Sehbehinderten-Reportage
Wiener Bio Feigenhof mit allen Sinnen erleben

Der sehbehinderte Journalist Dominic Schmid zeigt Wien aus einer anderen Perspektive.  | Foto: Max Spitzauer/MeinBezirk
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  • Der sehbehinderte Journalist Dominic Schmid zeigt Wien aus einer anderen Perspektive.
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Dieses Mal verschlägt es Dominic Schmid an einen Ort, den er in Wien nicht erwartet hätte: einen Feigenhof. Der sehbehinderte Journalist nimmt uns mit auf eine Entdeckungstour.

WIEN/SIMMERING. Im Sommer ist die Zeit der Feigenernte. Also habe ich den Bio Feigenhof Am Himmelreich in Simmering besucht. Neben Elisabeth haben mich dieses Mal auch mein Bruder und meine Mama begleitet.

Schon auf dem Weg zum Hof kommt mir die Gegend nicht wie Wien vor, denn wir gehen auf einem Schotterweg, der an Feldern vorbeiführt. Plötzlich steigt mir ein Geruch in die Nase, den ich aus der Küche kenne. Aber was ist es? 

Als wir den Feigenhof erreichen, stehen wir sogleich unter einem Feigenbaum. Da die Bäume sehr dicht neben einem kleinen Weg stehen, auf dem wir uns gerade befinden, fühlt es sich ein bisschen so an, als wäre ich im Wald. Elisabeth fordert mich auf, eine der Früchte anzugreifen.

Mitten in der Simmeringer Haide haben Ursula Kujal-Thiesz und Harald Thiesz vor rund 20 Jahren den Bio-Feigenhof gegründet. | Foto: J. Brunnbauer
  • Mitten in der Simmeringer Haide haben Ursula Kujal-Thiesz und Harald Thiesz vor rund 20 Jahren den Bio-Feigenhof gegründet.
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Insgesamt werden am Hof an die 350 Feigensorten angebaut, wie ich von Harald Thiesz erfahre. Seit 20 Jahren bewirtschaftet er den Hof gemeinsam mit seiner Frau Ursula Kujal-Thiesz. Aber zurück zur Feige, die ich gerade betaste. Sie ist größer, als ich erwartet habe, und wiegt schwer in meiner Hand. Außerdem ist sie noch etwas fest. Das heißt, dass man sie noch nicht ernten kann.

Ein neues Erlebnis

Vielleicht wird so mancher jetzt den Kopf schütteln. Aber ich muss zugeben, dass ich noch nie von einem Maulbeerbaum gehört habe. Doch hier vor mir steht einer und ich betaste ihn. Ich bücke mich, um die Äste berühren zu können. Daher glaube ich, dass es sich um einen niedrigen Strauch handelt. Doch das stellt sich als vollkommen falsch heraus.

Mit über 350 Feigenbaumarten und über 100 Feigensorten, die im Frühsommer geerntet werden, steht der Vielfalt nichts im Weg. | Foto: Bio-Feigenhof
  • Mit über 350 Feigenbaumarten und über 100 Feigensorten, die im Frühsommer geerntet werden, steht der Vielfalt nichts im Weg.
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Als ich aufblicke, erkenne ich, dass ich unter einem großen Baum stehe. Die Äste sind nicht sehr breit und eher nahe aneinander angeordnet. Das Holz des Baumes weist nichts auf, was mich an andere Bäume erinnert.

Ebenso werden am Hof diverse Kräuter, Himbeeren und verschiedene Tomaten- und Erdbeersorten angebaut. Mein Bruder macht mir verständlich, dass ich an einem Blatt riechen soll. Ich bücke mich zu dem Strauch und schnuppere daran. Den Geruch erkenne ich sofort. Es ist Basilikum.

Birne oder Apfel?

Wir gehen weiter, um zum Herzstück des Hofes, den Glashäusern, zu kommen. Ich merke, dass die Wege hier sehr schmal und teilweise uneben sind. Mit meinem Blindenstock komme ich jedoch ganz gut voran. Wie gut sich aber Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder mit Kinderwägen unterwegs sind, fortbewegen können, kann ich nur schwer einschätzen.

