MOTO GUZZI Privatmuseum in Lecco am Comer See
Die Leidenschaft der Familie Frigerio für 200 Stück alte Moto Guzzis
- hochgeladen von Alfred Pech
Besuch einer der weltweit bedeutendsten Moto-Guzzi-Sammlung
Lecco am Comer See. Die #Ferrari-Männereise 2026 führte meinen Freund Wolfgang und mich im F8 Spider über St. Moritz und den fahrerisch anspruchsvollen Maloja-Pass zu unserem ersten Besichtigungsziel: dem privaten Moto Guzzi-Museum der Familie Frigerio in Lecco am Comer See. Antonio-Maria Frigerio kennen wir von den Rupert Hollaus-Rennen. Er hatte uns eingeladen seine „heiligen Hallen“ zu besuchen - eine Einladung, die sich für jeden Moto-Guzzi-Enthusiasten als ganz besonderes Erlebnis erweisen sollte.
Zu unserer großen Freude gesellte sich auch sein Freund Guiseppe Todero zu uns. Der Sohn des brillanten Moto Guzzi-Ingenieurs Umberto Todero gilt als einer der profundesten Experten der mythenumwobenen V8 500!
Antonio Maria Frigerio gilt gemeinsam mit seinen Geschwistern Nicola und Silvia sowie seinem Sohn Andrea in Lecco am Comer See als einer der bedeutendsten Sammler von Moto Guzzi-Motorrädern. Die Leidenschaft für die traditionsreichen Motorräder aus Mandello del Lario wurde bereits von Vater Giancarlo geprägt und den Generationen weitergegeben.
Die außergewöhnliche Privatsammlung konzentriert sich auf das „Goldene Zeitalter“ von Moto Guzzi zwischen 1921 und 1957. Dieses Jahr markierte einen historischen Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte: Mit der sogenannten „Rückzugsvereinbarung“ (Patto di Astensione) vom 26. September 1957 zog sich Moto Guzzi gemeinsam mit Gilera und FB Mondial aus dem kostspieligen Straßenrennsport zurückzog. Die aufkommende Massenmotorisierung eröffnete neue Perspektiven und man legte den Schwerpunkt auf die Entwicklung von erschwinglichen Motorrädern für eine breite Kundschaft.
Rund 200 restaurierte Meisterwerke
Die Frigerio-Sammlung umfasst rund 200 restaurierte Motorräder. Jedes Modell dieser Epoche ist vertreten, manche mehrfach - darunter Einzelstücke und sogar die legendäre V8 500-Rennmaschine.
Lediglich die Prototypen der Dreizylinder-Tourenmaschine „Tre cilindri 500 tourismo“ (1932/33) und die Dreizylinder-Kompressor-Rennmaschine „Tre Cilindri Corsa“ (1940) sind dem 20 km entfernten Werksmuseum in Mandello del Lario vorbehalten.
Straßenmotorräder
Neben der „NORMALE“ (1921- 1924), dem ersten Serienmotorrad von Moto Guzzi mit dem markentypischen liegenden 500er-Einzylinder und Schwungscheibe, reihen sich C 2V, C 4V, die verschiedenen SPORT- Modelle (1923-1939), die G.T. (1928-1934) sowie die GT 500 „Norge“ (1928/1929), welche durch die legendäre Nordkapfahrt Berühmtheit erlangte.
Ebenfalls vertreten sind die Baureihen V 500 - G.T.V. - G.T.W. - G.T.C (1934-1948) sowie die S- und G.T.S 500-Modelle (1934-1940). Den Höhepunkt der klassischen Einzylinder-500 ccm-Ära markiert die Ikone FALCONE“ (1950-1967).
Meilensteine der Massenmobilisierung
Die Sammlung dokumentiert eindrucksvoll den Beitrag von Moto Guzzi zur Motorisierung der Bevölkerungsschichten: P 175 / P 250 (1932-1940), S /G.T.S. 500 (1934- 1940), Airone 250 (1939-1957), Guzzino 65 (Zweitakt, 1946-1954), Cardellino 65 (Zweitakt, 1954-1965), Astore 500 (1949-1953) sowie der charakteristische Motorroller Galleto (1950-1966).
Seitenwagen- und Behördenfahrzeuge: Polizei- und Militärmotorräder gehörten über Jahrzehnte zu den wichtigen Standbeinen von Moto Guzzi und fanden weltweit Verwendung. Ergänzt werden sie in der Sammlung durch die einst sehr populären Gespanne, darunter ein Exemplar mit dem praktischen „Schwiegermutter-Sitz“.
Nutz- & Spezialfahrzeuge
Über den klassischen Motorradbau hinaus entwickelte Moto Guzzi auch spezielle Fahrzeuge wie das Lasten-Dreirad-Nutzfahrzeug „ERCOLINO“, das außergewöhnliche MULO MECCANICO („Maultier“), ein geländegängiges 3 x 3 Allradfahrzeug mit Kettenantrieb, konzipiert für die Gebirgstruppe „Alpini“.
Die „Modernen“
Die Zeit nach 1957 wird in der Sammlung durch die Stornello 125/160 (Einzylinder Viertakt, 1960-1975) gewürdigt, auch der Einfluss der Benelli-Ära wird mit der Vierzylinder 254 (1975) dokumentiert.
Mit dem Jahr 1967 begann für das Werke eine neue Epoche: Der charakteristische V2-90-Grad-Motor wurde zum neuen Glanzstück und prägt bis heute die Marke.
