"Keine Angst vor der Gemeinwohl-Ökonomie!"

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Herr Obermoser, Sie waren mit dem Grünen Landtagsklub auf Gemeinwohl-Erkundungsreise in Südtirol. Wie war das aus Sicht eines Unternehmers, Wirtschaftsbundmitgliedes und ÖVP-Landtagsabgeordnetern?
MICHAEL OBERMOSER:
Aus Sicht eines Wirtschaftsbündlers wird Gemeinwohl-Ökonomie mit Kommunismus und Enteignung assoziiert, nach dem Motto "Bevor ich etwas vererben kann, muss ich erst mein Verdientes an die Mitarbeiter aufteilen." Da läuten alle Alarmglocken. Mit dieser Einstellung bin ich also nach Südtirol gefahren.

Wie war Ihr Eindruck dort?
MICHAEL OBERMOSER:
Es war eine schöne Bildungsreise, bei der es um eine neue Art von Wirtschaftseinstellung ging. Da stellst du fest, dass Gastwirte und Landwirte, also kreuzbrave Unternehmerpersönlichkeiten, eine Zukunft in der Gemeinwohl-Ökonomie suchen. Und damit man diese Wirtschaftsphilosophie vertreten kann, muss man auch etwas verdienen damit. Das Wort "Enteignung" ist dort nirgends gefallen. Ich konnte da nichts Negatives feststellen. Es geht darum, dass sich Mitarbeiter in einem Betrieb wohlfühlen, dass man Rücksicht auf die Natur und die Umwelt nimmt. Das tun ja bei uns viele Unternehmer auch schon, nur heißt es halt anders, Corporate Social Responsibility zum Beispiel.

Und ist Gemeinwohl-Ökonomie als Wirtschaftsform für Sie eher eine grüne Träumerei oder doch realistisch?
MICHAEL OBERMOSER:
Nein, es ist keine grüne Träumerei. Teile der Gemeinwohl-Philosophie werden wie gesagt schon von vielen Unternehmern praktiziert. Aus grüner Sicht wäre es natürlich wünschenswert, wenn das alle so machen würden. Nur das wird es nicht spielen. Es gibt große Industriebetriebe, die am internationalen Markt agieren. Die könnten aber zumindest Ansätze von Gemeinwohl-Ökonomie praktizieren, indem sie etwa Mitarbeiter am Unternehmen beteiligen. Und für den klein strukturierten Mittelstand ist Gemeinwohl-Ökonomie sehr wohl eine Option. Das ökosoziale Forum oder der Slogan von "Mittelstand trägt das Land" sprechen vom selben – und irgendwo gibt es da einen gemeinsamen Nenner. Also: Keine Angst vor Gemeinwohl-Ökonomie!

Was haben Sie von der Reise mitgenommen?
MICHAEL OBERMOSER:
Für mich ist das Wichtigste die Regionalität, die Stärkung kleiner Wirtschaftskreisläufe. Mir als Hotelier gefällt es nicht, dass drei Lebensmittelkonzerne bei uns den Milchpreis vorgeben, mir gefällt es nicht, dass ich 50 Prozent der Nahrungsmittel für meinen Hotelbetrieb von zwei internationalen Konzernen beziehe. Wir müssen auch darüber nachdenken, warum das meiste Lammfleisch in Österreich aus Neuseeland kommt, gleichzeitig aber 20.000 Schafe im Nationalpark Hohe Tauern grasen. Die Granitsteine unserer Gehsteigkanten kommen aus China, gleichzeitig sitzen wir hier in den Alpen auf einem riesigen Granitblock.

Sie haben in Südtirol Hotels besichtigt, wie gehen die mit dem Thema Einkauf um?
MICHAEL OBERMOSER:
Ein Vier-Stern-Hotel hatte einen eigenen Bauernhof daneben. Da liegt es natürlich nahe, dass das Hotel die eigenen Produkte verarbeitet. Und wenn Sie sich den Südtiroler Boden vorstellen, dann wissen Sie, dass dort alles mögliche wächst. Bei uns im Pinzgau wachsen zwar in Bramberg süße Äpfel, aber sonst habe ich diesen Vorteil nicht. Ein anderes Hotel, ein Luxushotel, in dem eine Übernachtung zu Weihnachten pro Person übrigens 880 Euro kos- tet, bezieht seine Zutaten aus 300 Kilometern Umkreis.

Das heißt, dass es manche Produkte, die der internationale Luxusgast vielleicht erwartet, nicht gibt?
MICHAEL OBERMOSER: Wer in diesem Hotel zu Gast ist, gehört sicher zur europäischen Elite und ist bereit, etwas von seinem Wohlstand abzugeben. Aber ja, dort gibt es zum Beispiel keinen Thunfisch, weil die Meere leergefischt sind, dort gibt es demnächst kein Coca Cola mehr, weil das nicht Fair-Trade-produziert wird, aber: Wenn zum Beispiel ein russischer Gast Hummer und Kaviar möchte, dann bekommt er das dort. In der Gemeinwohl-Bilanz sieht das dann so aus, dass das Hotel im Gegenzug dafür einen Betrag für zum Beispiel ein Trinkwasser-Projekt in Afrika spendiert.

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