NÖ Frauenlauf – Aktion "Laufen gegen Krebs"
Stammzellspende-Registrierungsaktion rettete Michaels Leben

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Beim NÖ Frauenlauf in St. Pölten gab es im Jahr 2017 erstmals eine Stammzellspende-Registrierungsaktion finanziert durch die Aktion „Laufen gegen Krebs“. Ein Freund von Christian Kohl, dem Veranstalter des NÖ Frauenlaufes war an Leukämie erkrankt und benötigte dringend eine Stammzellspende. Lesen Sie hier seine Geschichte.

Michael hat am 1. April 2016 erfahren, dass er vermutlich an Leukämie erkrankt ist. Er war gerade unterwegs, als ihn der Anruf seines Hausarztes erreicht: „Fahr sofort ins nächstgelegen Spital!“. Er hatte kurz zuvor eine Routineblutuntersuchung gehabt. Die Werte sind verdächtig. Im Spital kommt er auf die Isolationsstation – mit Verdacht auf Leukämie. Michael ist verheiratet, 40, hat zwei Kinder.

Die Behandlung

Dann geht alles sehr schnell. Weitere Untersuchungen, Beckenkammbiopsie, Diagnose Leukämie. Die Chancen stehen 50/50 mit einer weiteren Lebenserwartung von 6-8 Wochen, wenn nicht sofort mit der Chemotherapie begonnen wird.
Michael hatte Glück im Unglück, durch die Routineblutuntersuchung konnte die Diagnose bei ihm in einem relativ frühen Stadium gestellt werden.

Es sollten insgesamt 5 Chemotherapie-Zyklen folgen. Das bedeutet über 5 Monate, jeweils bis zu 3 Wochen Spitalsaufenthalt und 1 Woche „zur Erholung“ zu Hause. Wobei man nicht vergessen darf, dass in so einer Situation nicht nur der Patient selbst, sondern seine ganze Familie und sein Umfeld gefordert sind! Jeder steht mehr oder weniger hilflos vor dieser neuen Situation, jeder geht anders damit um. Es ist eine Zeit, die geprägt ist von Bangen und Hoffen und dem Versuch, weiterhin ein „normales“ Leben zu führen.

Nach ca. einem halben Jahr der Chemotherapie-Zyklen endlich die gute Nachricht: „Es ist Nichts mehr nachweisbar!“ und die endgültige Entlassung aus dem Spital. Jedoch müssen weiterhin monatlich die Blutwerte überprüft und ca. alle 2 Monate eine Knochenmarkbiopsie gemacht werden.

Der Rückschlag

Nach über einem halben Jahr, in dem die Werte in Ordnung waren, ist - ca. 1 Jahr nach der Erstdiagnose - mikrobiologisch im Knochenmark wieder etwas nachweisbar …Das heißt eine neuerliche Chemotherapie ist notwendig und rasch steht fest, Michael benötigt eine Stammzelltherapie!
Es muss also ein sogenannter genetischer Zwilling von Michael gefunden werden. Jemand, der dieselben Gewebemerkmale wie Michael aufweist. Und der dann auch bereit ist, Stammzellen zu spenden.

Stammzellen sind für die Bildung der Blutzellen (z.B. weiße und rote Blutkörperchen) verantwortlich und können aus dem Blut oder dem Knochenmark gewonnen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass so jemand gefunden wird, liegt bei 1:500.000.Wieder hatte Michael eigentlich Glück, nach 3 Monaten Chemotherapie ist ein passender Spender gefunden.

Das Interview

I: Michael, was waren deine ersten Gedanken, bei der Diagnose.
M: Ich hab das nicht nur wegen des Datums für einen Scherz gehalten. Mir ging‘s ja gut. Ich war im Training, bin regelmäßig Laufen gegangen, es gab keine Auffälligkeiten oder Symptome.

I: Was kam dann?
M: Es wurde sofort mit einer Chemotherapie begonnen.

I: Wie erging es dir?
M: Die Chemotherapie selbst verkraftet jeder unterschiedlich. Auch die Ärzte haben einen unterschiedlichen Zugang, der eine ist ganz pragmatisch, der andere einfühlsam.Vor allem darf man auch die Angehörigen nicht vergessen. Die Familie ist genauso betroffen! Das ist eine riesen Belastung, für die Familie und den Patienten.

I: Du hattest bereits 5 Chemotherapie-Zyklen hinter dir als klar war, du brauchst weitere Chemotherapien und eine Stammzellspende – wie läuft das ab?
M: Es wurde während der Therapie nach einem Stammzellspender gesucht. Ich hab Glück gehabt, weil schon nach 3 Monaten ein geeigneter Spender gefunden wurde.In der weltweiten Datenbank von Stammzellspendern sind rund 30 Millionen Spender registriert.
Die Chancen, einen geeigneten Spender zu finden, stehen bei 1:500.000 d.h. momentan findet sich in ca. 80% der Fälle ein geeigneter Spender.

I: Michael, wie funktioniert so eine Stammzellspende?
M: Im Prinzip wie eine Blutspende – nur ist man halt unter Isolation. Das Immunsystem wird ja vorher komplett heruntergefahren und da ist es wichtig, dass alles keimfrei ist und das neue Immunsystem, das sich erst aufbauen muss, nicht gefährdet wird.

I: Wie gings dir da?
M: Man ist einige Tage vor der Stammzellspende schon auf der Isolationsstation und natürlich dann nach der Spende – bei mir hat das ca. 1 Monat gedauert, das ist aber unterschiedlich von Patient zu Patient. Diese Zeit ist schon hart! Der Körper reagiert auf die neuen Stammzellen. Meine Schleimhäute waren entzündet, ich konnte nicht essen, hab schlecht geschlafen und war die ganze Zeit im selben Raum. Da hast du viel Zeit zum Nachdenken …

I: Und wie gings dann weiter?
M: Bei mir ist alles gut gelaufen. Wenn du nach einer Stammzellspende aus dem Spital kommst musst du halt besonders auf dein Immunsystem achten! Alles keimfrei, keine rohen Sachen essen – auch kein Eis – nur mit Mundschutz rausgehen, Menschenansammlungen möglichst meiden das heißt z.B. nicht mit der U-Bahn fahren oder auch kein Kino. Irgendwie ist man da wieder isoliert. Der Körper - und nicht nur der - braucht halt Zeit.

I: Was kannst du uns abschließend sagen Michael?
M: Die Stammzellspende hat mein Leben gerettet!

I: Micheal, vielen herzlichen Dank, dass du uns deine Geschichte erzählt hast und weiterhin alles erdenklich Gute!

Stammzellenspender werden

224 Patienten haben im Jahr 2017 in Österreich eine Stammzellspende erhalten. Und 13 Österreicher waren Spender.
Werden auch Sie Lebensretter – registrieren Sie sich als Stammzellspender – alle Infos unter: www.roteskreuz.at/stammzellen

Eine Stammzellregistrierung kostet € 40,- und muss durch Spenden finanziert werden.Bitte unterstützen Sie den Kampf gegen Blutkrebs mit Ihrer Spende an „Laufen gegen Krebs“
IBAN: AT77 5300 0044 5500 0586. Danke!

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