12.02.2018, 07:33 Uhr

Der Brückenbauer Gottes hat die letzte Baustelle beendet

Pater Roberto Eckerstorfer ist in Arnreit geboren – Bolivien war seine zweite Heimat. (Foto: Foto: Eckerstorfer)

Der Arnreiter Priester Robert Eckerstorfer ist in La Paz verstorben. Er wurde 75 Jahre alt. Ein Nachruf von Robert Radinger

ARNREIT. Am späten Abend des 3. Februar 2018 ist in La Paz der gebürtige Arnreiter Priester und Franziskanermissionar Robert Eckerstorfer (75) verstorben. Nach dem Besuch der Pflichtschule in Arnreit und Rohrbach wechselte er an das Franziskanergymnasium in Hall, wo er 1964 maturierte. Im selben Jahr wurde er im Kloster Telfs in das Noviziat der Tiroler Franziskanerprovinz aufgenommen.
Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1970 war er kurze Zeit Kaplan und ging anschließend zum Sprachstudium nach Valencia in Spanien.

Bolivien als 2. Heimat

Wie sein älterer Bruder Alois, der ebenfalls bereits als Missionar in Südafrika tätig war, wollte auch er in die „Mission“ gehen. Im November 1972 folgte seine Aussendungsfeier nach Robore‘ in Bolivien und dieses Land sollte bis zum seinem Lebensende seine zweite Heimat werden. Bereits im Jahr 1976 übernahm er als Regens und Lehrbeauftragter das Ordenskolleg in Cochabamba und kehrte 1977 für sein Studium nach Österreich zurück, wo er 1979 an der Universität Salzburg zum Mag. Theol. spondierte.

Wo ein Wille, da ein Weg

Nach seiner Rückkehr nach Bolivien erwarteten ihn große und schwierige Aufgaben, die er mit Begeisterung und totalem persönlichem Einsatz meisterte. Sein Leitspruch lautete: Wo ein Wille, da auch ein Weg – und wo kein Weg, da bauen wir einen. Und das er anpacken konnte, das bewies er mit seinem Projekt O.S.C.A.R – heißt „Obras Sociales de Caminos de Acceso Rural“ und hat wahrlich nichts mit dem Hollywood-Spetakel zu tun.
Straßen, Wege, Brücken und Infrastruktur aufbauen, um den Einheimischen im Tiefland Boliviens ein erträgliches Leben zu ermöglichen, das war seine vordringlichste Aufgabe als Mensch und Priester. "Du musst einer der Ihren werden, dass du sie verstehst", sagte er. Das hieß arbeiten auf den Baustellen, oft bis in die frühen Morgenstunden. Er fuhr mit LKWs, Raupen und war auch als Vermesser tätig.

An der Urwalduni unterrichtet

Er unterrichtete neben diesen Tätigkeiten in seiner „Urwalduniversität“ auch Studenten und angehende Seminaristen. Halbtags hatten sie Vorlesungen in den Baubaracken, den Rest des Tages wurde auf der Baustelle gearbeitet. So wurden im Laufe der Zeit über 500 Kilometer befestigte Straßen, Furten durch Flüsse sowie Hänge- und Betonbrücken gebaut. Nebenbei zog er mit Mitstreitern ein agrarökologisches und ein Gesundheits- und Impfprogramm auf, um den Einheimischen zu zeigen, wie sie mit dem Boden schonend umgehen können. Bei seinen seltenen Heimatbesuchen berichtete er über seine Arbeit in seinem „Paradies Bolivien“ und ging aber mit der starren „römischen Amtskirche“ oft hart ins Gericht. Für sein Lebenswerk wurde er mit dem Ehrenzeichen des Landes OÖ ausgezeichnet. Vom spanischen Königshaus bekam er den Solidaritätspreis der Organisation „Ayuda en Accio´n“ (Hilfe durch Handeln).

Gedenkgottesdienst in Arnreit

Pater Roberto Eckerstorfer, unser großer Anführer im Oscar-Projekt ist verstorben. Und wir sind ihm tausendmal dankbar für die Ausstrahlung, mit der er uns gelehrt hat, anderen zu dienen … möge er in Frieden ruhen – verabschiedeten sich seine „Bolivianer“ in einer Aussendung. Nach dem Requiem in der Basilika S. Francisco in La Paz wurde er am 5. Februar 2018 begraben. In seiner Heimatgemeinde Arnreit findet am Samstag, 17. Februar um 10 Uhr, ein Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche statt.
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