Kals, wo Namen und Wörter Heimat finden
"Wörterbuch-Päbstin" ein Segen für Österreich
- Das 38. Kalser Namenkundliche Symposium erlebt 2026 einen neuen Höhepunkt. Karl Hohensinner, Stephan Gaisbauer, beide Stifter-Institut des Landes OÖ, Florian Steindl, Verein zur Erforschung von Sprache und Namen in Österreich, Bürgermeisterin Erika Rogl aus Kals, Marialuise Haslinger, Peter Anreiter, beide Uni Innsbruck, Altbürgermeister Klaus Unterweger aus Kals, Emanuel Klotz, Innsbruck - Uni Heidlberg.
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Das 38. Kalser Namenkundliche Symposium erlebt einen neuen Höhepunkt. Neben arrivierten internationalen Namenforschern und der innovativen „Wörterbuch-Päbstin“ Chistiane Pabst überzeugte und begeisterte der Wiener Master-Student Patrick Mayrhofer. Mit dabei auch Stephan Gaisbauer und Karl Hohensinner vom Aldalbert-Stifter-Institut des Landes OÖ.
- Christiane Pabst. Herausgeberin des Österreichischen Wörterbuchs. Das 38. Kalser Namenkundliche Symposium erlebt 2026 einen neuen Höhepunkt.
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Linz. KALS, ÖSTERREICH, LINZ, ST. PÖLTEN, WIEN. Das hochkarätige internationale Kalser Namenkundliche Symposium wurde heuer zum 38. Mal in der Großglockner-Gemeinde abgehalten. Dem engagierten Organisationskomitee mit Peter Anreiter und Marialuise Haslinger, beide Innsbruck, gehören jetzt mit Florian Steindl, Wien, und Emanuel Klotz, Innsbruck, zwei junge und engagierte Wissenschaftler und Namenforscher an.
Familiennamen auf -inger
Stephan Gaisbauer und Karl Hohensinner, beide Adalbert-Stifter-Institut Linz, vertraten Oberösterreich. Stephan Gaisbauer referierte über die Geschichte eines Namentyps, der in Oberösterreich sehr prominent vertreten ist. Familiennamen auf -inger wie Blümlinger, Fellinger, Lachinger, Mahringer, Ottinger und Seiringer haben ihren Ursprung oft in kleineren Orten oder Gehöften, die am Ende des Mittelalters von adeligen Familien, Rittern oder Bürgern bewohnt wurden. „Bei den Fellingern“, „bei den Maringern“ oder „bei den Seiringern“ sagte man damals zu ihren Besitzern. Heute würde man eher sagen „die Fellingers“, „die Mahringers“ usw. Die Ortschaften, von denen sich die inger-Namen ab dem Beginn der Neuzeit haufenweise wie Abziehbilder lösten, existieren zum Großteil bis heute. Im Traunviertel heißen sie Blümling, Felling, Hölling, Schmieding oder Thalling, im Attergau heißen sie Klanigen, Marigen, Ottigen, Seirigen, Tuttingen oder Truchtlingen.
Das Slawische im Enns- und Steyrtal.
Karl Hohensinner und Florian Steindl vertieften sich in die slawische Orts- und Bergnamen im Enns- und Steyrtal. Hier gibt es noch viele slawische Namen, deren wirkliche Bedeutung man nicht wirklich kennt. Darunter sind die Namen von Bergen wie Plachwitz, Ramitsch und Pyrgas.
Florian Steindl setzte sich intensiv mit der Herkunft und Bedeutung der Namen Goseritz (Oberweng), Höritzau (Großraming), Lasach (Windischgarsten), Wurberg (nördlich Spital am Phyrn) auseinander.
Manche Namen haben sich oberflächlich völlig verändert. Aus Prepotnik wurde Brettboding. Manche Namen weisen auf die Eigenschaft eines Fließgewässers hin, wie die Teichl auf ein stilles Fließverhalten. Reifling und Raming bezogen sich auf Gewässer mit auffällig starkem Fischvorkommen an besonderen Stellen. Steyrling ist die "Kleine Steyr". Der Name des Berges Berg Ostrawitz ist genauso wie die Kärntner Burg Hochosterwitz ein Hinweis auf die Scharfkantigkeit (ostry=scharf). Kurios sind die Namen Geislitzthurn und Geislitzkogel. Geislitz ist der Name einer sauren Suppe aus alpenslawisch "Kyselize" zum Eigenschaftswort kysele = sauer. Der Geislitzkogel ist ähnlich wie der Mittagskogel zu deuten: Wenn die Sonne über diesem Kogel steht, ist es Zeit die Saure Suppe (die Geislitz) zu essen. Diese Suppe kommt bereits im 13. Jahrhundert bei "Meier Helmbrecht" vor.
- Karl Hohensinner, Florian Steindl. Das 38. Kalser Namenkundliche Symposium erlebt 2026 einen neuen Höhepunkt.
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„Wörterbuch-Päbstin“ Christiane Pabst
Mit Christiane Pabst, Chefredakteurin des Österreichischen Wörterbuchs (ÖWB) und Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung, der am Institut für deutsche Sprache in Mannheim angesiedelt ist, war eine weitere hochkarätige Wissenschaftlerin in Kals anwesend. Ihre Tätigkeit umfasst ein Postdoktorat in Brasilien, eine Tätigkeit an einer Hochschule in Ungarn, Tätigkeit an der Akademie der Wissenschaften. Papst ist in Wien auch Lehrbeauftragte am Institut für Germanistik. Alles im Zeichen der Sprache. „In einer Zeit, in der Sprach-, Schreib- und Sprechverlust erkennbar ist, gewinnt das Österreichische Wörterbuch eine immer größere Bedeutung“, kommentierte Karl Hohensinner den Vortrag von Christiane Pabst.
