02.11.2016, 10:13 Uhr

Zusätzliches Ärzteangebot im Zillertal sorgt für Wirbel

KALTENBACH/SCHWAZ (fh). Es ist kein Staatsgeheimnis, dass Privatpatienten Ärzten mehr Geld einbringen und man sich von Seiten der Mediziner oftmals sehr um das lukrative Geschäft mit privat Versicherten bemüht. Egal ob im öffentlichen Krankenhaus oder in Privatkliniken (z.B. der Sportclinic Zillertal) – Privatpatienten bringen Schotter in die Kasse und das wissen auch Ärzte. Am 25. Juli fand im Hotel Crystal in Fügen eine Veranstaltung statt zu der alle niedergelassenen Ärzte im Zillertal eingeladen waren. Es ging dabei um ein zusätzliches Angebot an Ärzten in Kaltenbach. Der dort ansässige Mediziner Dr. Wimmer (Kassenarzt) zieht in jenes Gebäude ein das hinter dem Hotel Post von Monika Brunner (Spielzeugparadies) errichtet wurde. Mit dabei in der Praxis von Dr. Wimmer (ca. 400 qm Fläche) wären auch die beide neuen Primari des BKH Schwaz Dr. Kirchmair (Schmerztherapie) und Dr. Reichkendler (Orthopädie). Auf Anfrage der BEZIRKSBLÄTTER-Redaktion erklärt Dr. Wimmer: "Die Veranstaltung am 25. Juli war informativ für die Zillertaler Ärzte und hier ist noch nichts spruchreif bzw. genehmigt", so der Mediziner. Kaltenbachs Bürgermeister Klaus Gasteiger erklärt: "Mein letzter Stand ist, dass es hier ein zusätzliches Angebot an Fachärzten für das Zillertal gäbe was ich prinzipiell nicht negativ sehe. Von einem Ärztezentrum zu sprechen halte ich in diesem Zusammenhang jedoch übertrieben", so Gasteiger.

Einvernehmen mit BKH

Der Obmann des Krankenhaus-Verbandes Bgm. Franz Hauser war bei der Infoveranstaltung am 25. Juli dabei und kennt die Situation. "Es gab von Seiten des BKH die Information über die neuen Primari in Schwaz und es kam auch zur Sprache dass diese evtl. bei Dr. Wimmer in der Ordination in Kaltenbach ein Zusatzangebot schaffen werden. Wir wollen hier keine Konkurrenzsituation zu den 34 niedergelassenen Ärzten im Tal schaffen sondern ein zusätzliches Angebot für die Patienten. Wir sind ca. 40.000 Leute im Zillertal und ich sehe das als Möglichkeit, dass die Patienten nicht alle nach Schwaz fahren müssen um die nötigen Untersuchungen zu machen", erklärt der Verbandsobmann.

Sprengelarzt redet Klartext

Auf Anfrage der BEZIRKSBLÄTTER-Redaktion bei Sprengelarzt Dr. Oliver Glaser erklärt dieser: "Die Infoveranstaltung im Juli ist meiner Ansicht nach etwas unglücklich gelaufen. Der Grundtenor der niedergelassenen Ärzte gegenüber der geplanten zusätzlichen Tätigkeit der Primari im Zillertal war skeptisch. Ein zusätzliches Ärzteangebot wäre prinzipiell nicht abzulehnen nur hätten wir eigentlich genügend andere Baustellen", so Glaser. Er spricht damit den Ärztemangel im Zillertal an denn es gibt z.B. keinen Kinderarzt mehr im Tal, von 23 Kassenstellen für Zahnärzte sind 7 unbesetzt, die einzige Hautärztin geht demnächst in Pension und auch in Sachen psychiatrischer Betreuung ist man unterversorgt.
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