18.12.2017, 12:41 Uhr

Lawinenkunde in der Kirche

Die Veranstalter unter den Augen der Gottesmutter. Der dreitägige "Freeride Guide" der Bergrettung, des Alpenvereins, des Bergführerverbandes Salzburg und der Organisatoren der Erztrophy beinhaltete spannende Vorträge und praktische Ausbildung im freien Gelände.

Die Bergrettung Salzburg setzt bei Lawinen-Prävention auf Schutzengel. Doch auch der Mensch ist gefordert.

SALZBURG/BISCHOFSHOFEN (tres). Bischofshofen stand am vergangenen Wochenende drei Tage im Zentrum der Lawinen-Prävention. Und was da in Bischofshofen in der Kirche stattfand, ist weltweit einzigartig: "Ein Lawinenseminar in einer Kirche hat es meines Wissens noch nie gegeben", erklärt Bergführer Hannes Laner, Ortsstellenleiter der Bergrettung Bischofshofen bei der Eröffnung des "Freeride Guide 2017" vor dem Altar. Die Zuhörer nahmen auf den Kirchenbänken Platz. 

Wie kam es dazu? Die Veranstalter suchten einen Ort in Bischofshofen, der für einen Vortragsabend genügend Platz bietet und da kam Pater Jarek Blazynski mit folgenden Worten auf Laner zu: "Die Kirche gehört euch!" Und so wurden hier einen Abend lang statt Hostien "Freeride Guide"-Folder verteilt.
Dieser Guide wurde erstmals 2005 von der Bergrettung Salzburg in Zusammenarbeit mit dem Bergführerverband herausgebracht, man findet ihn u. a. auf www.bergrettung-salzburg.at zur Ansicht.

Er zeigt die wichtigsten Verhaltensregeln vor und während einer Skitour, z. B. wie man die Steilheit eines Hanges messen kann oder das richtige Verhalten bei einem Lawinenabgang. "Wir wollen hier natürlich keinem zu Beginn der Wintersaison das Skitourengehen verleiden, aber Fakt ist, es gab 2016/17 in Salzburg 1.583 Alpinunfälle mit 36 Toten und 2.573 Verletzten", sagt Josef Schiefer, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. Zum Vergleich: 31 Tote gab es 2016/17 im Straßenverkehr in Salzburg.

Vier Tote bei Lawinenabgängen

Im vergangenen Winter kamen vier Personen bei sieben Lawinenabgängen mit Personenbeteiligung in den Salzburger Bergen ums Leben. Liegt ein Bergkamerad unter einer Lawine, so zählen besonders die ersten 15 Minuten, denn bis dahin gibt es noch eine Überlebenschance von 93 Prozent. Danach sinkt sie rapide. Allerdings treffen Rettungskräfte normalerweise erst frühestens 35 Minuten nach erfolgter Alarmierung am Unfallort ein.

Was tun ohne Handyempfang?

Zudem passiert es öfter, dass es in den Bergen keinen Handyempfang gibt, um einen Notruf abzusetzen oder es besteht für einen Hubschrauber keine Landemöglichkeit. Daher sollte jeder, der im freien Gelände unterwegs ist, nicht nur ein LVS-Set (Piepser, Schaufel, Sonde) besitzen, sondern damit auch umgehen können.

Über die Einsamkeit von Ersthelfern in den Bergen, berichtete der Salzburger Autor, Journalist und Filmemacher Gerald Lehner, der eine solche Situation am eigenen Leib erlebt hat, nachdem eine Freundin von ihm bei einer Klettertour verunfallt war. Er war damals im unwegsamen Gelände der einzige vor Ort und musste Ersthilfe leisten sowie die Rettungskräfte verständigen.

Auch Alpinpolizist Thomas Wallners Vortrag über die Aufgaben der Alpinpolizei samt konkretem Beispiel eines Lawinenabgangs und den dortigen Ermittlungen fesselte die Zuhörer. Pfarrer Blazynski wurde für die erfolgreiche "Herbergsuche" herzlich bedankt und dieser meinte zum Schluss zu allen Anwesenden: "Wenn es sonst noch irgend etwas geben sollte, womit ich euch in die Kirche bringen könnte, so sagt es gerne!"

Tags darauf gab es eine geführte Skitour mit der Bergrettung in Mühlbach am Hochkönig. Wer diese verpasst hat: Die Möglichkeit einer kostenlosen Lawinenkunde mit der Bergrettung in Theorie und Praxis gibt es für Bezirksblätter-Leser am 4. März 2018, ab 8.30 Uhr in Uttendorf: Infos & Anmeldung hier: Gratis Skitour mit Lawinenkunde
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.