In Lurnfeld
Auf an Ratscha mit Reini Bacher und Stefan Rainer
Die vierte Gemeindereportage bringt uns nach Lurnfeld. In der Marktgemeinde setzen wir uns mit Reini Bacher und Stefan Rainer auf einen gemütlichen „Ratscha“ zusammen und plaudern über das Leben hier, was sich verändert hat und warum der Zusammenhalt trotzdem bleibt.
LURNFELD. Stefan lebt seit seiner Geburt in Lurnfeld und hat nie daran gedacht, wegzugehen. „Hier sind meine Wurzeln, hier ist mein Zuhause“, erzählt er. Auch Reini hat seinen Lebensmittelpunkt nie verlassen: „Ich bin hier geboren und ich werde hier bleiben, solange es geht.“ Doch nicht alle teilen diese Verbundenheit. Viele junge Leute zieht es in die Stadt oder ins Ausland. „Früher war das anders“, meint Reini. „Es gab mehr Gasthäuser, mehr Feste, mehr Vereinsleben. Man hat sich noch persönlich verabredet, nicht erst zwei Minuten vorher per WhatsApp.“ Stefan sieht es pragmatisch: „Die Vereine sind weniger geworden, die Feste seltener. Aber wir tun unser Bestes, um das Dorfleben weiterzuführen.“
Vereinsleben
Vereine spielen in der Gemeinde eine große Rolle. Reini war 33 Jahre lang aktiv bei der Feuerwehr. „Das war meine Leidenschaft. Heute verfolge ich es nur noch von außen, aber der Zusammenhalt ist geblieben.“ Stefan engagiert sich bei verschiedenen Gruppen, darunter die „Wilden Lurnis“ und die „Weißen Murmeltiere“.„Wir wollten als junge Generation selbst etwas aufbauen – Faschingsveranstaltungen, Turniere, Nikolausfeiern. Aber es ist schwer, neue Leute zu gewinnen. Es gibt heute so viele Ablenkungen.“
- Reini Bacher und Stefan Rainer
- Foto: MeinBezirk.at
- hochgeladen von Eva Presslauer
Lieblingsplatzl
Auf die Frage, ob er einen Lieblingsplatz in der Gemeinde hat, antwortet Stefan: „Ganz klar, das Oberdorfplatzl in Pusarnitz. Da hat unsere Nachbarschaft einen Platz hergerichtet – mit einem Kühlschrank voller Bier. Man kann sich immer dazusetzen, es ist immer wer da.“ Reini lacht. „Mir gefällt’s überall in Möllbrücke.“ Beim Lieblingsessen aus der Region sind sich die beiden einig: „Die Kärntnernudeln von der Oma, mit Butterschmalz drauf“, schwärmt Stefan. Reini nickt: „Die überdauern Generationen.“
Neue Herausforderungen
Reini erinnert sich an die großen Veränderungen: „Die Umstellung von Schilling auf Euro war gravierend. Plötzlich war alles teurer. Der Kaffeeautomat hat vorher 10 Schilling geschluckt – dann plötzlich einen Euro. Das war eine Erhöhung von 40 Prozent!“ Stefan kann sich daran kaum erinnern. „Ich bin in der EU aufgewachsen. Grenzkontrollen, Schilling – das kenne ich nur aus Erzählungen.“
Dialekt verschwindet
Auch die Sprache verändert sich. „Der Dialekt geht immer mehr verloren“, bedauert Stefan. „Früher hatte jedes Tal eigene Wörter, heute gleicht sich alles an.“ Reini fällt ein altes Wort ein: „Arnitzn – das war die Verbindung zwischen Wagen und Pferd. Heute braucht das keiner mehr.“
Hochwasser 1966
Ein Ereignis, das die Gemeinde geprägt hat, war das Hochwasser 1966. „Die Brücke ist eingestürzt, das war ein massiver Einschnitt“, erzählt Reini. Stefan kennt die Bilder von damals: „Schlimm. Man kann nur hoffen, dass so etwas nicht mehr passiert.“
Heimat im Wandel
Lurnfeld hat sich verändert. "Damals hatten wir um die 14 Gasthäuser in Möllbrücke", erinnert sich Reini. Heute sind nur noch wenige übriggeblieben. Die Geselligkeit von damals mag weniger geworden sein, doch der Zusammenhalt bleibt. Stefan nach blickt vorn: „Es ist wichtig, das Dorfleben am Leben zu halten.“
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