Erhöhte Feinstaubwerte: Unsichtbare Gefahr steigt

Grenzwerte überschritten. | Foto: Franz Neumayr

Seit heuer dürfen Feinstaub-Grenzwerte nur mehr an 25 Tagen im Jahr überschritten werden. Der Klosterneuburger Messstandort an der B14 hat diesen Negativrekord bereits im März erfüllt.

KLOSTERNEUBURG/TULLN (cog). Im März wurde der Feinstaubgrenzwert für das Tagesmittel in Niederösterreich überschritten – und zwar in Hainburg. Erlaubt sind 25 Tage pro Jahr. Aber auch in Klosterneuburg lassen die Feinstaubwerte zu wünschen übrig: An der B14 wurden bis heute an 25 Tagen Feinstaubwerte (PM10-Werte) über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter verzeichnet.
In Tulln gab es an 22 Tagen Überschreitungen. Laut NUMBIS, Niederösterreichs Umwelt-, Beobachtungs- und Informationssystem, kann aber mit einer Entspannung der Situation gerechnet werden. Zwei Drittel der jährlichen Überschreitungen kommen von Jänner bis März zustande. Besonders in den Sommermonaten sind die Belastungen geringer. Mit einem Anstieg der Feinstaubwerte ist erst wieder gegen Jahresende mit Einsetzen der Heizsaison zu rechnen.

Kalter Winter brachte Anstieg
Ebenfalls eine große Anzahl an Überschreitungen des Tagesmittels seit Jänner gab es in Zwentendorf an 24, in Neusiedl (Gem. Langenrohr) an 20, in Streithofen (Gem. Michelhausen) an 19 und in Trasdorf (Gem. Atzenbrugg) an 17 Tagen. Die Häufung der Messstellen hier ist eine Auflage zur Kontrolle des Kraftwerks Dürnrohr.
Zu dem Anstieg der Belastungen haben das kalte Winterwetter und der häufige Schneefall beigetragen, so Elisabeth Scheicher von NUMBIS: „Einerseits liefen bedingt durch die Kälte natürlich alle Heizungen auf Hochtouren, andererseits verhinderten Inversionen den Abtransport und die Verdünnung der Schadstoffe. Die feine Zermahlung des Streusplitts auf den Straßen und Wiederaufwirbelung trugen ein wenig später zur Feinstaubbilanz bei.“
Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Belastungen bei den Überschreitungen des Tagesmittelwertes um rund 60 Prozent. Allerdings war 2009 die Höhe der Konzentrationen teilweise deutlich höher.

Hausbrand belastet Luft
„Nachdem heuer schon jetzt Handlungsbedarf besteht, werden die gesetzten Maßnahmen auch jetzt evaluiert“, so Scheicher. Ein Nachschärfen dieser werde unumgänglich sein. Grundsätzlich sei die Belastung aber weniger als noch vor fünf, sechs Jahren.
Was können aber die Kommunen zur Reduktion der Belastung tun? Einerseits darf der Winterdienst mehr harten Splitt verwenden, der bald wieder eingekehrt werden muss. Daneben ist Bewusstseinsbildung in Sachen Hausbrand wichtig. Scheicher: „Es geht um den schlechten Hausbrand, wenn die Heizung etwa als private Müllverbrennung genutzt wird. Das tut auch der Heizung nicht gut.“ Daneben wird – vor allem auf Landesebene – über die Förderschiene (Heizkesseltausch, Wärmedeämmung) gegengesteuert. Denn: Jedes nicht verheizte Grad Raumenergie bringt viel für die Luftgüte.

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BEGRIFFSERKLÄRUNGEN
Hausbrand : Ein zusammenfassender Begriff für alle Verbrennungsvorgänge, die innerhalb von privaten Wohnhäusern ablaufen und speziell als Emissionsquelle von Luftschadstoffen.
Feinstaub : Die als Feinstaub (PM10) bezeichnete Staubfraktion enthält 50% Teilchen mit einem Durchmesser von 10 µm, einen höheren Anteil kleinerer Teilchen und einen niedrigeren Anteil größerer Teilchen. Partikel dieser Größe können bis tief in die Lunge gelangen. Sie sind daher besonders gesundheitsschädlich. Gut sichtbarer Staub besteht zum Großteil aus Grobstaub.
Zahlreiche Studien haben in den letzten Jahren einen Zusammenhang zwischen der Belastung durch Feinstaub und gesundheitlichen Auswirkungen gezeigt.
Diese Auswirkungen reichen von (vorübergehenden) Beeinträchtigungen der Lungenfunktion bis zu zuordenbaren Todesfällen, vor allem aufgrund von Atem-wegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nach einer aktuellen Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört die Außenluftbelastung zu jenen Umwelteinflüssen, die die größten gesundheitlichen Auswirkungen in westlichen Industrieländern verursachen.
Quelle/Nähere Infos:
Umweltbundesamt und NUMBIS

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