Verlorene Chance - Endstation Straßenstrich
- Letzte oder verlorene Chance? Endstation Straßenprostitution
- hochgeladen von Peter Harlander
UNÜBERSEHBAR
Nach Einbruch der Dämmerung herrscht in der Salzburger Vogelweiderstraße Hochbetrieb. Junge osteuropäische Prostituierte bieten am Straßenrand ihre Dienste an.
LETZTE CHANCE?
Die Frage, ob und was dagegen zu tun ist, spaltet die Salzburger. Einige kritisieren überhaupt jede Maßnahme gegen die Straßenprostitution. Man dürfe den Frauen die allerletzte Chance nicht nehmen.
Dieser Sichtweise kann ich nichts abgewinnen. Für die jungen Osteuropäerinnen auf Salzburgs Straßen ist die Prostitution mit Sicherheit nicht die letzte Chance. Im Gegenteil, am Straßenstrich wird den Frauen die letzte Chance genommen. Der Straßenstrich ist für die meisten eine ausweglose Endstation ohne Weg zurück in ein anderes Leben.
KEINE OPFER?
Auch die Ausbeutung der Frauen wird bestritten. Die Frauen werden romantisch verklärt zu eigenständigen und unabhängigen Unternehmerinnen hochstilisiert, die die Vorteile freier Zeiteinteilung und gut zahlender Kunden genießen würden.
Täglich beweisen Medienberichte quer durch Europa das Gegenteil. Grausame Menschenhändlerringe machen Frauen durch Drogen abhängig, locken mit falschen Versprechen, setzen mit und realen Drohungen unter Druck oder schlagen und vergewaltigen so lange, bis diese vollkommen gefügig sind und willig Geld für die Hintermänner verdienen.
Trifft das auch auf die jungen Frauen in Salzburg zu? Eine ganz einfache Rechnung reicht, um die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen:
DIE WAHRHEIT
Je nach Alter und Aussehen bedienen die Prostituierten zwischen 5 und 15 Freier je Abend und verdienen zwischen € 20 und € 40 je Freier. Gearbeitet wird jeden Tag. Während der Periode wird beispielsweise mit Schaumstoff improvisiert. Der ist weich und behindert das Geschäft nicht.
Zurückhaltend berechnet ergeben 20 Tage je Monat x 5 Freier je Abend x € 20 je Freier immerhin € 2.000 – steuerfrei bar auf die Hand.
Oder bei 25 Tagen je Monat x 10 Freier je Abend x € 30 je Freier immerhin € 7.500. Und das ist angeblich bei weitem nicht das Maximum.
Trotz der hohen Verdienste wohnen die Prostituierten nicht im Penthouse, schlafen nicht im Seidenpyjama und haben keine Kleiderschränke voller Markenkleidung. Nun, dann sollte man meinen, dass sich selbst im teuren Salzburg zumindest eine klitzekleine Einzimmerwohnung, ein voller Kühlschrank und schicke Kleidung vom Diskonter ausgehen sollten.
Fehlanzeige. Der Großteil der jungen Osteuropäerinnen schläft mit den osteuropäischen Bettlern in kalten Abbruchhäusern oder lebt in ähnlich schlechten Verhältnissen. Außer der Kleidung, die sie zum Arbeiten brauchen, haben sie so gut wie nichts.
GUT GEMEINT IST DAS GEGENTEIL VON GUT
Wer angesichts dieses Missverhältnisses zwischen Verdienst und Lebensrealität ernsthaft bezweifelt, dass diese jungen Frauen vor unseren Augen grausam ausgebeutet werden, der verschließt beide Augen vor der Realität.
Salzburg muss gegen diese Ausbeutung vorgehen. Wer sich aus angeblicher Nächstenliebe für die Beibehaltung der Situation einsetzt, macht sich mitschuldig am Elend der Frauen.
Und eines dürfen wir nicht vergessen. Solange das Geschäft auf Salzburgs Straßen floriert, werden in Osteuropa täglich neue Frauen mit falschen Versprechen gelockt, mit und realen Drohungen unter Druck gesetzt oder Schlägen und Vergewaltigung gefügig gemacht, bis sie in naher Zukunft „freiwillig“ diejenigen ersetzen, die zu krank, zu ausgebrannt oder zu alt sind, um für die Hintermänner noch lukrativ zu sein.
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