Mini Med Spittal
Schilddrüsenprobleme nehmen zu

Dres. Ewald Kresnik und Edeltraud Lenhard
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"Die Schilddrüsenfunktionsstörungen, einhergehend mit der Krebsgefahr, nehmen wieder zu." Darauf hat Ewald Kresnik im Mini-Med-Vortrag in Spittal hingewiesen.

SPITTAL. In der zweiten,  wieder von Edeltraud Lenhard moderierten und von der WOCHE unterstützten, Veranstaltung des Mini-Med-Wintersemesters im sehr gut besuchten Ahnensaal von Schloss Porcia, informierte der Leiter der Abteilung Nuklearmedizin an der Privatklinik Villach in dem mehr als einstündigen Vortrag  über das Organ Schilddrüse, das am Hals neben dem Schildknorpel des Kehlkopfes liegt. Es ist eine Drüse die lebenswichtige Hormone L-Thyroxin und Trijodthyronin produziert und in den Blutkreislauf abgibt. Beim Erwachsenen sorgen die Schilddrüsenhormone für eine normale Funktion des Stoffwechsel- und Energiehaushaltes. Sie wirken auf Herz und Kreislauf, Nervensystem und Muskulatur, Haut, Haare und Fingernägel, auf Magen- und Darmtrakt, aber auch auf das Temperament und die Stimmungslage, so der Primarius.

Was ist für eine normale Funktion notwendig?

Wesentlich zur Produktion der Schilddrüsenhormone ist Jod, das aus der Nahrung aufgenommen wird. Der tägliche Jodbedarf beträgt laut WHO 200 Milligramm (μg). Obwohl Jod in zahlreichen Nahrungsmitteln wie Milchprodukte (vor allem Käseprodukte), Meeresfisch und Südfrüchte sowie in einigen Mineralwässern enthalten ist, kann der tägliche Bedarf an Jod nicht ausreichend gedeckt werden. In Österreich wird zur Vorbeugung das Speisesalz künstlich mit Jodid angereichert. Nur: Weil sich gerade junge Menschen vermehrt mit Fertignahrung ohne Jodsalze ernähren, ist der Jodmangel bei uns wieder im Steigen. In Kärnten werden jährlich 20.000 Menschen, allein in Villach 6.000, mit Funktionsstörungen behandelt, informierte der 56-Jährige. Gleichwohl: Die Sterbequote an Schilddrüsenkarzinom sei aufgrund der hochwertigen medizinischen Verorgung in Kärnten die niedrigste unter allen Bundesländern.

Was ist und wie entsteht ein Kropf?

Die Folge eines chronischen Jodmangels ist die Entstehung eines Kropfes (Struma) Die Vergrößerung der Schilddrüse ist eine der häufigsten Erkrankungen, wobei Frauen häufiger als Männer betroffen sind. Wenn sich die Schilddrüse vergrößert kann es auch zur Ausbildung von Knoten mit Störungen der normalen Hormonproduktion und damit zu Funktionsstörungen kommen.

Wenn die Funktion gestört ist

Wenn zuviele Schilddrüsenhormone erzeugt werden entsteht eine Überfunktion (Hyperthyreose). Dabei treten Symptomen auf, die sich oft nur allmählich und häufig unbemerkt von den Patienten entwickeln. Anfangs werden nur Einzelsymptome wie erhöhter Puls, Herzbeschwerden, Gewichtsabnahme, Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen, sowie Haarausfall oder abnehmende Leistungsfähigkeit beobachtet. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann sich auch durch vermehrtes Schwitzen oder Hitzewallungen, die bei Frauen oft fälschlich als „Wechselerscheinung“ interpretiert werden äußern. Oft erst nach vielen Jahren entwickelt sich das Vollbild der Überfunktion in Form der sogenannten Basedow- Erkrankung. Bei übermäßig nervösen und unruhigen Kindern kann eine Schilddrüsenüberfunktion die Ursache sein. Deshalb muss in solchen Fällen eine Schilddrüsenfunktionsstörung, die sehr gut behandelt werden kann ausgeschlossen werden.

Die Hypothyreose

Wenn im Körper zu wenig Schilddrüsenhormon zirkuliert, spricht man von einer Unterfunktion (Hypothyreose). Alle Stoffwechselvorgänge im Körper laufen vermindert und verlangsamt ab. Die Patienten fühlen sich müde, matt, antriebslos, nehmen leicht zu, die Stimmung wird depressiv, das Haar wird brüchig und fällt aus. Die Haut wird trocken und schuppig. Bereits bei Kindern kann eine Unterfunktion auftreten. Die Heranwachsenden sind dann meistens Übergewichtig und haben in der Schule schlechte Leistungen, weil sie sich nicht konzentrieren können und ständig müde sind. Spätestens dann sollte ein Bluttest erfolgen. Bei der sogenannten Hashimoto-Erkrankung tritt eine Unterfunktion gehäuft familiär auf, deshalb sollten sich auch die Geschwister und die Eltern einer Blutuntersuchung unterziehen.

Wie einen Kropf erkennen?

Die Untersuchung der Schilddrüse enthält folgende Untersuchungsschritte: Die Ultraschalluntersuchung zeigt, wie groß die Schilddrüse ist und ob sie knotig verändert ist. Die sogenannte Szintigraphie gibt Auskunft über die Funktion der Schilddrüse. Dazu wird eine kurzlebige diagnostische radioaktive Substanz (Technetium 99m) verabreicht, diese reichert sich in Abhängigkeit von der Schilddrüsenfunktion in der Schilddrüse an. Eine Unter- oder Überfunktion kann unkompliziert anhand einer Blutuntersuchung festgestellt werden. Bei Knotenbildung wird eine ultraschallgezielte Feinnadelpunktion durchgeführt. Dadurch wird eine frühzeitige Krebserkennung möglich.

Wie kann therapiert werden?

Sowohl der Kropf als auch eine Funktionsstörung der Schilddrüse müssen behandelt werden, weil eine schwere Über- als auch Unterfunktion einen lebensbedrohlichen Zustand darstellt. Aus diesem Grund sollte die Therapie von einem erfahrenen Schilddrüsenspezialisten, im Normalfall von einem Nuklearmediziner, durchgeführt werden. Die moderne Therapie bietet für jede Art der Erkrankung mehrere Möglichkeiten bis hin zur Operation. Sehr häufig werden aber synthetisch hergestellte Schilddrüsenhormone, die mit dem körpereigenen identisch sind, eingesetzt.

Fazit: rechtzeitige Diagnose

In seiner abschließenden Botschaft stellt der Universitätsdozent fest: Schilddrüsenerkrankungen sind relativ häufig. Bei jedem Dritten ab 30 Jahre tauchten Knotenbildungen auf, ab 50 bei jedem Zweiten. Sowohl Funktionsstörungen als auch gut- und bösartige Veränderungen seien aber sehr gut behandelbar, setzten jedoch eine rechtzeitige Diagnose voraus. Daher sollte bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung möglichst frühzeitig ein abklärendes Gespräch erfolgen.

Mini Med Studenten

Unter den  Mini Med Stundenten befand sich Michaela Jung. Die Spittalerin hat, wie sie sagte, schon seit 18 Jahren mit Schilddrüsenproblemen zu kämpfen. Der Millstätter Werner Kramer, nach einem Ratschlag seines Spittaler Kardiologen demnächst zur Kontrolle in Villach, war gekommen, um sich allgemein zu informieren.

Autor:

Michael Thun aus Spittal

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