In der Sammlung repräsentieren diesen Wendepunkt von Moto Guzzi die V7 700 (1967), V7 Sport (1971-1974) und V 750 S3 - mit dem 1975 neu eingeführten Integral-Bremssystem.
Der Rennsport
Einen besonderen Stellenwert innerhalb der Frigerio-Sammlung nehmen die historischen Rennmaschinen ein, die den sportlichen Ruhm und das Markenimage von Moto Guzzi über Jahrzehnte hinweg prägten.
Moto Guzzi gewann insgesamt 14 Weltmeisterschaften – acht Fahrer- und sechs Konstrukteurstitel, dazu elf Siege bei der Tourist Trophy, 43 Grand-Prix-Erfolge sowie 3.329 offizielle Rennsiege. Auch im Seitenwagensport schrieb das Unternehmen Geschichte: Luigi und Paolo Cavanna sicherten sich 1947 den Europameistertitel (erst 1949 wurde die Seitenwagen-Weltmeisterschaft eingeführt).
Heute begeistern Antonio-Maria und Sohn Andrea mit der V8 500 und weiteren Rennmaschinen aus ihrer Sammlung die Besucher bei internationalen Klassik-Veranstaltungen, wie z. B. bei den Rupert Hollaus Rennen am Red Bull Ring.
Restaurierung als Lebensaufgabe
Eine Sammlung dieser Größenordnung erfordert unermüdliche Arbeit.
Bei der Restaurierung, Wartung und Pflege wird die Familie von Pino Todero unterstützt. Auch Angelo Balzarotti – Sohn des ehemaligen Moto-Guzzi-Werksrennfahrers und späteren Testleiters Ferdinando Balzarotti – bringt sein enormes Fachwissen in die Restaurierungsarbeiten ein.
Eine Le Mans II wartet bereits auf ihre Restaurierung,…. Die Arbeit geht nicht aus!
DANK
Dem äußerst sympathischen, freundlichen und sehr ruhig wirkenden Frigerio Antonio-Maria, seiner Familie und seinem Freund Guiseppe „Pino“ Todero gebührt im Namen aller „Guzzisti“ und Freunde historischer Motorräder großer Respekt für ihr unermüdliches Engagement rund um die Geschichte und das Erbe der „Adler von Mandello del Lario“.
Danke für den exklusiven Einblick in diese großartige Sammlung! Wir freuen uns auf das Wiedersehen beim Rupert Hollaus-Rennen am Red Bull Ring, wenn die legendären Moto Guzzi-Rennmaschinen wieder ihre Faszination auf der Rennstrecke entfalten!
RUPERT HOLLAUS und MOTO GUZZI
Der Karrierestart erfolgte auf einer Albatros 250
Rupert Hollaus begann seine Laufbahn auf einer Moto Guzzi 250er Albatros, die er gemeinsam mit seinem Vater in der eigenen Mechaniker-Werkstatt in Traisen/NÖ renntauglich machte.
1950: Als der Rennfahrer Alex Mayer aus Traisen sein altes Motorrad ausmusterte, erwarb es der damalige Mechanikerlehrling Rupert Hollaus. Da sein Vater und Lehrherr die Maschine bereits bestens aus der Werkstatt kannte, machten Vater und Sohn die Albatros gemeinsam fit für Rennen. Zudem führte Freund Alex den 19-jährigen Rupert in die Rennszene ein und förderte seine beginnende Karriere. Ganz Traisen fieberte bei den Rennen mit und feuerte seine Helden begeistert an.
Bereits bei seinem allerersten Rennen im Jahr 1950 in Korneuburg fuhr Hollaus mit der „Hollaus-Moto-Guzzi“ auf den zweiten Platz. Sein drittes Rennen in Gmünd gewann er bereits in der Juniorenklasse, gegen Saisonende siegte Hollaus regelmäßig.
1951: Staatsmeisterschaft und erste Auslandsrennen auf Moto Guzzi Albatros 250
1952: Staatsmeisterschaft und Debüt in der Motorrad-Weltmeisterschaft (Solitude 9., Monza 17.) auf der soliden, alten Albatros 250.
Die Sensation von 1953
Als der Staatsmeister Alex Mayr im Jahr 1953 mit einer neuen „Moto Guzzi Gambalunghino“ -Werksrennmaschine an den Start ging, kam es zur Sensation: Rupert Hollaus war mit der uralten Moto Guzzi um einiges schneller als Mayer. Was niemand wusste, der Vater hatte die Technik der neuen Guzzi auf die alte Albatros übertragen und Teile einfach kopiert hat. Hollaus wurde in diesem Jahr 250er-Staatsmeister vor Alex Mayer, beide als Privatfahrer auf Moto Guzzi.
Der Sprung an die Weltspitze
Diese frühen Erfolge machte die internationale Rennszene auf das Ausnahmetalent Rupert Hollaus aufmerksam. Sie führten schließlich zu Werksverträgen bei Mondial und letztlich bei NSU, wo er 1954 seinen historischen Weltmeistertitel in der 125-cm³-Klasse feierte.
(Quelle: “Österreichische Legenden in Schräglage“ - thucom Verlag)
Juni 2026
Text und Fotos: Alfred Pech, Rennfotos: Erich Müllegger, Fotos Rupert Hollaus: Gemeinde Traisen
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