Zivilcourage mit dreifachem Kieferbruch bezahlt

Verteidiger Georg Thum
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WILHELMSBURG (ip). Vertagt wurde am Landesgericht St. Pölten der Prozess gegen einen 43-jährigen Kraftfahrer und dessen Sohn, die im Oktober 2017 auf einer Kreuzung in Wilhelmsburg eine Frau und drei Männer, die der 23-Jährigen zu Hilfe kamen, teilweise schwer verletzt haben sollen.
Während sich der Vater zu den Vorwürfen gegenüber Richter Slawomir Wiaderek nicht schuldig bekannte, gab der Mitangeklagte zu, dass er der Ex-Freundin seines 23-jährigen Bruders eine Ohrfeige verpasst habe, nachdem sie sich geweigert habe, das von ihr gelenkte Auto seines Bruders zu verlassen. Beide Angeklagten behaupteten darüber hinaus, dass der 23-Jährige für diverse Faustschläge mit entsprechenden Konsequenzen verantwortlich sei. Zu dem Vorfall sei es gekommen, nachdem der Vater von seinem Sohn angerufen worden sei und dabei festgestellt habe, dass dieser zu betrunken sei, um nach Hause zu fahren. Gemeinsam mit seinem zweiten Sohn wollte er ihn abholen. Als sie das Fahrzeug des Betrunkenen an der Kreuzung sahen, stellte man sich mit dem zweiten Wagen davor, um ihn am Weiterfahren zu hindern. Am Steuer sei allerdings die Ex-Freundin gesessen, die sich weigerte auszusteigen. Sie habe „Hilfe, Hilfe“ geschrien, so der 43-Jährige, dann seien die drei Männer gekommen.

Ersthelfer wurden zu Opfer

Völlig anders lautet die Aussage der jungen Frau. Demnach habe ihr Ex-Freund das Fahrzeug gelenkt und als der Bruder zur Beifahrerseite kam, sei sie auf den Fahrersitz geflüchtet. Von dort habe sie der Bruder herausgezerrt, ihr einen Schlag verpasst und sie mehrfach gegen das Fahrzeug gestoßen. Beide hätten ihr auch mit der Faust auf den Kopf geschlagen. Opfervertreter Peter Schobel sprach von einem völlig unverständlichen und willkürlichen Gewaltakt, durch den das Opfer Kopf-, Brustkorb- und Bauchprellungen, sowie eine Bänderzerrung erlitten habe.
Als ihr ein Mann zu Hilfe kommen wollte, so die Zeugin, habe dieser gar nicht viel gesagt und schon ein paar Schläge kassiert. Als er schließlich schon am Boden lag, habe der angeklagte Sohn noch gegen ihn getreten, dann habe sich Vater samt Söhnen auch dem nächsten Helfer zugewandt. Alfred Schneider, Opfervertreter des Ersthelfers, sprach von brutaler Gewalt und fordert nicht nur für den dreifachen Kieferbruch und die Prellungen des Mannes ein entsprechend hohes Schmerzensgeld. Er vertritt auch den Arbeitgeber des Opfers, der seine Unkosten ersetzt haben will. Tausend Euro stellte auch Bernhard Wagner für seinen Mandanten als Schmerzensgeld in Rechnung.
Verteidiger Georg Thum gab dazu noch keine Erklärung ab, zumal der 23-jährige Bruder des Angeklagten als Zeuge die Anklage auf den Kopf stellte und überraschend erklärte, er habe die Männer mit Faustschlägen verletzt.

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