Kriegsende 1945
Berta Brader – eine "Frau der ersten Stunde" in Ried

- Berta Brader starb vor 52 Jahren und prägte die erste Nachkriegszeit in Ried mit.
- Foto: Gansinger/Familienarchiv Brader
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Am 3. Mai 1945 kapitulierte Ried im Innkreis den aufmarschierenden Amerikanern. Nur einen Tag später meldete sich eine ehrgeizige Frau bei der Stadtverwaltung: Berta Brader sollte später maßgeblich beim Wiederaufbau normaler Strukturen helfen.
RIED. Die Informationen zum Leben der Frau stammen vom Bericht "Glut unter Asche: Berta Brader" von Gottfried Gansinger im Bundschuh Band sechs. Berta Brader wurde am 16. Februar 1896 als sechstes Kind des Schneidermeisters Anton Brader geboren. Als begabtes Mädchen durfte sie das "Pädagogium der Schulschwestern in Vöcklabruck" besuchen. Mit 19 Jahren wurde sie Volksschullehrerin. Von 1920 bis 1947 unterrichtete sie an der Mädchen-Hauptschule in Ried. Ehemalige Schülerinnen behielten sie als engagierte und gerechte Lehrerin in Erinnerung. In der Zwischenkriegszeit lernte sie in der Schweiz die "boy scouts" (Pfadfinder) kennen und wollte dieses pädagogische Konzept des "weltoffenen Erziehungsabenteuers" auch in Ried anbieten. So entstand im Jahr 1928 die Pfadfindergruppe Ried. Schnell wuchs die Gruppe auf mehr als 60 Mitglieder an.
Brader als eine der ersten Helferinnen in Ried
Die für die Region bedeutende Geschichte Braders begann allerdings unmittelbar nach dem Krieg. Am 3. Mai abends marschierte die US-Armee in Ried ein. Schon am nächsten Tag stellte sich Brader der amerikanischen Stadtverwaltung als Mitarbeiterin zur Verfügung. Sie wurde schnell Chefin des Roten Kreuzes in Ried. "Gemeinsam mit ihrem Team leistete Brader damals eine unbezahlbare, heute einfach nicht mehr nachvollziehbare Arbeit", schreibt Gottfried Gansinger. Eine Kollegin von Berta Brader schildert: "Das Durcheinander war unglaublich. In den Nachkriegstagen explodierte die Einwohnerzahl in Ried auf 33.000 Einwohner. Das war etwa das Vierfache der normalen Bevölkerung." Seit Herbst 1944 überschwemmten Flüchtlinge aus dem Osten (Banat …) und Heimische aus Angst vor Bomben, Kämpfen und Russen unser Land. Die Lebensmittelversorgung war gefährdet, US-Soldaten schauten bei Plünderungen zu. Sie mussten zuerst "siegen".

- Berta Brader starb vor 52 Jahren und prägte die erste Nachkriegszeit in Ried mit.
- Foto: Gansinger/Familienarchiv Brader
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Monate bis zur Beruhigung der Lage
Das Rote Kreuz in Ried hatte alle Hände voll zu tun: Sie organisierte Übernachtungsstellen für Flüchtlinge im Kapuzinerkloster, im Gasthaus "Zur Hölle" und in der Kellergasse 1. Ebenso übernahmen die Helfer die Zusammenstellung der Transporte mit der Bahn. Das große Lazarett, das vor Kriegsende nach Ried verlegt wurde, beherbergte bis zu 78 Ärzte. "Den Amerikanern zufolge durften allerdings nur "politisch einwandfreie" Personen weiterarbeiten – es kam zu Festnahmen. Der österreichische Rot-Kreuz-Ausweis samt Armbinde war in diesen Tagen heiß begehrt", erinnert sich Arzt Wolfgang Georg Diermayr, dessen Vater Lazarett-Chef in Ried war.

- Ein Rotkreuz-Ausweis aus der Nachkriegszeit.
- Foto: Stockhammer/Gansinger
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Schritt für Schritt entwickelten sich in der Region wieder normale Strukturen und die Amerikaner ließen mehr Freiraum. Allerdings war das Chaos damit nicht beendet. Das Rote Kreuz wurde immer herangezogen, wenn „Not-an-der-Frau“ war. Bis zu 80 Frauen und einige Männer konnte Berta Brader für diese hingebungsvolle Aufgabe motivieren. Mit ihrem Sprachtalent – sie konnte Französisch und Englisch – wirkte sie als "Brücke" zu den Siegermächten. Im Oktober 1945 übernahm Richard Rasberger das Rote Kreuz Ried – Berta Brader kehrte in die Schule zurück. Die kühne und belesene Art Braders war allerdings nicht nur für die Region hilfreich. "Ihr Heim entpuppte sich später als geistiger Salon für intellektuelle Gespräche. Bei Kaffee, Tee und Kuchen wurden des Öfteren die geistigen Klingen gekreuzt", schreibt Gottfried Gansinger. Zu den regelmäßigen Besuchern gehörte der von der US-Militärregierung bestellte Bürgermeister Wilhelm Soukup, Studentenseelsorger Jakob Pramhas und auch der spätere SPÖ-Justizminister Christian Broda. Dieser kam 1945 als Sanitäter nach Ried und war als Dolmetscher für die Amerikaner tätig. "In ihrem Haus wurde Demokratie-Entwicklung und politische Umsetzung wie in einem Laboratorium diskutiert und über die gegründete 'Ö. Freiheitsbewegung' umgesetzt", erklärte der spätere Spitzenpolitiker in seiner Rückschau auf das Jahr 1945 in Ried.
Berta Brader verstarb am 20. Mai 1973 in Ried. Sie galt als belesene Frau und führte von 1945 bis 1957 sogar ihren eigenen Buchladen.


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