Vom Nutztier zum Haustier
Das Projekt "Lebenslänglich" in Radstadt

Sepp und Juliane Habersatter: Pioniere und vegane Landwirte in Radstadt.
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Juliane und Sepp Habersatter haben ihren Sauschneidhof umgestellt. Hier wird seit 2020 lieber ge"Kuh"schelt: Der Gesundheit, der Umwelt und den Tieren zu liebe. 

RADSTADT. Was 2019 für Sepp und Juliane Habersatter mit "Plastik fasten" und einer nachhaltigeren Lebensweise begann, ist heute ein veganer Bauernhof mit dem "Projekt Lebenslänglich". Der Sauschneidhof ist ein Lebenshof geworden und gehört somit zu einem der ersten seiner Art in Salzburg. 

Sepp und Juliane Habersatter: Pioniere und vegane Landwirte in Radstadt.
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Zwei Pioniere am veganen Bauernhof

Der Landwirt Sepp Habersatter und seine Frau, die gelernte Medienfachfrau Juliane sind Pioniere auf diesem Gebiet und leben ihre Vision: "Man kann es anders machen und mit der Natur stärker im Einklang leben", sind sich beide einig. Die Landwirte sind seit zehn Jahren verheiratet und leben mit ihren Kindern am Sauschneidhof, der bereits seit vielen Jahren im Familienbesitz ist. Kühe und Schweine gab es schon von Anfang an, doch es hat sich seither viel getan. Vom Käsehandel, über Hofschlachtungen, zum Milchviehbetrieb bis zur Mutterkuhhaltung im Jahre 2008 hat der Hof in den letzten 200 Jahren viel gesehen. Als 2015 der Jungbauer Sepp den Hof übernahm, änderte sich die Richtung erneut. Die Gästepension wurde zur nachhaltigen Privatzimmervermietung und auch die Hofwirtschaft lag im Wandel. Die beiden hinterfragten das System der österreichischen Viehhaltung immer mehr und es wurde dem jungen Paar schlussendlich klar, dass sie mit diesem System nicht mehr arbeiten wollten. Im Jänner 2020 wurde die Jungfamilie zuerst vegetarisch und stetig immer mehr vegan, mit dem weiteren Schritt zur Entscheidung, weg vom "normalen" Biobauernhof, hin zum Lebenshof. 

Sepp und Juliane Habersatter auf ihrer Weide am Lebenshof in Radstadt
  • Sepp und Juliane Habersatter auf ihrer Weide am Lebenshof in Radstadt
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Vom Nutztier zum Haustier

Auf einem Lebenshof steht das Leben im Mittelpunkt. Die Tiere werden aus der Nutztierhaltung herausgenommen und lebenslänglich als Haustier versorgt. Die etwas andere Art, einen Bauernhof zu betreiben, sorgt bei manch einem vielleicht für Kopfschütteln, doch für Sepp und Juliane ist dies der einzige Weg, den landwirtschaftlichen Betrieb und die Landschaftserhaltung weiterzuführen, ohne weiterhin Tiere auszunutzen und deren Nachkommen viel zu billig in den Tod schicken zu müssen. "Es ist das System, das wir in Frage stellen und mit dem wir einfach nicht klar gekommen sind." erzählt das Paar. "Auf der einen Seite gibt es Förderungen zur Tierrassenerhaltung, aber auf der anderen Seite werden Kälber dann durch halb Europa geschifft um geschlachtet zu werden." 

Lebenslänglich am Sauschneidhof

Das Wort "lebenslänglich" bekommt am Sauschneidhof eine ganz neue - positive - Bedeutung. Es ist ein Lebensprojekt. Es handelt sich um ein Konzept mit dem Ziel, sein gesamtes Leben so zu gestalten, dass keine Tiere genutzt, gequält oder getötet werden. Darum lebt die Familie mittlerweile auch vegan. "Eigentlich muss man nur seine Gewohnheiten hinterfragen. So eine Umstellung geht nicht von heute auf morgen. Aber es geht." so Juliane. In weiterer Folge wird im Haushalt von Familie Habersatter vieles selbst gemacht, frisch gekocht, Müll so gut es geht vermieden und das Konsumverhalten in Frage gestellt. Gemeinsam gehen sie einen neuen Weg, der Gesundheit und Umwelt zu Liebe.

Vom Nutztier zum Haustier. Beim Verein "Projekt Lebenslänglich" lasst Kuh es sich gut gehen.
  • Vom Nutztier zum Haustier. Beim Verein "Projekt Lebenslänglich" lasst Kuh es sich gut gehen.
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Verein und Patenschaft

Im neu umgebauten Laufstall leben zur Zeit 24 Rinder glücklich beisammen, wobei sie den Sommer auf der Alm verbringen. Sie werden versorgt und verwöhnt, wie andere Haustiere auch. "Man merkt am Wesen der Tiere, wie sie die Umstellung genießen und sie spüren, dass sie einfach nur leben dürfen" berichtet Habersatter über seine Tiere, die er alle beim Namen nennen kann. "Sie sind eine große Familie und haben ihr eigenes soziales Gefüge." Auch wenn es in Österreich noch nicht viele Lebenshöfe gibt, das Interesse und vegane Netzwerk ist groß. "Immer wieder bekommen wir Feedback und auch  Fragen, wie man es anders machen und seinen Hof umstellen kann" erzählt der Landwirt. 

Um einen Lebenshof zu erhalten imuss man neue Wege gehen. Bestehende Standbeine werden gestärkt, andere geschaffen. Unterstützung gibt es auch von sogenannten Rinderpaten, die den gegründeten Verein „Projekt Lebenslänglich“ erst möglich machen. Mit Patenschaften und Spenden kann ehemaligen Nutztieren ein nutzloses Leben ermöglicht, sowie  für eine artgerechte und stressfreie Unterbringung gesorgt werden.

Besuch am veganen Lebenshof

Wie es auf einem Lebenshof ist, kann man sich mit Voranmeldung auch persönlich anschauen. Ob als Ausflug, zu einem der Besucher- und Patentage oder als Schulkasse man ist herzlich willkommen die Lebenstiere zu besuchen. Es ist überaus beruhigend und entspannend, die Rinder und Hühner zu beobachten, ihnen beim Fressen und Sonnen zuzusehen und ihre Ruhe, die sie ausstrahlen, wahrzunehmen. "In diesem Moment wandeln sich unsere nutzlosen Haustiere in sehr wertige Therapeuten, die in der Stille oft mehr bewirken, als ein Gespräch es tun könnte" berichtet Sepp.

Am veganen Bauernhof gibt es viel zu sehen und erleben: Nebst der Beobachtungsplattform mit Hollywoodschaukel, kann man auch in den Laufstall gehen. Weiters gibt es eine kleine Info-Hütte, wo man viel Informationen über Tierschutz, Fleischkonsum, Nutztierhaltung in Österreich und den Lebenshof selbst erfährt. Hier kann man sich umfassend informieren und viele interessante Fakten lesen. Gerne stehen Sepp und Juliane zur Verfügung für Fragen.


Der Lebens(t)raum: Infohütte für die Besucher.
  • Der Lebens(t)raum: Infohütte für die Besucher.
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Da der Hof auch über drei Doppelzimmer und ein Apartment verfügt, kann man auch für ein paar Tage Urlaub am etwas anderen Bauernhof machen. 

Mehr Infos zum Projekt Lebenslänglich:
Josef und Juliane Habersatter
Sauschneidweg 16
5550 Radstadt
www.lebenslaenglich.at
projekt (a) lebenslänglich.at

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