Suche nach menschlichen Überresten aus längst vergangener Zeit geht in Rechnitz weiter

Die Archäologen lassen diesmal in Rechnitz keinen Stein auf dem anderen, um die ermordeten Zwangsarbeiter endlich zu finden.
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RECHNITZ (kv). Das Bundesdenkmalamt veranlasste die Abtragung einer Humusschicht auf einer Fläche von rund 5.000 Quadratmetern. Es wurden 30 Zentimenter Erde abgetragen, um die ganzen Stellungen des Südostwalles freizulegen. "Laut den Protokollen und Zeitzeugenberichten wurden die im März 1945 ermordeten Juden in den Laufgräben und Vorfeldstellungen vergraben. Wir suchen zum ersten Mal systematisch diese Bereiche ab", sagt der zuständige Archäologe vom Bundesdenkmalamt Franz Sauer.

Noch keine Funde

Die Grabungen starteten am 13. November 2017, bis dato (30. November) ist man noch auf keine Überreste gestoßen. Bereits in den 1970er-Jahren gab es erste Versuche, das Massengrab zu finden. "Bis jetzt hat man aber immer nur punktuell gegraben, das ist mühselig und wenig erfolgversprechend. Wenn sie dort begragen sind, dann finden wir sie nur, indem wir systematisch graben", so der Archäologe.
Finanziert wird die Ausgrabung vom Bundesdenkmalamt mit 25.000 Euro, gegraben wird voraussichtlich noch bis Ende nächster Woche.

Belastung für Bürger

Immer wieder werden neue Versuche gestartet, um die im März 1945 ermorderten ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter zu finden. "Das weckt die Unruhe in der Bevölkerung. Ich würde mir wünschen, dass die Leichen entdlich gefunden werden, damit das ganze endlich ein Ende hat", sagt Bgm. Martin Kramelhofer.

Was danach geschieht

Sollte man das Massengrab finden, wird das Innenministerium und die jüdische Kultusgemeinde verständigt. Denn laut jüdischem Ritus dürfen Leichname nicht verlagert werden. Eine Bergung der Skelette wäre nur möglich, wenn ein Rabbiner das erlauben würde.

Ein Massaker

In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 wurden ungefähr 180 kranke und körperlich geschwächte ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter in der Nähe des Kreuzstadls in Rechnitz ermordet und verscharrt. Die Töter haben zuvor am NSDAP-Kameradschaftsfest im Schloss Bátthyány teilgenommen. Am Abend des darauf folgenden Tages wurden beim Schlachthaus weitere 18 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter ermordet, die am Vortag Totengräberdienste leisten mussten.

Mahnmal Kreuzstadl

Der wegen seines kreuzförmigen Grundrisses so genannte Kreuzstadl des ehemaligen Meierhofes des Gutes Bátthyány ist heute nur mehr als Ruine erhalten und Symbol für eines der grausamsten Verbrechen während der NS-Zeit und für die Verdrängung nach Kriegsende.
Das Mahnmal erinnert  an die in der Nähe des Kreuzstadls ermordeten ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter.

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