Internationale Jugendbegegnung
"Aus gemeinsamer Geschichte ein Netz des Vertrauens weben!"
- Freundschaft über Staaten und Religionen hinweg erlebten über 420 Jugendliche in St. Georgen.
- hochgeladen von Eckhart Herbe
80 Jahre Kriegsende und Befreiung, 75 Jahre Schuman-Erklärung als EU-Initialfunke, 30 Jahre EU-Beitritt Österreich: Im an Jubiläen so reichen Jahr 2025 setzten hunderte junge Menschen aus sechs europäischen Ländern in St. Georgen ein kraftvolles Zeichen des Miteinander. Kontrapunkt zu den vielen aktuellen Krisen und Spaltungstendenzen in unserer Welt.
ST. GEORGEN/GUSEN, EUROPA. Im Vorfeld der diesjährigen Befreiungsfeiern trafen am Freitag, den 9. Mai 420 Jugendliche und ihre Betreuer im St. Georgener Aktivpark4222 zusammen. Der Befreiung vom Naziterror zu gedenken, die einst trennende, später parallele und nun vereinende Geschichte reflektieren und daraus ein Fundament für die Zukunft bauen: Das ist die Intention der Internationalen Jugendbegegnung, welche die Bewusstseinsregion Mauthausen – Gusen – St. Georgen organisiert.
Ein rund 25-köpfiges ehrenamtliches Helferteam betreute heuer die Veranstaltung, welche vom Zukunftsfonds der Republik Österreich, dem Internationalen Mauthausenkomitee - Präsident Guy Dockendorf war beim Jugendtreffen anwesend - und der Marktgemeinde St. Georgen/Gusen unterstützt wird. Zu Besuch war auch eine große Delegation der italienischen Partnerstadt Empoli, die mittlerweile seit 28 Jahren über viele Aktivitäten freundschaftlich mit St. Georgen verbunden ist.
Jugendliche aus sechs Ländern aktiv
Die Jugendlichen kommen aus Italien, Polen, Frankreich, Luxemburg, Deutschland und Österreich. Sie sind Nachfahren von Opfern, Einheimischen und manchmal auch Tätern, deren Lebensgeschichten sich einst in der Bewusstseinsregion verstrickten. Wo durch die beiden KZ-Lager und die Bergkristallstollen plötzlich die halbe Welt zugegen war; getrennt durch Stacheldraht, Terror und Menschenverachtung das beschauliche Mühlviertler Landleben für immer verändert wurde.
Viele federführend vom St. Georgener Haus der Erinnerung koordinierte und vernetzte Projekte in der Bewusstseinsregion führen seit mittlerweile einigen Jahren erfolgreich junge Menschen aus ganz Europa zusammen. Ziel ist, ein gemeinsames Bekenntnis zum "NIE WIEDER!" zu schmieden und gleichzeitig mit jungen Sichtweisen und auf von Jugendlichen genutzten Kommunikationskanälen tragfähige Vernetzungen zu schaffen. Beziehungen, die auf Freundschaft und gegenseitigem Respekt beruhen und schon in Jugendtagen entstehen, sind die beste Basis dafür.
Gemeinsame Verantwortung gegen neuen Faschismus
Die Italienerin Chiara, ein Teenager aus der Toskana, bringt es im Gespräch mit MeinBezirk auf den Punkt: "Es ist mir wichtig, hier zu sein, wohin Menschen aus meiner Heimat deportiert und ausgebeutet wurden, wo so viele gestorben sind. Ich will es irgendwie verstehen, die Hintergründe dazu erfahren. Aber ich werde sicher nicht auf meine österreichischen Freunde zeigen, die ich beim Schüleraustausch zwischen Empoli und St. Georgen kennen und schätzen gelernt habe. Nicht ihnen vorwerfen, dass ihre Urgroßeltern vielleicht Hitler zugejubelt haben, der gemeinsam mit Mussolini bei uns in Italien diesen Terror erst möglich gemacht hat. Wir sind eine andere Generation in einer anderen Zeit mit anderen Problemen. Doch wir sehen, dass der Rechtsextremismus und die Spaltung gerade jetzt wieder ungebremst wachsen. Dagegen müssen gerade wir Jungen aktiv etwas tun. Rezepte finden, um nicht wieder gegeneinander, sondern miteinander zu kämpfen!"
Ihre Thesen dazu werden die jungen Menschen bei der Internationalen Befreiungsfeier in der Gedenkstätte Mauthausen am Sonntag vor hochrangigen Staatsgästen und zehntausenden Besuchern vorstellen.
Europa als Friedensprojekt
Die Vertiefung der europäische Einigung sehen die Jugendlichen als wichtige Brücke. Ist doch der 9. Mai auch der 75. Jahrestag der Schuman-Erklärung, die weiteren Kriegen vorbeugen wollte und mit der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl Grundlage für die Europäische Union wurde.
Kennenlernen und Zeit zum Austausch ermöglichen, in Workshops länderübergreifend Vorstellungen von einem gemeinsamen Europa der Zukunft erarbeiten, präsentieren und diskutieren - dieses Konzept bewährte sich bestens. Bei einem gemeinsamen Essen und im lockeren Ausklang danach fanden die jungen Menschen rasch zu einander. War man nicht mehr vorrangig Bürgerin und Bürger eines Landes, sondern einfach Jugendlicher mit Spaß am Zusammensein. Jeder einzelne Kontakt ist eine wichtige Masche mehr, die ein unverzichtbares Beziehungsnetzwerk stärkt, um ein Déjà-vu der Ereignisse vor 80 Jahren zu verhindern. Dafür haben die Organisatoren der Jugendbegegnung einmal mehr einen wertvollen Beitrag geleistet.
Alle Fotos: Eckhart Herbe
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