Business Lunch
Rolando Villazón und der Zauber des Kaleidoskop

Beim Business-Lunch erzählte Rolando Villazón über seine Freiheit als Künstler und Lieblingsorte in der Mozartstadt.
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SALZBURG (lg). Gut gelaunt und quirlig wie man ihn kennt, erscheint Star-Tenor Rolando Villazón zum Stadtblatt-Business-Lunch. Zum ersten Mal konzipiert Villazón die Mozartwoche, die heuer von 24. Jänner bis dritten Februar stattfindet. Das Stadtblatt sprach mit ihm über sein Programm, seine Liebe zu Salzburg und zur Philosophie und darüber, was Glück für ihn bedeutet.

Herr Villazón, Sie haben ein buntes Kaleidoskop mit dabei. Hat das eine besondere Bedeutung für Sie?
Rolando Villazón:
Das habe ich kürzlich in Paris in einem Geschäft mit alten Spielsachen erstanden. Ich liebe Kaleidoskope, die erinnern mich an meine Kindheit und es liegt so viel Zauber und Magie in diesem kleinen Gegenstand. Der größte Zauber entsteht ohnehin meist durch kleine Dinge. Und ich mag das Spielerische daran: Man dreht das Kaleidoskop und es entsteht immer ein neues Bild. Und es passt wunderbar zu Mozart, denn auch er liebte das Spielerische und das spürt man auch in seiner Musik. Mozart war kein Rebell, er bewegte sich in einem bestimmten Rahmen, aber innerhalb dieses Rahmens überraschte er die Menschen auf eine wunderbare Weise.

Sie konzipieren die Mozartwoche heuer zum ersten Mal, gehen dabei auch recht unkonventionelle Wege und bespielen viele Orte. Etwa das Oval im Europark oder die Arge Kultur.
Rolando Villazón:
Mein Ziel ist es, die Musik von Mozart und Mozart als Person einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Mit "Mozart's Amazing Shadows" der Tanzgruppe Catapult wird im Oval ein großes Schattentheater mit einer spannenden und mitreißenden Choreographie gezeigt. In der Arge Kultur wollen wir mit einem Mozart-Kabarett einen ganz neuen Zugang zeigen. Für gute Laune wird auch die "Serenata Mexicana" sorgen, bei der Mariachi-Sänger vor Mozarts Geburtshaus auftreten. Die Mozartwoche soll ein Potpourri aus klassischen und modernen Elementen sein und darauf freue ich mich.

Den Salzburgern sind Sie vor allem seit dem Jahr 2005 mit Ihrer Rolle als "Alfredo" an der Seite von Anna Netrebko in der Oper "La Traviata" ein Begriff. Was sind Ihre Erinnerungen an diese Zeit?
Rolando Villazón:
Phantastisch, magisch, unerwartet und unglaublich glücklich. Das sind die Begriffe, die mir sofort dazu einfallen. Es war eine ganz spezielle Zeit und seit damals verbindet mich mit dieser Stadt eine ganz besondere Liebesgeschichte. Ich sage immer: Wenn Glücklichsein eine Stadt wäre, es wäre Salzburg im Winter. Ich liebe das kalte Wetter und den Schnee.

Was lieben Sie außer dem Schnee an Salzburg?
Rolando Villazón:
Den Spirit von Mozart, der in dieser Stadt zu spüren ist. Und die alten Gassen, wie etwa die Steingasse. Aber auch die Gurken im Furtwänglerpark und den Mozartsteg, das ist einer meiner Lieblingsorte. Ich mag die Enge dieses Stegs und das Verbindende, das bringt die Menschen zusammen.

Gab es auch Schattenseiten an dem Star-Rummel?
Rolando Villazón:
Nein. Man kann sich auch als bekannte Person seine Freiheit erhalten, aber man muss darum kämpfen. Und ich habe diese Freiheit und die Balance gefunden.

