Vermisst: Wenn Menschen einfach verschwinden

Derzeit sind im Bezirk Spittal circa elf Personen als abgängig gemeldet. Diese Zahl ändert sich aber beinahe täglich
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  • hochgeladen von Verena Niedermüller

BEZIRK SPITTAL (ven). Der als abgängig gemeldete Spittaler Mario Glanznig wurde nach über zwei Wochen in Italien wieder aufgefunden. Rita Ban-Gagyi aus Heiligenblut ist seit September 2013 spurlos verschwunden. Die WOCHE sprach mit Bezirskpolizeikommandant-Stellvertreter Hannes Micheler über Abgängige im Bezirk. 

Jede Spur fehlt

Von der Ungarin Rita Ban-Gagyi, die in Heiligenblut arbeitete und auch gern in der Bergwelt unterwegs war, fehlt seit September 2013 jede Spur. Niemand weiß, was mit ihr passiert ist. "Die Menschen verschwinden aus vielerlei Gründen. Manche sind unerklärlich, die beschäftigen uns besonders", so Micheler. In Kärnten sind derzeit rund 50 Personen als abgängig gemeldet, im Bezirk Spittal werden elf Personen vermisst, darunter acht Asylwerber. "Bei den Asylwerbern gehen wir davon aus, dass sie aus ihrer Unterkunft, in der sie registriert sind, weiter in ein anderes Land sind. Aber als abgängig werden sie natürlich gemeldet." 

Demente und Jugendliche

Was immer wieder passiert, sind Senioren und Demenzkranke, die nach einem Spaziergang nicht mehr ins Altenheim zurückkehren. "Da ist der Fall recht klar, wir suchen die nähere Umgebung ab, erfragen bei Verwandten und Pflegepersonal die Gewohnheiten des Abgängigen." Meist werden solche Personen recht schnell wieder gefunden. Auch aus dem Mädchenwohnheim in Möllbrücke reißen immer wieder Bewohnerinnen aus, die aber oft schnell wieder gefunden werden. "Deshalb ändert sich die Zahl der Abgängigen fast täglich." Dazu gehören auch Wanderer oder Bergsteiger, die nicht wie vereinbart - wegen Erschöpfung oder weil sie sich verirrt haben - wieder zur Hütte zurückgekehrt sind.

Dauer spielt keine Rolle

Jeder Erwachsene kann sich frei bewegen. Die Polizei setzt allerdings Maßnahmen bei dem Verdacht, dass der Abgängige Opfer eines Verbrechens oder vielleicht auch Unfalles wurde, oft auch in Verbindung mit einem befürchteten Suizid. Dabei spielt die Dauer der Abgängigkeit keine Rolle. "Bei einem verlässlichen Menschen oder einem Kind sind zwei Stunden schon Grund zur Sorge und polizeilicher Suche, bei jugendlichen Ausreißern dauert es etwas länger."

Viele Maßnahmen

Die Suche beginnt in der näheren Umgebung, man fragt Freunde und Verwandte nach den Gewohnheiten, fragt in Krankenhäusern nach. Bei einer groß angelegten Vermisstenfahndung, wie 2013 in Heiligenblut, werden auch sämtliche Blaulichtorganisationen wie Hundestaffeln, Bergrettung, Alpinpolizei oder auch Feuerwehr und Wasserrettung aktiviert. Die Handyortung ist eine der Erstmaßnahmen. "Oft machen Angehörige Druck, gehen in ihrer Verzweiflung zu Wahrsagern, die uns dann anrufen. Sie wollen eben Gewissheit haben, auch wenn davon auszugehen ist, dass der Abgängige vielleicht auch tot ist", so Micheler. 

Frei bewegen

Wenn ein Erwachsener als abgängig gemeldet ist und er nicht im Verdacht steht, eine Straftat begangen zu haben, könne er nicht festgehalten werden, sollte die Exekutive ihn aufgreifen. "Diese Personen sind zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben. Man kann also nur den letzten bekannten Aufenthaltsort bekannt geben und muss die Person sozusagen wieder ziehen lassen." Minderjährige kann man anhalten, mutmaßliche Straftäter ebenso. 

Keine Vorzeichen

Bei einem Fall wie in Heiligenblut werde die Suche nach spätestens einer Woche eingestellt. "Wenn man keine Anhaltspunkte mehr hat. Wenn neue Hinweise auftauchen, wird natürlich weitergesucht." Ban-Gagyi sei weder psychisch krank gewesen, es gab kein Anzeichen eines Verschwindens oder Verbrechens. "Es gab auch keine Zeichen von Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, sie war gern in den Bergen unterwegs. Es bleibt ein Rätsel. Man kann in niemanden hineinschauen", so Micheler.

Österreich findet euch

Sämtliche als abgängig gemeldeten Personen sind auf der Homepage des Innenministeriums (www.bmi.gv.at) ersichtlich. Auf der Plattform "Österreich findet euch" (www.oesterreichfindeteuch.at) sind sie ebenfalls zu sehen. Unter der kostenfreien Nummer 116000 - Hotline für vermisste Kinder - wird psychologische Beratung für Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern und Bezugspersonen rund um die Uhr angeboten. 

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