„Angst dass es komplette Ruine wird“

Besitzer der Eigentums-wohnungen in der Wattener Wohnanlage am Rettlsteinerweg sind verzweifelt. Seit rund acht Jahren leben sie in einer Dauerbaustelle. Grund: Wasserschäden. Die Versicherung zahlt, aber die ständige Sorge zährt an den Nerven.

WATTENS. Paranoia wenn es tropft. Damit kennen sich die 48 Familien am Rettlsteinerweg in Wattens aus. Sie leben im „Aquarium Tirols“ wie es in Insiderkreisen heißt. „Im Dezember 2002 sind wir eingezogen. Etwa ein halbes Jahr später ging es mit den Wasserschäden im Haus los. Mittlerweile dürften wir die Hunderter-Marke erreicht haben“, schildert Manuel Mössmer, Besitzer einer Eigentumswohnung am Rettlsteinerweg.

Woher das Wasser kommt
Grund für die immer wieder kehrenden Wassereinbrüche sind undichte T-Verbindungsstücke der Wasserleitungen. Diese wurden von einer schwedischen Firma fehlerhaft gebaut.

Errichter der Wohnanlage ist die Neue Heimat Tirol (NHT). „Das ist grundsätzlich eine schwierige Angelegenheit. Wir haben in vielen Wohnungen Schäden behoben. Es wurde professionell gearbeitet und die Firmen waren äußerst großzügig“, erklärt Klaus Lugger, Geschäftsführer der NHT. Das bestätigen auch die Bewohner der Wohnanlage. „Das Bezahlen ist kein Problem. Aber wir sind fertig mit den Nerven. Ich habe Angst, dass es eine komplette Ruine wird“, erläutert Mössmer. In seiner Wohnung und seinem Keller hatte er jeweils zweimal einen solchen Schaden. Es trifft ihn jedoch auch, wenn die Wohnung über der seinen unter Wasser steht - nach dem Motto „nichts Gutes kommt von oben“. „Das ständige Sumsen der Entfeuchtungsgeräte im ganzen Haus lässt einen verzweifeln, dass es nie ein Ende gibt“, merkt er weiter an. Laut Lugger wurden bereits zwei Drittel der T-Stücke ausgetauscht: „Wir sind weit in der Gesamtsanierung vorangekommen. Vorher ist das aber versicherungstechnisch nicht möglich.“ Für Vorbeugung eines neuen Schadens zahlt keine Versicherung - sondern nach Rohrmetern im Fall eines Schadens.

Angst vor Folgeschäden
Aber auch mit der Angst vor Schimmelbefall, Wertminderung und Gefährdung der Bausubstanz müssen die Bewohner leben. „Das mindert unsere Lebensqualität. Auf Urlaub fahren ohne Sorgen, dass die Wohnung unter Wasser steht gibt es nicht“, erklärt Istvan Rabold, ein anderer Besitzer einer Eigentumswohnung Er ist für zwei Wochen ausgezogen, da in seinem Zuhause die Entfeuchter in Bad, Schlafzimmer und Wohnzimmer mit dem Trocknen beschäftigt sind.

Perspektiven
Bisher gab es noch kein unabhängiges Gutachten, das müssten die Bewohner selbst bezahlen. „Für uns gibt es nur zwei Möglichkeiten: Geld zurück und ausziehen oder dass die Teile überall ausgetauscht werden“, stellt Mössmer klar. Eine Wertminderung aufgrund der Wasserschäden sieht Lugger von der NHT nicht. „Mit der Werthaltigkeit hat das nichts zu tun, denn die Verantwortlichen stehen dazu“, so Lugger.

„Die Leute müssen sich wehren. Es besteht die Möglichkeit auf Schadensersatz wegen versteckter Baumängel zu klagen. Es muss ein Verschulden nachgewiesen werden. Ein Gutachter kann feststellen, ob die Bausubstanz in Gefahr steht“, klärt Andreas Herzog, Leiter der AK Schwaz, auf.

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