In der Simmeringer Haide kann man am Bio Feigenhof die Seele baumeln lassen.  | Foto: Bio Feigenhof
  • In der Simmeringer Haide kann man am Bio Feigenhof die Seele baumeln lassen.
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Doch schon zieht etwas Elisabeths Aufmerksamkeit auf sich. Ich beuge mich zu der Pflanze hinunter, vor der sie stehen geblieben ist. Vorsichtig betaste ich diese Frucht. Sie fühlt sich wie eine kleine Birne an. Aber Moment mal! Da ist noch etwas. Unten an der vermeintlichen Birne befindet sich eine Art Krone. Elisabeth klärt mich darüber auf, dass es sich um einen Granatapfel handelt.

Gleich daneben steht eine Zitruspflanze mit einer geschlossenen Blüte, an der ich rieche. Dabei stelle ich fest, dass ihr Geruch jetzt noch nicht so viel mit herrlichem Zitronenaroma zu tun hat. Eher riecht es bitter und für mich unangenehm.

Feigenverkostung im Glashaus

Endlich betreten wir das Glashaus. Draußen war es angenehm kühl. Hier drinnen ist es merklich wärmer. Genau das Richtige eben für Feigen oder Paradeiser. Wir kommen auch an Ochsenherztomaten vorbei. Durch einen kleinen Gang gehen wir an der Glaswand entlang. Links von uns befinden sich die Feigenbäume, die man auf schmalen Pfaden erreicht. Noch ist wenig los und somit ist es sehr ruhig. Abermals betaste ich ein paar Feigen. Dabei treffen wir einen Mitarbeiter, der die Früchte erntet.

Lila und gelbe Feigen unterscheiden sich nicht nur in der Optik, sondern auch im Geschmack. | Foto: Elisabeth Posch
  • Lila und gelbe Feigen unterscheiden sich nicht nur in der Optik, sondern auch im Geschmack.
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„Probiert, probiert“, sagt der überaus freundliche Mann und reicht uns ein paar Feigen zum Kosten. Die frische Frucht schmeckt süß und saftig. Ich muss zugeben, dass Feigen ja eh sehr gut sind. Ich kann mir beim besten Willen nicht mehr erklären, warum ich geglaubt habe, dass mir dieses Obst nicht schmeckt.

Da es im Glashaus mit der Zeit doch recht warm wird, beschließen wir, wieder nach draußen zu gehen. Dabei stoßen wir an ein Ding an der Glashauswand. Es ist eine alte Kurbel, mit der man wohl das Dach öffnen kann. Als ich die Kurbel angreife, fühlt sie sich schon recht warm an.

Mit nichts vergleichbar

Der Bio Feigenhof verfügt auch über ein Geschäft, in dem die Feigen, Feigenprodukte und diverses Gemüse verkauft werden. Nachdem ich mit Harald Thiesz geplaudert habe, setzen wir uns an einen der Tische.

Wir essen Feigen und trinken Feigenblattsaft. Die Feigen sind süß und flaumig, wobei ich sagen muss, dass mir die lilafarbigen besser schmecken als die gelben. Auch der Feigenblattsaft schmeckt mir gut, jedoch kann ich den Geschmack nicht einordnen. Er lässt sich irgendwie mit nichts vergleichen.

Elisabeth schiebt mir eine Maulbeerrebe zu. Vorsichtig zuzle ich die Beeren herunter. Sie sind etwas säuerlich. Um zu wissen, ob ich sie wirklich mag oder nicht, muss ich wohl noch ein paar von ihnen essen. Mama meint aber, dass ich immer gut aufpassen soll, da die Beeren eine Riesensauerei machen. Kurz danach verabschieden wir uns.  Wieder einmal war ich an einem Ort, den ich als ehemaliges Landkind in Wien nicht erwartet habe. 

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