Neu Eigennamen
Derzeit arbeitet Christiane Pabst mit ihren Mitarbeitern an einer weiteren überaus wichtigen Ergänzung: Eigennamen im ÖWB. Hier stellt sich die Frage, welche Eigennahmen erscheinen? Angedacht sind Namen aus der Geografie (die Hohen Tauern), Namen von Saaten, historische Namen, Namen von Institutionen, kulturell prägende Namen, Rufnamen, Eigennamen in festen Wortverbindungen usw.
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Mehr als nur ein Wörterbuch
Das Österreichische Wörterbuch hat sich in den vergangenen zehn Jahren gewaltig weiterentwickelt und ist zu einem unverzichtbaren Nachschlagwerk nicht nur in den Schulen geworden. Das ÖWB dokumentiert typisch österreichische Ausdrücke (z.B. Jause, Sackerl, sich ausgehen), einschließlich fachspezifischer Ausdrücke (z.B. aus der österreichischen Küche) und der regionalen Alltagssprache. Das ÖWB ist schon lange nicht mehr nur ein Buch, in dem man wegen der Rechtschreibung nachschlägt. Neben der korrekten Schreibweise bietet es genaue Angaben zu Wortherkunft, Silbentrennung, Grammatik (Sprachlehre), Artikelverwendung, stilistischen Markierungen usw.
Ein neuer Stern
Unter Namenforschern wird der Master-Student Patrick Mayrhofer, Wien, als „neuer Stern“ bezeichnet. Bereits bei der 49. Österreichischen Linguistik-Tagung an der Universität Klagenfurt im Dezember 2025 ließ er aufhorchen. In Kals überzeugte er mit seinem Fachwissen und mit seinem wissenschaftlich fundierten Beitrag „Ortsnamen und ungarische Lautgeschichte“.
https://www.kals-symposium.com/
Vorträge im Überblick
Peter ANREITER: Wälder als Grenzen
Wolfram EULER: Anglofriesisch: Sprachschicht oder Sprachbund?
Stephan GAISBAUER: Das toponymische Suffix -ingern in Oberösterreich
Karl HOHENSINNER – Florian STEINDL: Slavische Namen im Enns- und Steyrtal https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Hohensinner
Georg HOLZER: Urslavische Ethnonyme
Wolfgang JANKA: Slawisches in Ortsnamen Unterfrankens
Günther JANNACH: Bergnamen in Althofen am Krappfeld
Emanuel KLOTZ: Slawische Namen in der Gemeinde Matrei in Osttirol – eine Auswahl https://emanuelklotz.org/
Andrea KRAPF: Baudrons, Malkin und Voaler – Englische Namen für ‚die Katz‘
Patrick MAYRHOFER: Ortsnamen und ungarische Lautgeschichte
Christiane PABST: Der Eigensinn der Eigennamen: Zur lexikographischen Erfassung von Propria im Österreichischen Wörterbuch https://www.ssp-pabst.com/
Matej ŠEKLI: Die gemeinslawischen Lautwandel am Beispiel romanisch vermittelter Toponyme im Slowenischen
Florian STEINDL: Zu den Kalser Namen Foledischnitz, Teischnitz und Folibot
Helmut WEINBERGER: Urslavische Phonotaktik
Vinko WIESER: Köttmannsdorfer Namenslandschaft (Buchpräsentation)
Tagungsband 2026
Den Tagungsband, der in der Buchreihe „Österreichische Namenforschung“ erscheinen wird, werden Emanuel Klotz und Florian Steindl herausgeben. Geplantes Erscheinen: Frühjahr 2027.
Die Herausgabe des Tagungsbandes geschieht im Auftrag des Vereins zur Erforschung von Sprache und Namen in Österreich.
- Das 38. Kalser Namenkundliche Symposium erlebt 2026 einen neuen Höhepunkt. Karl Hohensinner überreichte an Peter Anreiter und Marialuise Haslinger sein Buch „Aichinger-Haslinger-Zeilinger“, Atlas der Familiennamen auf -inger in Oberösterreich, Herausgeber Adalbert-Stifter-Institut des Landes OÖ.
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Splitter
Florian Steindl präsentierte den Verein VESNA (Verein zur Erforschung von Sprache und Namen in Österreich mit Sitz am Institut für Germanistik der Universität in Wien. VESNA wird künftig seinen Sitz in Linz, Adalbert- Stifter-Institut des Landes OÖ, haben.
Karl Hohensinner überreichte an Peter Anreiter und Marialuise Haslinger sein Buch „Aichinger-Haslinger-Zeilinger“, Atlas der Familiennamen auf -inger in Oberösterreich, Herausgeber Adalbert-Stifter-Institut des Landes OÖ.
Bürgermeisterin Erika Rogl und ihr Vorgänger Klaus Unterweger waren nicht nur bei der Eröffnung des 38. Kalser Namenkundliche Symposium dabei. Kals gehört zu den am besten namenkundlich erforschten Gemeinden Österreichs.
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