Coronavirus
Artisten und Zirkustiere kämpfen ums Überleben

Benjamin Spindler bringt mit seiner bunten Zirkusfamilie normalerweise alle Kinderaugen zum Strahlen. Während der Coronakrise ist er genauso wie Zirkushund Coco aber für alle Spenden dankbar.
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  • Benjamin Spindler bringt mit seiner bunten Zirkusfamilie normalerweise alle Kinderaugen zum Strahlen. Während der Coronakrise ist er genauso wie Zirkushund Coco aber für alle Spenden dankbar.
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Die Coronakrise lässt auch beim Circus Safari alle Vorstellungen ausfallen. Für Benjamin Spindlers Zirkustruppe ist das existenzbedrohend.

WIEN. Normalerweise verbringt Karina Maskina jeden Nachmittag in luftigen Höhen: Hoch über den Köpfen des Publikums schwingt die Zirkusartistin bei Trommelwirbel mit dem Trapez durch die Manege des Circus Safari und schlägt dabei spektakuläre Salti. Aber auch am Boden vollbringt Maskina feurige Kunststücke: Ihre Spezialität sind brennende Seile, die sie in atemberaubender Geschwindigkeit durch die Luft wirbelt. Doch während der Coronakrise ist sie genauso wie alle anderen auch zum Nichtstun gezwungen: "Weil zur Zeit keine Veranstaltungen stattfinden dürfen, gibt es auch keine Zirkusvorstellungen. Für unseren Circus ist das aber existenzbedrohend, weil wir so keine Eintrittskarten verkaufen können."

Seit Jahresbeginn gastiert der Circus Safari in der Penzinger Albert-Schweitzer-Gasse 1, gleich beim Auhof-Center. "Das Frühjahr ist sonst die stärkste Zeit im Jahr: Die Einnahmen bräuchten wir dringend, um am Ende der Saison über den Winter zu kommen", erklärt Direktor Benjamin Spindler, der den Zirkus gemeinsam mit seinen Geschwistern, deren Familien und anderen Mitarbeitern betreibt. Spindler macht gerade das Morgentraining mit den Dromedaren. "Wir versuchen, den Trainingszustand der Tiere zu halten, auch wenn wir aktuell keine Vorstellungen geben dürfen. So kann es sofort weitergehen, wenn die Coronakrise irgendwann vorbei ist."

Karina Maskina trainiert ihre feurigen Kunststücke, damit es mit dem Circus Safari nach der Coronakrise gleich weitergehen kann.
  • Karina Maskina trainiert ihre feurigen Kunststücke, damit es mit dem Circus Safari nach der Coronakrise gleich weitergehen kann.
  • Foto: Karina Maskina
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In der Krise hält die Zirkusfamilie zusammen

Am weitläufigen Lagerplatz stehen die Wohnwägen der Artisten, einige Parkplätze sind aber frei: Dort üben die Kinder der Zirkustruppe gerade mit Hula-Hoop-Reifen, Bällen und bunten Bändern, während der große weiße Hund Coco dem Treiben entspannt zusieht. Ein kleines Mädchen fährt auf dem Einrad mittendurch. "Das ist Bonnie, meine Tochter", sagt Spindler beim Vorbeigehen stolz. "Einige unserer Artisten habe ich schon nach Hause schicken müssen - jetzt sind wir noch 15 Leute, davon acht Kinder."

Spindlers Frau Magdalena übt vor dem Wohnwagen gerade mit einem der Kinder Mathematik. Beim Begrüßen - wegen des Coronavirus wird auf Händeschütteln verzichtet - fällt auf, dass sie hochschwanger ist. Wann ist es soweit? "Im Juni!", freut sie sich. Ob aus dem Nachwuchs auch einmal ein Zirkusartist werden soll? "Vorgeschrieben haben wir den Zirkus als Berufsfeld keinem unserer Kinder. Aber Benjamin ist der Zirkusdirektor, ich bin Hochseilartistin - daher ist die Wahrscheinlichkeit also auch bei ihm eher hoch", sagt sie schmunzelnd.

Die Dromedare, die mit ihrem Training schon fertig sind, bedienen sich gierig am Heu und genießen dabei die warme Frühlingssonne. "Das Futter für unsere insgesamt 60 Tiere ist ein sehr großer Kostenfaktor", so der Zirkusdirektor. Dromedare und Pferde, aber auch Ziegen, Hunde und Gänse zeigen in der Manege ihre Kunststücke - normalerweise. "Sie fressen Unmengen an Heu, Karotten, Äpfeln und spezielles Kraftfutter. Diese Kosten laufen neben den Tierarztrechnungen, Versicherungen und natürlich auch der Miete für den Lagerplatz weiter", bemerkt Spindler. "Ohne Einnahmen wird das mit jedem Tag schwieriger für uns."

Unter dem Dach des Circus Safari werden dem Publikum normalerweise spektakuläre Kunststücke dargeboten.
  • Unter dem Dach des Circus Safari werden dem Publikum normalerweise spektakuläre Kunststücke dargeboten.
  • Foto: Circus Safari
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Spenden werden dringend gebraucht

Vor dem Einfahrtstor steht eine große Spendenbox: "Viele Leute werfen Äpfel, Karotten oder Brot hinein, aber auch Müsli oder Hundefutter. Dafür sind wir sehr dankbar", sagt Spindler und lässt den Blick vom nahen Wolfersberg bis Hütteldorf schweifen. "Für uns Zirkusleute ist es das größte Glück, wenn die Kinderaugen im Publikum beim Auftritt der Clowns und Tiere zu Leuchten beginnen und irgendwann auch die Väter daneben, die mit Zirkus oft nur wenig anfangen können, ebenfalls strahlen", sagt der 39-jährige. "Dementsprechend nutz- und hilflos fühlen wir uns jetzt, wenn es keine Vorstellungen geben kann. Schließlich sind wir sehr stolz darauf, dass wir frei und unabhängig sind, keinerlei Förderungen bekommen und uns unter normalen Umständen zur Gänze selbst erhalten."

Wer den Circus Safari unterstützen möchte, kann Säcke mit Äpfeln, Karotten, Brot, Müsli oder Hundefutter in die Spendenbox in der Albert-Schweitzer-Gasse 1 einwerfen oder direkt am Lagerplatz abgeben, genauso wie Geldspenden: Es ist immer jemand da und das Tor ist offen. Aber auch Heu in Ballenform wird dringend gebraucht, die Zirkusleute könnten gespendetes Heu auch selber abholen. Für Gutscheine von Supermärkten sind Benjamin Spindler und seine Mitarbeiter ebenfalls dankbar. Zur Unterstützung des laufenden Betriebs können aber auch jetzt schon Zirkuskarten für die Zeit nach der Coronakrise gekauft werden: Eintrittskarten kosten 15 Euro, die Kontoverbindung des Circus Safari lautend auf Magdalena Spindler hat die IBAN: AT351200052115086529

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