefordert, zehn Prozent der Fläche der Wälder außer Nutzung zu stellen – wäre von einer solchen Maßnahme ein Drittel dieser Arbeitnehmer betroffen.

Wie Nachhaltig ist die Waldbewirtschaftung?
Österreichweit ist in den letzten 50 Jahren die Fläche des Mühlviertels an Wald dazugekommen. Jährlich nimmt der Waldbestand um 5.500 Fußballfelder zu. Es ist genug Holz da, aber natürlich nur für einen sinnvollen Einsatz. Etwas größer betrachtet heißt das: Ein Baum braucht mindestens 60 oder 80 Jahre, bis ich ihn nutzen kann. Hätte mein Urgroßvater keinen Baum gepflanzt, hätte ich heute nichts zu ernten. Tu ich es heute nicht, hat mein Enkelkind nichts davon. Nur im Denken in diesem enkeltauglichen Kreislauf funktioniert es.

Ist das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Waldes in der Bevölkerung genug verankert?
Ich denke schon, dass die Menschen um die Bedeutung des Waldes wissen. Ob es bereits genug verankert ist, welche Funktionen der Wald für die Menschheit leistet, bin ich mir nicht ganz sicher. Denn wenn es so wäre, würde man bestimmte (Über-)Forderungen an den Wald gar nicht stellen.

Bildlich gesprochen: über die Felder gehen wir relativ achtsam, damit wir nicht auf Erdbeeren oder Gurkerl drauftreten. Im Wald bin ich mir nicht sicher, ob alle so achtsam sind, wenn sie sich darin bewegen. Da denken die wenigsten: das könnte ein kleine Buche oder eine wachsende Fichte sein. Sinnvoll wäre es, zu bedenken, dass der Wald jedem einzelnen Menschen etwas bringt – wenn man nur an die gute Luft und das saubere Wasser denkt.

Autor:

Thomas Kramesberger aus Oberösterreich

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