12.12.2013, 10:55 Uhr

Individuelle Gitarren aus Meisterhand

Zwei Meister in ihrem Fach: Alexander Höfinger und Mario Struger beim Bearbeiten eines Gitarrendeckels.

In Salzburg erfüllen zwei Gitarrenbauer auch ausgefallene Kundenwünsche

SALZBURG (sts). Ein unscheinbares ehemaliges Lagergebäude hinter dem SCA: Über eine Laderampe geht es in die Werkstatt. Dort, in einem Raum, der zugleich auch Büro, Verkaufsraum und Kaffeeküche ist, riecht es nach Holz. An den Wänden hängen Gitarren – E-Gitarren, Akustikgitarren und allerlei Bauteile für Gitarren.

"Es ist das Ausarbeiten einer Idee – meiner eigenen oder der eines Kunden, das Experimentieren mit Material wie Altholz oder mit gefächerten Bünden, das mich fasziniert", sagt Mario Struger. "Wenn ich eine Gitarre baue, dann merke ich, wie sich das Holz verändert, wie es aufmacht, zu schwingen beginnt und sich in einen Klangkörper verwandelt."

Zusammen mit Alexander Höfinger betreibt Struger die Gitarrenwerkstatt. Beide sind Meister ihres Fachs, genau genommen Meister im Herstellen von Zupf- und Saiteninstrumenten, und spezialisiert auf Gitarren. Dass die beiden selbst auch Gitarristen sind, versteht sich von selbst. Aber: "Jede Gitarre klingt anders, je nachdem, wer auf ihr spielt. Und ich hatte einmal einen Kunden, der wollte eine Gitarre mit einem sehr starken Bass. Ich hatte ehrlich gesagt Bedenken und habe mehrmals nachgefragt. Letztlich habe ich sie ausprobiert und keinen gescheiten Ton aus ihr herausgebracht. Dann kam mein Kunde, ein Konzertgitarrist, und der hat wunderbar auf ihr gespielt", erklärt Struger. Inmitten der Werkstatt mit den vielen unterschiedlichsten Gitarren, die an der Wand ausgestellt sind – glänzend rote E-Gitarren, Exemplare, die aus verwurmtem Altholz hergestellt wurden, Okulelen in verschiedenen Farben und den unterschiedlichsten Akustikgitarren – wirkt diese Anekdote fast so wie bei Harry Potter: Dort sucht sich der Zauberstab den Zauberer aus und nicht umgekehrt.

Die Liebe zum Detail ist es auch, die Höfinger antreibt. "Ich möchte meinen Kunden eine Freude machen, und ihre Vorstellungen von einer Gitarre erfüllen. Und besonders wenn man sieht, was alles möglich ist, wenn man mit den Holzarten spielt und die Gitarre mit Details verziert, freut mich das." So gesehen ist jede Gitarre ein Unikat. Und sogar wenn die beiden eine Gitarre aus ihrem Fundus exakt gleich nachbauen, wird sie immer ein bisschen anders klingen. "Unser Kunden haben genaue Vorstellungen was den Klang, die Hölzer, die Form angeht. Und wir tasten uns dort heran, fast wie bei einem Dirndl, das einem auf den Leib geschneidert wird", sagt Höfinger.

Für die oft in 140 Arbeitsstunden per Hand gefertigten Instrumente bedeutet das sehr viel Individualisierung. "Neben Form, farbe und Material der gesamten Gitarre soll natürlich auch das Halsprofil optisch gefallen, aber auch gut in der Hand liegen, damit die Bespielbarkeit gegeben ist. Deshalb testen unsere Kunden ihre Gitarren bevor wir sie lackieren – da wird dann immer noch am Feinschliff gearbeitet", berichtet Struger.

Während Höfinger auch Okulelen herstellt, greift Struger schon einmal zur Kettensäge, wenn er eine Altholz-E-Gitarre herstellt. "Ja, das klingt eigenartig, tut dem Holz aber gut und es kommt etwas Rustikales dabei heraus." Man könne aus dem besten Holz schlechte Gitarren bauen und aus schlechtem Holz immer noch "vernünftige" Gitarren, und das will er damit beweisen. "Ich schaue mir genau an, wie so ein Brett aus Altholz daliegt und überlege, was ich noch aus ihm rausholen kann."

Rausholen kann man übrigens auch aus industriell gefertigten Gitarren noch etwas.
"Sogar für Anfänger zahlt es sich das aus, denn durch ein gewisses Feintuning etwa an den Halsprofilen aber auch an anderen Details können wir die Gitarre noch besser auf ihren Besitzer zuschneiden, sagt Höfinger. Die beiden reparieren aber auch defekte Instrumente, an denen zum Beispiel der Hals abgebrochen ist. Der Preis für eine handgefertigte E-Gitarre startet bei etwa 2.000 Euro, für eine Akustikgitarre bei etwa 2.500 Euro.

Zu ihren Kunden zählen vor allem die "Experimentierfreudigen", wie es Struger nennt, oder die mit einer vorhandenen Gitarre nicht zufrieden sind. "Natürlich ist es immer ein Vertrauensvorschuss, den uns unsere Kunden geben. Denn eine hundertprozentige Garantie, dass die Gitarre genau so wird, wie er oder sie es sich vorgestellt hat, gibt es nicht."
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