20.07.2018, 16:43 Uhr

Ein Jahr nachdem das Wasser kam

Beim Feuerwehrfest denkt Großarl an die Überflutungen 2017. 30 Stunden war das Tal von der Außenwelt abgeschnitten.

GROSSARL. "Dann setzte ein heftiges Gewitter und wieder folgte dieser Starkregen. Im Minutentakt kamen Einsatz-Alarmierungen bei mir an. 16 an der Zahl.  Darunter war eine Meldung über Personen, die in einem Fahrzeug festsaßen, dass von einer Mure erfasst wurde", erinnert sich Einsatzleiter, Hauptbrandinspektor Josef Prommegger an 48 Stunden Ausnahmezustand. Nach ersten Überschwemmungen am 23. Juli 2017 stand Großarl am 4. und 5. August ein hundertjähriges Hochwasserereignis bevor.


Als das Wasser kam

Im Zuge Des Feuerwehrfestes am 4. und 5. August war auch eine Schauübung geplant. Glück für die Großarler, die wenige Stunden später vom restlichen Pongau abgeschnitten wurden. Als das Wasser kam, waren die Feuerwehr St. Johann, das Rote Kreuz und die Polizei zu Übungszwecken bereits im Tal und blieben dort 48 Stunden – viele davon, ohne zu schlafen.


Wasser, Schlamm und Geröll

Am 5. August 2017, ab 19.54 Uhr wurden die Einsatzkräfte zu einer Reihe an Unwettereinsätzen im gesamten Ortsgebiet alarmiert. Wie bereits am Vorabend war der Ortsteil Schied am schlimmsten betroffen. Der Schiedgraben war erneut über die Ufer getreten. Da die Großarler Ache rückstaute trat das Wasser über einen Meter hoch über das Ufer. Zudem wurde ein Wohnhaus in Kronau bis unter die Decke des Erdgeschosses mit Schlamm und Geröll verschüttet. Aufgrund der Überflutung der Großarler Landesstraße wurden auch mehrere Fahrzeuge von den Wassermassen mitgerissen. In letzter Minute konnten zwei Personen von der Feuerwehr St. Johann aus einem PKW gerettet werden. Weiters wurde die Feuerwehr von besorgten Anrainern informiert, dass ein Wohnmobil auf der Mure und in weiterer Folge in der Großarler Ache schwamm – zum Glück unbesetzt.

Krisenstab eingerichtet

"Zur Abwicklung der Einsätze und der medizinischen Versorgung richtete ich im Feuerwehrhaus ein Krisenstab mit den Einsatzorganisationen und der Gemeinde ein. Durch das Rote Kreuz, die Bergrettung und Feuerwehrarzt Dr. Toferer war die medizinische Versorgung im Tal auch während der Straßensperre sichergestellt", so Prommegger. "Sechs medizinische Notfälle mussten abgewickelt werden. Ein Schwerverletzter sowie eine werdende Mutter musste vom Notarzthubschrauber ausgeflogen werden." Währenddessen lief das Feuerwehrfest wie geplant. "Wir wollten nicht, dass die Menschen im Ort herumlaufen, wo wir für ihre Sicherheit nicht sorgen konnten", so der Einsatzleiter.


Katastrophenhilfszug in der Auschule

In der Auschule, die von St. Johann aus erreichbar war, wurde vom Katastrophenhilfszug des Roten Kreuzes eine Notschlafstelle mit Feldküche eingerichtet. Diese wurde von 36 ankommenden Urlaubern bezogen. Auch im Ortsteil Eben ging eine Mure ab, welche eine Brücke in Oberharbach wegriss. Auch an den Tagen danach, kam es immer wieder zum Anstieg des Wasserpegels. Einsatzkräfte, Firmen, Helfer und Privatpersonen waren tagelang im Einsatz. Im Zeitraum von 23. Juli bis 31. August wurden von insgesamt 358 Einsatzkräften 42 Einsätze geleistet. Bei den Aufräumarbeiten waren rund 45 Bagger, Radlader und LKW diverser Firmen im Einsatz.

Erste Verbauungen stehen

Heute, ein Jahr nach dem Hochwasser sind die Felder in Großarl wieder grün und der Schiedgraben plätschert gemütlich vor sich hin. "Der Schiedgraben ist halb verbaut, auch die Verbauung des Aigenalmgrabens, Unterberggrabens und des Ellmaubaches laufen", erzählt Bürgermeister Johann Rohrmoser. Beim Katastrophenfonds des Landes gingen  206 Schadensfälle aus Großarl für das Jahr 2017, mit einer bisherigen Schadenssumme von 2,3 Millionen Euro ein. 1,8 Millionen Euro Hilfe wurde Großarl vom Land zugesagt.

Das Feuerwehrfest 2018

Das Feuerwehrfest findet am 4. und 5. August 2018 statt; die große Schauübung am 4. August 2018 um 19.30 Uhr!


Zur Berichterstattung aus dem Jahr 2017:


Alle Fotos wurden uns von der Freiwilligen Feuerwehr Großarl zur Verfügung gestellt!

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