Winterspeck ade
Zuckerabfall durch zu strenge Diät kann gefährlich werden

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ROHRBACH-BERG. Menschen mit Diabetes und ihre Angehörigen kennen die Symptome: Reagieren Diabetiker grundlos aggressiv und gewalttätig, kann ein gefährliches Zuckertief aufgetreten sein. Rasche Hilfe in Form von Kohlenhydraten ist nötig. Doch Zeichen einer Unterzuckerung können auch bei Menschen ohne Diabetes auftreten – beispielsweise infolge einer zu radikalen Diät mit langen Fastenperioden, um ungewollte Kilos loszuwerden, die sich während der Winterzeit angesammelt haben. Kalter Schweiß steht auf der Stirn, die Finger zittern, das Herz pocht, plötzlicher Heißhunger tritt auf und meistens sinkt die Laune in den Keller. Mit diesen Symptomen signalisiert der Körper, dass der Blutzuckerspiegel gefallen ist und das Gehirn dringend Nachschub an Kohlenhydraten braucht. Zu den Kohlenhydraten gehören die verschiedenen Arten von Zucker und Stärken. Wann diese Vorgänge in Gang gesetzt werden, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, denn die Unterzuckerschwelle ist individuell sehr unterschiedlich. Ein niedriger Blutzuckerspiegel ist vor allem für das Gehirn gefährlich, da es Kohlenhydrate als Energiequelle braucht.

Alarmzeichen rechtzeitig erkennen

Ursachen für Zuckerabfall Gefährlicher Unterzucker tritt bei gesunden Menschen nicht auf, da ein gesunder Körper einer lebensbedrohenden Unterzuckerung gegensteuern kann. „Diabetiker werden bei uns im Klinikum Rohrbach geschult, um die Alarmzeichen einer Unterzuckerung rechtzeitig zu erkennen und einem lebensbedrohlichen Unterzucker vorbeugen zu können. Die Symptome des Unterzuckers sind Warnzeichen, die einen Diabetiker dazu animieren, Kohlenhydrate zu sich zu nehmen“, beschreibt Renate Hagenauer, Oberärztin der Abteilung für Innere Medizin mit Zusatzfach Endokrinologie am Klinikum Rohrbach. „Bei Menschen ohne Diabetes können Symptome einer Unterzuckerung auftreten, allerdings kein lebensbedrohlicher Unterzucker. Selbst wenn ein gesunder Mensch Symptome einer Unterzuckerung verspürt, fällt er deswegen nicht ins Koma.“ Gründe für Anzeichen eines Zuckerabfalls können Ernährungsfehler wie extremes Fasten oder zu strenge Diäten sein. „Auch Alkohol kann Symptome einer Unterzuckerung auslösen. Er hemmt im Körper jene Mechanismen, die der Organismus bei einem niedrigen Blutzuckerspiegel aktiviert. Daher sinkt dieser immer tiefer ab“, erklärt die Expertin. Eine strenge Diät sollte unter ärztlicher Begleitung erfolgen, um eine qualitative Mangelernährung zu vermeiden. Vor allem bei Diäten über längere Zeit, ist es wichtig, Vitamine und Spurenelemente zuzuführen. Außerdem ist es aus medizinischer Sicht relevant, den Grundumsatz auch während einer Diät zu decken. Ansonsten tritt nach Ende der bekannte Jojo- Effekt auf.

Auch zu viel Zucker verursacht Unterzucker

Die Zusammensetzung der Nahrung spielt ebenfalls eine Rolle: Wenn überwiegend schnell verdauliche Kohlenhydrate verzehrt werden, steigt der Blutzucker steil an und eine große Menge Insulin wird freigesetzt. Die Folge ist, dass die im Blut angesammelte Glukose sehr schnell abgebaut wird. Solche schnell verdaulichen Kohlenhydrate mit raschem Blutzuckeranstieg nach dem Essen sind vor allem Brot und Gebäck aus weißem Mehl, süße Backwaren, Fruchtsäfte und zuckerhaltige Limonaden. Empfehlenswert ist es, vor süßen Hauptmahlzeiten eine Suppe oder Salat zu essen, damit sich das Hungergefühl nicht gleich wieder einstellt. Gemüse, Vollkornprodukte, Milchprodukte und Hülsenfrüchte lassen den Blutzuckerspiegel hingegen langsamer ansteigen. Auch Fett verzögert den Prozess. Der Verzehr dieser Lebensmittel bewirkt, dass sich weniger Insulin im Umlauf befindet und der Blutzuckerspiegel nicht so stark schwankt. „Auch Sport lässt die Blutzuckerwerte absinken. Wer diesen Effekt beim Sport schon erlebt hat, sollte vor dem Training immer eine Kleinigkeit essen. Ideal ist eine kleine Portion Nudeln, da diese komplexe Kohlenhydrate enthalten“, so die Expertin. Erste Hilfe bei Unterzucker Wenn sich die ersten Anzeichen einer Unterzuckerung bemerkbar machen, helfen Traubenzucker, Apfelsaft oder gesüßte Limonaden. Wenn kein Diabetes oder eine andere Erkrankung vorliegt, verschwinden die Beschwerden meist nach etwa zehn Minuten wieder. Auch Schonung und Ruhe sind wichtig, damit sich der Körper wieder erholen kann. Treten bei gesunden Menschen gehäuft Symptome einer Unterzuckerung auf, sollte man an eine Erkrankung denken und den Arzt aufsuchen.

Renate Hagenauer ist Oberärztin der Abteilung für Innere Medizin mit Zusatzfach Endokrinologie am Klinikum Rohrbach.
Autor:

Sarah Schütz aus Rohrbach

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