Tanzen kennt keine Barrieren
Neues "Tanzstübchen" in Seeboden
- In ihren Stunden arbeitet sie mit Tüchern, Handpuppen, Ringen und alles, was das Kinderherz begehrt.
- Foto: MeinBezirk
- hochgeladen von Eva Presslauer
In Seeboden hat Janine Schumann sich ihren Traum erfüllt. Ihr „Tanzstübchen“ ist ein gemütlicher Raum, in dem nicht Leistung, sondern das Miteinander zählt.
Mitgebracht hat Janine viel Energie und eine Idee, die in der Region ziemlich einzigartig ist. In einem kleinen Raum mitten im Ort hat sie „Nines Tanzstübchen“ eröffnet. Wer hier eine klassische Tanzschule erwartet, wird überrascht. Bei Janine geht es nicht darum, Schritte perfekt auszuführen oder für Auftritte zu trainieren. Es geht um Freude an Bewegung, um Begegnung, um Gemeinschaft und darum, dass jeder Mensch dazugehört.
Herzensprojekt
Janine kommt aus Deutschland. Dort hat sie 13 Jahre an einer Förderschule gearbeitet und früh gemerkt, wie stark Musik und Bewegung verbinden können. Bei ihr haben schon immer alle Kinder mitgemacht. Jedes Kind hat etwas beizutragen, egal ob mit Rollstuhl oder ohne, ob mit oder ohne Sprachfähigkeit. Sie erzählt von Tanzaufführungen, bei denen Menschen im Publikum Tränen in den Augen hatten. Nicht, weil alles so perfekt war, sondern weil es berührt hat. In Seeboden wollte sie genau das fortsetzen. Das Tanzstübchen soll ein Ort sein, an dem niemand außen vor bleibt. Jede Tanzstunde beginnt mit einer gemeinsamen Erwärmung, oft mit Elementen aus dem Yoga. Danach entscheidet die Stimmung der Gruppe, wie es weitergeht. Mal wird wild getanzt, mal geht es ruhiger zu.
- Im geräumigen Tanzstudio findet jeder seinen Platz.
- Foto: MeinBezirk
- hochgeladen von Eva Presslauer
Lernen vom Leben
Janine weiß, wovon sie spricht. Sie ist selbst Mutter eines Sohnes mit Hörbeeinträchtigung. Durch ihn hat sie viel über Technik und Kommunikation gelernt, und auch darüber, wie wichtig es ist, die Welt ein bisschen offener zu denken. Ihr Sohn trägt Cochlea-Implantate. Gerade weil sie durch ihn erlebt hat, wie viel Unsicherheit oft mit dem „Anderssein“ verbunden ist, war es Janine ein besonderes Anliegen, einen Ort zu schaffen, an dem sich niemand erklären muss. „Ich wollte einen Raum, in dem jedes Kind einfach da sein darf“, so Janine.
Metacom-Symbole
Schon in Deutschland arbeitete Janine zuerst als Betreuerin und dann als Sonderpädagogische Lehrkraft an einer Förderschule. Dort erlebte sie, wie viel ein bisschen Bewegung, Musik oder ein einfacher Tanz verändern kann. Besonders dann, wenn Worte fehlen. Deshalb nutzt sie in ihrem Studio auch sogenannte Metacom-Symbole. Das sind klare, leicht erkennbare Bilder, die bei der Verständigung helfen. Sie ermöglichen vor allem Kindern mit eingeschränkter Sprache, sich auszudrücken, Wünsche zu zeigen oder Gefühle mitzuteilen.
Ein Ort für Alle
Die Gruppen im Tanzstübchen sind klein. So kann sie auf jedes Kind individuell eingehen. Es gibt Kurse für Kinder ab drei Jahren, inklusive Gruppen für Jugendliche und Erwachsene mit Beeinträchtigung. Außerdem bietet sie auch Frauenkurse an. „Mir ist wichtig, dass alle aktiv werden können. Nicht nur nachmachen, sondern auch eigene Ideen einbringen“, sagt Janine. Wer mitmachen möchte, darf das tun, egal, ob er eine Diagnose hat oder nicht.
- Janine hat Ende Mai ihr Tanzstübchen eröffnet.
- Foto: MeinBezirk
- hochgeladen von Eva Presslauer
Bewegungsnacht
In Zukunft möchte sie das Angebot noch erweitern. Bereits geplant ist eine Übernachtung im Tanzstübchen. Vom 10. auf den 11. Juli lädt Janine zur Tanz- und Bewegungsnacht für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren ein. Das Motto lautet „Die vier Elemente“. Erde, Wasser, Luft und Feuer werden über Tanz, Bewegung und Körperwahrnehmung erfahrbar gemacht. Auch bei den Ritterspielen in der Region wird sie mit ihren Gruppen auftreten. Der erste Workshop dazu findet am 8. August statt, für den sich Interessierte noch unter 0660/3887166 anmelden können. Wie immer geht es ihr nicht darum, ob alles perfekt ist, sondern darum, dass alle mitmachen dürfen.
Neuer Verein
Janine ist außerdem derzeit dabei, einen neuen Verein mit dem Namen „Bewegung kennt kein ‚Anders‘ e.V.“ ins Leben zu rufen. Ziel ist es, einen offenen Raum für gemeinsames Tanzen, Musizieren und Bewegen zu schaffen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Beeinträchtigung. Im Fokus stehen kreative, inklusive Angebote, die nicht nur die körperliche und seelische Gesundheit fördern, sondern auch Berührungsängste abbauen und das Miteinander stärken sollen. Geplant sind unter anderem inklusive Tanzgruppen, Musik- und Rhythmusworkshops sowie gemeinsame Veranstaltungen. Die Vereinsgründung ist nicht nur ideell motiviert, sondern auch strukturell notwendig, um öffentliche Fördermittel beantragen und Projekte in Schulen oder sozialen Einrichtungen umsetzen zu können. Wer sich beteiligen oder mehr erfahren möchte, kann sich unter 0660/3887166 oder schumannjanine242@gmail.com melden.
Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.