Sie sind nicht nur einer der bekanntesten Tenöre, sondern führen auch selbst Regie, sind Buchautor und jetzt Intendant. Wird Ihnen schnell langweilig, wenn Sie nur eine Sache machen?
Rolando Villazón:
Mir gefällt das Neue, eine Routine gibt es bei mir nie. Wenn ich Regie führe, dann konzentriere ich mich zu 100 Prozent darauf, wenn ich schreibe, liegt mein ganzer Fokus auf dem Schreiben. Wenn ich eine Sache mache, dann tauche ich tief in diese Materie ein.

Gibt es denn eine Oper, in der Sie gerne noch mitwirken möchten?
Rolando Villazón:
Tatsächlich würde mich die Mozart-Oper "Idomeneo" reizen, darin habe ich noch nicht gespielt. Das wäre doch einmal was.

Sie engagieren sich auch immer wieder für soziale Zwecke, etwa bei den Clown Doctors.
Rolando Villazón:
Ich sehe es als meine Pflicht als Mensch, anderen zu helfen. Ich will damit auch andere inspirieren. Anderen, denen es nicht so gut geht, zu helfen, ist die kleinste Sache, die wir als Menschen machen können.

Wurde Ihnen die Sangesfreude denn in die Wiege gelegt oder hatten Sie als Kind einen anderen Berufswunsch?
Rolando Villazón:
Tatsächlich habe ich mich immer für Spiritualität und für die verschiedenen Weltreligionen sehr interessiert, das ist bis heute so. Ich hatte als Kind die Vorstellung, Priester zu werden. Ich war immer auf der Suche nach Antworten, nicht nach Reaktionen.

Auch die Philosophie spielt eine wichtige Rolle in Ihrem Leben. Schöpfen Sie daraus Kraft für den Alltag?
Rolando Villazón:
Auf jeden Fall. Ich will immer meine eigenen Antworten finden und beschäftige mich viel mit philosophischen Fragen. Epikur, Sokrates, Spinoza, Albert Camus, Arthur Schopenhauer – ich liebe es, tief in diese Welt einzutauchen.

Was bedeutet Glück für Sie persönlich?
Rolando Villazón:
Man muss das Leben nehmen wie es kommt und das Beste daraus machen. Traurigkeit ist ein Ort, den man durchquert, und selbst in traurigen Wäldern gibt es Blumen. Oft passiert es auch, dass man mit irgendetwas keinen Erfolg hat, und dennoch glücklich ist. Wenn das Leben eine Linie wäre, wären Glück einzelne Punkte auf dieser Linie, die man beschreitet.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gast und Kulinarik - diesmal im Restaurant Yaoyao
Der Business-Lunch fand dieses Mal im Restaurant Yaoyao im Europark statt. "Ich bin gerne hier, weil ich ein großer Fan der asiatischen Küche bin. Und gleich gegenüber ist das Oval, wo wir heuer erstmals auch mit der Mozartwoche gastieren", begründet der Intendant der Mozartwoche, Rolando Villazón, die Wahl des Restaurants "Yaoyao" als Treffpunkt für den Business-Lunch – einer Interview-Serie mit spannenden Persönlichkeiten im Stadtblatt Salzburg.
Konsumiert wurden ein Mineralwasser, ein Cappuccino, ein Verlängerter und ein Wok-Gemüse mit Hühnerfleisch. "Ich mag das frische Wok-Gemüse, wie es in der asiatischen Küche zubereitet wird", sagt Villazón und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: "Wobei ich auch der österreichischen Küche sehr zugetan bin: Bei einem Wiener Schnitzel und einer Marillen-Palatschinke kann ich nicht widerstehen."
Seit 2011 ist der Gastronom Yaoyao Hu mit seinem Restaurant im Europark vertreten. Vor einigen Jahren sorgte er für Aufsehen, als er die längste handgezogene Nudel der Welt anfertigte. Mit einer Länge von 581,25 Metern schaffte er damit einen neuen Weltrekord.

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