Das Geschäft mit der Armut

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SALZBURG (af). Mangelnde bis gar keine Hygiene, unsinnige Vorschriften und Zahlungen unter der Hand: Die dubiosen Praktiken einiger weniger Vermieter von Pensionszimmern sind für Salzburgs soziale Vereine, aber auch die Stadtpolitik ein offenes Geheimnis. „Die überwiegende Mehrzahl der Vermieter verhält sich absolut korrekt, ohne ihre Zimmer hätten wir in Salzburg ein Problem. Doch wie in jeder anderen Branche auch gibt es ein paar schwarze Schafe“, erklärt der für Soziales zuständige Vizebürgermeister Martin Panosch. Vor allem sozial schwache Menschen, darunter auch Bezieher der Mindestsicherung, sind immer wieder auf Pensionszimmer angewiesen. Ihre Notlage nutzen einige wenige Vermieter jedoch schamlos aus.

„Lieber obdachlos“
„Es gibt solche und solche“, erklärt auch Hannes Rothbucher, Verantwortlicher für Wohnintegration bei der Caritas Salzburg. „Doch ich habe leider auch Klienten, die sagen: ‚Lieber bin ich obdachlos, als in ein Pensionszimmer zu gehen‘“. Auch Rothbucher betont, dass es sich lediglich um ein paar wenige schwarze Schafe handle und pauschale Vorwürfe fehl am Platze seien. „Der Bedarf an Pensionszimmern für sozial schwache Menschen ist nun einmal vorhanden und es ist gut, dass es Leute gibt, die die-se Zimmer vermieten. Trotzdem gibt es aber auch negative Beispiele.“

Abhängigkeit als Problem
Sowohl Vizebürgermeister Martin Panosch als auch Caritas-Experte Hannes Rothbucher sehen ein Hauptproblem im Abhängigheitsverhältnis zwischen Mietern und Vermietern: „Auch wenn die Wohnverhältnisse katastrophal sind: Oftmals traut sich der Mieter einfach nicht, etwas zu sagen – schon am nächsten Tag könnte er dann nämlich auf der Straße stehen“, so Rothbucher. Im Fall von Pensionszimmern gibt es nämlich keinen Mietvertrag, welcher dem Mieter wenigs-tens ein Mindestmaß an Rechten und Sicherheit garantieren könnte.

„Wenn jemand eine Idee hätte, wie wir diese Missstände abstellen könnten, dann wäre ich der Erste, der sich freut“, so Martin Panosch. „Doch um den schwarzen Schafen unter den Vermietern etwas nachzuweisen, müssten die Mieter zu Aussagen bereit sein.“ Laut dem Vizebürgermeister wird das jedoch durch genau dieses Abhängigkeitsverhältnis verhindert.

Mehr Betreuung
Die Mindestsicherung sieht für Pensionszimmer einen Betrag von 285 Euro vor, eine Wohnung wird mit maximal 380 Euro „bezuschusst“. Gerade in der Mozartstadt ist das nicht viel Geld, um eine angemessene Unterkunft zu finden, darin sind sich alle Beteiligten einig. Momentan werden die Bemühungen intensiviert, wieder mehr Menschen durch regelmäßige Betreuung in die Selbstständigkeit zu helfen. „Vergangenes Jahr ist uns das auch bei 20 Menschen geglückt, das war ein schöner Erfolg“, so Rothbucher. „Langfristig ist es unser Ziel, dass Pensionszimmer nur mehr in wenigen Fällen notwendig sind“, erklärt Vizebürgermeister Panosch. „Doch ganz werden wir wohl nie auf sie verzichten können.“

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