AMS-Bericht April
Sorgen durch deutlichen Rückgang an offenen (Lehr-)Stellen
- Das AMS berichtet über die Entwicklungen im April
- Foto: Johannes Brandner
- hochgeladen von Johannes Brandner
Nach dem Ende der Wintersaison zeigt sich der Arbeitsmarkt im Pongau zwiegespalten: Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken, doch die Zahl offener Stellen und Lehrstellen nimmt weiter ab. Besonders betroffen sind ältere und gesundheitlich eingeschränkte Menschen. Das AMS warnt vor fehlenden wirtschaftlichen Impulsen und einer sich zuspitzenden Fachkräftelücke.
PONGAU. Der regionale Arbeitsmarkt zeigt sich im April 2025 durchwachsen. Wie das Arbeitsmarktservice (AMS) Bischofshofen mitteilt, ist die Arbeitslosigkeit im Pongau im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. Gleichzeitig verzeichnet die Region einen anhaltenden Rückgang bei offenen Stellen und Lehrstellen.
Leichter Rückgang zum Vorjahr
Insgesamt waren Ende April 2.861 Personen im Pongau arbeitslos gemeldet, davon allein 1.645 aus der Beherbergung und Gastronomie – ein typischer saisonaler Effekt nach dem Ende der Wintersaison. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet das einen Rückgang um 49 Personen oder 1,7 Prozent. Rechnet man die 402 Personen in Schulungsmaßnahmen hinzu, ergibt sich eine Gesamtzahl von 3.263 Arbeitssuchenden, das sind um 35 Personen oder 1,1 Prozent weniger als im April 2024.
Die vorläufig geschätzte Arbeitslosenquote liegt bei 7,5 Prozent, das ist ein Rückgang um 0,1 Prozentpunkte. „Salzburgweit stieg die Arbeitslosenquote auf 5,3 Prozent (+0,4 Prozent), was zeigt, dass der Pongau eine schwächere Dynamik aufweist“, erklärt Thomas Burgstaller, Leiter des AMS Bischofshofen.
- Der Leiter des AMS-Bischofshofen Thomas Burgstaller.
- Foto: Hannelore Kirchner
- hochgeladen von Johannes Brandner
Als Ursache für die niedrigere April-Arbeitslosigkeit nennt Burgstaller unter anderem den späten Ostertermin, der dazu geführt habe, dass viele Tourismusbeschäftigte bereits im März arbeitslos gemeldet wurden. Gleichzeitig warnt er vor überzogenen Erwartungen: „Trotz des Rückgangs der Arbeitslosigkeit im April zeigen die Wirtschaftsindikatoren und die Zuwächse in anderen Branchen noch keine positive Dynamik.“
Ältere und gesundheitlich Eingeschränkte deutlich stärker betroffen
Deutliche Unterschiede zeigen sich bei den einzelnen Bevölkerungsgruppen: Während die Arbeitslosigkeit bei Frauen um 4,6 Prozent auf 1.471 Personen zurückging, stieg sie bei Männern leicht um 1,6 Prozent auf 1.390 Personen. Einen deutlichen Rückgang gab es bei Jugendlichen unter 25 Jahren (-7,0 Prozent) und bei Personen unter 50 Jahren (-3,2 Prozent). Dagegen nahm die Zahl der Arbeitslosen ab 50 Jahren um 3,3 Prozent auf 920 zu.
Besorgniserregend sei der starke Anstieg bei arbeitslosen Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen: plus 18,8 Prozent auf 473 Personen. Auch die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen wächst weiter und liegt nun bei 151 Personen (+10,2 Prozent). „Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Langzeitbeschäftigungslose sind wertvolle Potenziale, die in schwierigen Zeiten auf dem Arbeitsmarkt oft besonders herausgefordert sind“, betont Burgstaller. Unternehmen seien gefordert, diese Personengruppen stärker einzubinden.
Rückläufige Stellenangebote in wichtigen Branchen
Ein zentrales Problem bleibt laut AMS der Rückgang an offenen Stellen. Ende April waren 953 sofort verfügbare Arbeitsplätze beim AMS Bischofshofen gemeldet – ein Minus von 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark betroffen ist die Tourismusbranche: Trotz weiterhin bestehendem Personalbedarf verringerte sich die Zahl der offenen Stellen dort um 45,3 Prozent auf nur noch 123.
Auch in der Herstellung von Waren (-15,4 Prozent) und im Bauwesen (-15,6 Prozent) ging die Zahl der offenen Stellen zurück. Diese Rückgänge spiegeln sich in den jeweiligen Arbeitslosenzahlen wider: In der Warenherstellung stieg die Arbeitslosigkeit um 29,2 Prozent, im Bau um 4,5 Prozent.
Weniger offene Lehrstellen trotz steigender Nachfrage
Ein weiteres Warnsignal betrifft den Ausbildungsmarkt: Insgesamt stehen im Pongau derzeit 367 offene Lehrstellen zur Verfügung – das sind 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders deutlich fällt der Rückgang bei sofort verfügbaren Lehrstellen aus: minus 11,4 Prozent auf 164 Plätze. Zwar ist bei späterem Lehrbeginn ein leichter Anstieg zu verzeichnen, doch die Gesamtentwicklung laut AMS gibt Anlass zur Sorge.
„Dies ist angesichts des demografischen Wandels besorgniserregend“, sagt AMS-Leiter Burgstaller. Gerade jetzt, wo wieder mehr junge Menschen eine Lehre anstreben, sinke das Angebot an Ausbildungsplätzen. „Diese Entwicklung verschärft den ohnehin drohenden Fachkräftemangel in den kommenden Jahren zusätzlich.“
Insgesamt bleibt der Arbeitsmarkt im Pongau damit angespannt – trotz leicht sinkender Arbeitslosenzahlen fehlen Impulse für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigungsdynamik.
Das könnte dich auch interessieren:
Aktuelle Nachrichten aus Salzburg auf
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.