Interview
Genussläuferin Karin Wührer im Interview

Karin Wührer (mittig)
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Karin Wührer läuft um den Kopf frei zu bekommen. Begonnen hat alles damit, dass die 29-jährige Eitzingern eine Weltreise machen wollte. Dafür brauchte Karin natürlich Geld. Was das mit dem Laufen zu tun hat, klären wir mit der Innviertlerin im Helden-Interview #92.

Wann und warum hast du mit dem Laufen begonnen?
Hier muss ich wohl etwas ausholen. Mein Traum war es immer eine Weltreise zu machen. Dafür habe ich fleißig gespart. Um zusätzlich noch etwas Kohle zu machen habe ich 2013 begonnen, beim Loryhof in Wippenham zu kellnern. Meine Chefs Othmar und Poldi sind eingefleischte Läufer und haben mich zum Laufen gebracht. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt nichts mit Laufen am Hut hatte, habe ich mich dennoch überreden lassen. Angesteckt von der Euphorie der Truppe habe auch ich mich immer wieder für einen Lauf angemeldet. Denn beim Loryhof zählen Teamgeist, Spaß und Leidenschaft – alles andere ist zweitrangig. Und das hat mich von Anfang an überzeugt.

Du gehörst also der legendären „Loryhof-Laufgruppe“ an. Läuft ihr des Öfteren gemeinsam, oder bist du am liebsten alleine unterwegs?
Meinen Traum mit der Weltreise habe ich mittlerweile verwirklicht. Vor zirka zwei Jahren habe ich aufgehört beim Loryhof zu arbeiten. Deshalb bin ich auch nicht mehr Teil der Loryhof-Laufgruppe. Unterwegs war und bin ich aber sowieso am liebsten alleine. Denn nur dann erfüllt Laufen den für mich gewünschten Effekt. Und der ist nicht abnehmen, sondern abschalten. Beim Laufen kann ich meine Gedanken freien Lauf lassen und schlechte Laune, Sorgen oder Kummer verpuffen wie im Nichts. Laufen ist für mich wie eine Therapie.

Wenn du trainierst, wie lange sind dann deine Laufrunden und wo liegt dein Wohlfühltempo?
Nachdem ich erst kürzlich umgezogen bin, muss ich erst wieder eine schöne Laufrunde für mich finden. Die Alte, war zwischenzeitlich zwar schon etwas langweilig, aber irgendwie fehlt sie mir jetzt. Bei dieser Runde bin ich zirka fünf Kilometer gelaufen und je nach Stimmung mal schneller oder langsamer gelaufen. Und wenn die Motivation groß war, dann konnte ich mich hin und wieder sogar zum Intervalltraining hinreißen.

Bist du eine Genussläuferin oder machst du auch bei Wettkämpfen mit? Sind dir Zeiten wichtig?
Wie bereits gesagt, am liebsten laufe ich eigentlich um den Kopf frei zu bekommen. Aber ich habe für mich gemerkt, dass mich Wettkämpfe zu mehr motivieren. Das heißt, wenn ich weiß, auf mich wartet ein Laufereignis, dann kann ich meinen inneren Schweinehund viel leichter bekämpfen und bin motivierter. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, Zeiten sind mir egal. Ich bin zwar nicht am Boden zerstört, wenn es mal nicht klappt, aber ich freue mich natürlich sehr, wenn ich mich beispielsweise zum Vorjahresergebnis verbessern kann.

Was waren deine bisherigen Lauf-Highlights?
Mein absolutes Lauf-Highlight ist der Wings for Life Run. Zweimal habe ich es bis jetzt geschafft in Wien einen Startplatz zu ergattern. Die Stimmung dort ist unglaublich – Gänsehaut pur. Hier geht es weniger darum eine sportliche Bestleistung zu erzielen, sondern viel mehr darum, all jenen zu helfen, die nicht laufen können. Und das ist einfach genial. Bei diesen beiden Läufen habe ich außerdem gemerkt, wie viel ich wirklich schaffen kann und wie oft mich mein Kopf blockiert und daran hindert mehr zu geben. Da ich bei Wettkämpfen meist sehr nervös bin und mein Herz schon vor dem Startschuss bis zum Hals schlägt, neige ich dazu mich für die kürzeste Distanz anzumelden. Nur damit ich meine Komfortzone nicht verlassen muss. Deshalb ist wohl diese Art von Lauf genau das richtige für mich – also ohne fixer Ziellinie.

Stimmt es, dass du eine Saison-Läuferin bist?
Ja, das stimmt leider. Ich kann auf Grund von Hautproblemen im Winter beziehungsweise bei kalten Temperaturen nicht laufen. Hin und wieder weiche ich auf das Laufband im Fitnessstudio aus, aber das ist einfach nicht zu vergleichen mit einem Lauf in der Natur. So kommt es, dass ich jedes Jahr aufs Neue im Frühling mit dem Konditionsaufbau beginne. Das ist zwar schade und teilweise etwas mühsam, aber ich habe mich damit abgefunden. In diesem Winter haben mich das Fitnesstraining, das bei uns in der Arbeit angeboten wird, sowie das Training der Faschingsgarde, wo ich heuer erstmals dabei bin, fit.

Wenn du in einer Phase bist wo du viel läufst, wie oft schnürst du dann die Laufschuhe?
Wenn ich in einer Phase bin, in der ich viele laufe, heißt das in meinem Fall ich habe mich für einen Wettkampf angemeldet. Und dann laufe ich zirka zwei- bis dreimal pro Woche. Außerdem versuche ich vor dem Lauf ein paar Intervalltrainings einzubauen.

Hast du ein Laufziel für das Jahr 2020?

Nachdem der Sport auf Grund des Hausbaus und Umzugs heuer etwas zu kurz gekommen ist, ist mein Ziel für 2020 mich wieder regelmäßig zu bewegen. Ein konkretes Ziel verfolge ich aber nicht. Traumfigur hin oder her – Sport gibt einem zumindest das Gefühl besser auszusehen, weil man sich einfach besser und fitter fühlt.

Jetzt wird es modisch: Ist es dir wichtig ein schönes und modernes Laufoutfit zu haben?
Sagen wir mal so, ein neuer Laufschuh oder neue Laufkleidung motivieren schon ein bisserl – sowohl bei Frauen als auch bei Männern (glaube ich). Und wenn das Outfit nicht nur gut ausschaut, sondern auch die Funktionen hält, die es verspricht, dann macht Sport gleich noch mehr Spaß.

Welche Hobbys, außer dem Sport, hast du noch?
Mein größtes Hobby ist Reisen. Ich liebe es andere Länder, Leute und Kulturen kennen zu lernen. Auch dafür ist es meiner Meinung nach von Vorteil, wenn man vom Sport nicht all zu abgeneigt ist. Jeder der schon mal eine Stadt zu Fuß erkundet hat, weiß, wie schnell man hier viele Kilometer zusammen bekommt. Auch auf der Weltreise haben wir sehr viele Kilometer zu Fuß zurückgelegt und uns sehr viel bewegt. Eine Wanderung ist mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben: das Tongariro Alpine Crossing in Neuseeland. Lavaströme, ein aktiver Krater, dampfende Schlote, smaragdgrüne Seen und umwerfende Ausblicke machen das Crossing zu einer unvergesslichen Tageswanderung.

Autor:

Mario Friedl aus Ried

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