Mobiles Hospiz Schärding
"Das Zimmer ist meist schon eine Biographie"

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BEZIRK SCHÄRDING (juk). Wenn Elisabeth Waschak und Maria Humer von ihren Besuchen erzählen, strahlen sie eine große Zufriedenheit und Ruhe aus. Keine Selbstverständlichkeit, denn: Sie sind zwei der acht ehrenamtlichen Mitarbeiter, die über das Rote Kreuz Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung anbieten. Während sich ein Palliativdienst um die medizinischen Bedürfnisse von schwerkranken Menschen kümmert, hilft das Mobile Hospiz der Seele und entlastet die Angehörigen. Zeit nehmen und da sein, den Schmerz der Menschen, die sich in der letzten Lebensphase befinden, aushalten können – das ist das Wichtigste. "Für viele ist es ein tolles Gefühl: Da kommt jemand, der nimmt sich Zeit nur für mich. Da erlebt man ganz viel Dankbarkeit", erzählt Humer, die seit 12 Jahren für das Mobile Hospiz tätig ist.

Wie kommt man zu Mitarbeit im Mobilen Hospiz?

Doch wie kommt man dazu, sich fürs Mobile Hospiz zu engagieren? Humer hat schon ihre eigene Mutter bis zum Tod gepflegt – und dann gab es da noch ein Schlüsselerlebnis: "Als ich meine Nichte, die aus einer Bestatterfamilie kommt, zum Abholen eines Verstorbenen begleitet habe, weil sonst gerade niemand erreichbar war. Da hab ich gemerkt: Das kann ich." Kurz darauf sei sie auf den Grundlehrgang aufmerksam geworden, bei dem man sich zum Sterbebegleiter ausbilden lassen kann. "Da war mir klar: Ich muss das tun." Nach Rücksprache mit der Familie hat die Münzkirchnerin die Ausbildung gemacht – und es nie bereut. Was muss man als Sterbebegleiter mitbringen? "Eine gewisse Lebenserfahrung hilft mit Sicherheit. Man muss sehr feinfühlig sein. Jede Begleitung ist anders. Ehrlichkeit im Gespräch und den Klienten ermutigen zu sagen, wenn er etwas nicht möchte." Manchmal ist auch das Erfüllen von Herzenswünschen noch möglich: "Noch einmal den eigenen Garten und die Blumen sehen, ist ein häufiges Bedürfnis. Oder kurz mit dem Rollstuhl zur Nachbarin fahren", so Humer.

Dauer der Begleitung kann man nicht planen

Wie lange Betreuungen dauern ist unterschiedlich: "Es gibt Klienten, die besucht man nur wenige Male, andere über einen längeren Zeitraum. Das kann man nicht planen", so Elisabeth Waschak, Koordinatorin der Besuchsdienste. Die meisten der Patienten leiden an Demenz, Krebs oder haben einen Schlaganfall erlitten. "Die Biografie ist bei einer Begleitung sehr wichtig", betont Waschak. Bei der Begleitung erhält man einen intimen Einblick in das Leben des Menschen: "Da kommen oft sehr persönliche Dinge. Das Zimmer ist oft schon eine eigene Biografie. Wie der Mensch gelebt hat, so ist er auch in der letzten Phase", weiß Humer von den vielen Begleitungen, die sie übernommen hat. Stirbt einer ihrer Klienten, besucht sie den Sterberosenkranz oder das Begräbnis: "Das hilft mir, damit abzuschließen." Wenn gewünscht, übernimmt sie bei den Angehörigen auch die Trauerbegleitung. Ihr Glaube hilft ihr, ist die Christin überzeugt: "Auf der Fahrt zu den Besuchen, bitte ich Gott, dass er mir hilft."

Lehrgangstart im April

Das Mobile Hospiz des Roten Kreuzes Schärding sucht freiwillige Hospizmitarbeiter, die Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten und unterstützen. Ziel der Hospizarbeit ist es, schwerkranke, sterbende Menschen und deren Angehörige bis zu ihrem Abschied zu begleiten. Dabei wird Menschen in der letzten Lebensphase Zeit und Aufmerksamkeit zuteil und ihre Angehörigen werden entlastet. Mit der Hospizbegleitung soll Menschen trotz unheilbarer Krankheit Sicherheit, Geborgenheit und Mut zugesprochen werden. Ein Grundlagenlehrgang für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung startet im April 2019. Wer Interesse daran hat, die Ausbildung zu absolvieren, soll sich zu einem persönlichen Vorgespräch beim Roten Kreuz in Schärding melden. Nähere Informationen unter Tel.: 07712/ 2131 25.

Maria Humer und Elisabeth Waschak vom Mobilen Hospiz Schärding.
Autor:

Judith Kunde aus Schärding

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