23.09.2014, 15:31 Uhr

"Quartier wird sicher keine Dauereinrichtung"

Im Hotel Georgshof werden zirka 60 Flüchtlinge untergebracht – großteils wird es sich dabei um Syrer handeln.

In der Gemeinde Waldzell wurde ein Übergangsquartier für zirka 60 Asylwerber eingerichtet.

WALDZELL (kat). Seit rund einer Woche bietet die Gemeinde Waldzell Flüchtlingen aus Syrien Asyl. Bleiben sollen sie rund zwei bis drei Monate – bis die für sie bestimmte Unterkunft adaptiert und bezugsfertig ist. "Soziallandesrätin Gertraud Jahn hat mich gefragt, ob wir in Waldzell nicht ein Übergangs-Quartier für Asylwerber einrichten könnten. Dafür hatte sie ursprünglich die Volksschule Nußbaum im Auge, die ja geschlossen wurde", erzählt Waldzells Bürgermeister Johann Jöchtl die Anfänge des Projekts. Da diese aber nicht geeignet schien für Erwachsene, wurde eine Alternative gesucht und auch gefunden: Im "Hotel Georgshof" standen Zimmer leer, der Besitzer habe sich laut Jöchtl bereit erklärt, die Räume zur Verfügung zu stellen. Sie bieten Platz für 50 bis 60 Personen.

Ort der Menschlichkeit

Am Dienstag, 9. September, wurde der Bürgermeister vom Land Oberösterreich informiert, dass im Hotel Georgshof Flüchtlinge untergebracht werden. Anschließend erfolgten nötige Adaptierungen, so richtete man eine Notküche ein. Am Montag, 15. September, trafen die ersten 20 Syrer ein, eine Woche später leben dort nun 58 Menschen in Not. "Als ich erfahren habe, dass in Waldzell ein Übergangsquartier eingerichtet wird, habe ich sofort einen Brief an die Bevölkerung geschrieben, da ich natürlich auch die Ängste kenne. Asylwerber werden ja leider oft in einem schiefen Licht gesehen. Ich habe die Waldzeller ersucht, Verständnis für diese Menschen zu haben. Sie brauchen unsere Hilfe. Wir wollen ein Ort der Menschlichkeit sein", so Jöchtl. Er weist vor allem auch darauf hin, dass es sich hierbei um eine Übergangslösung und definitiv um keine Dauereinrichtung handle. Das bestätigt auch Soziallandesrätin Jahn: "Die Flüchtlinge bleiben hier etwa für zwei Monate." Nichtsdestotrotz sollen die Flüchtlinge in den zwei bis drei Monaten ihres Aufenthalts so gut wie möglich in das Gemeindegeschehen integriert werden. "Ich habe schon mit einigen Menschen hier im Ort geredet und sie gebeten, unsere Gäste am Leben hier teilnehmen zu lassen. Vielleicht könnten sie ja beim Fußballverein mittrainieren oder ähnliches. Das wird sich zeigen", meint Jöchtl. Ein pensionierter Lehrer habe zudem einen Deutschkurs angeboten, dies sei von den Flüchtlingen auch schon angefragt worden.

Jahn: "Waldzeller hilfsbereit"
"Wir bitten auch um Spenden, um diese Menschen zu unterstützen. Das Beste dabei sind Lebensmittel wie beispielsweise Gemüse, Obst, Reis oder Germ. Wir haben in unseren zwei Kaufhäusern Wagerl aufgestellt, in die die Bürger ihre Spenden legen können. Toll ist, dass zwei Landwirte den Bewohnern gratis Eier liefern", so Jöchtl. Angedacht ist auch, den Syrern eine Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel für Fahrten nach Ried zur Verfügung zu stellen.
Andere Übergangslösungen gibt es laut Soziallandesrätin Jahn derzeit in Weißenbach am Attersee und in Klaffer: "Es wird auch noch weitergesucht, weil die verheerenden Zustände im Nahen Osten zur Folge haben, dass es bei den Menschen um das nackte Überleben geht. Ich bin sehr dankbar, dass man in der Gemeinde Waldzell mit diesem Thema positiv umgeht. Bei meinem letzten Besuch habe ich die Bürger als sehr sozial engagiert und hilfsbereit erlebt."

Betreuung durch die Caritas
Betreut werden die Asylwerber in der Gemeinde Waldzell von der Flüchtlingshilfe der Caritas. Von Montag bis Freitag sind täglich für etwa fünf Stunden ein bis zwei Mitarbeiterinnen vor Ort. "Sie bieten vor allem soziale Beratung in allen Lebenslagen sowie Unterstützung bei Terminvereinbarungen – zum Beispiel beim Arzt. Außerdem geben die Caritas-Mitarbeiter den Asylwerbern eine Orientierungshilfe bei allen praktischen Angelegenheiten. Sie zeigen ihnen zum Beispiel, wo im Ort das Geschäft ist, wann und wo der Postbus fährt und ähnliches", erklärt Marion Huber, Abteilungsleiterin der Flüchtlingshilfe.
Auch eine Perspektivenabklärung sei wichtig: "Hier geht es um Fragen wie: Wie kann es in Österreich weitergehen? Wo erfolgt die weitere Unterbringung des Asylverfahrens? Wo kann man rechtliche Beratung bekommen?", so Huber.
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