Kino: Valeria Bruni-Tedeschi im Film "Il capitale umano"

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Valeria Bruni-Tedeschi steht zu Unrecht im Schatten ihrer Schwester Carla. Seit vielen Jahren ist die heute 51-Jährige eine der Protagonistinnen des französischen Autorenkinos und abonniert auf die Verkörperung zutiefst verletzlicher Frauenfiguren.

Konzept/Text: Franz Waditzer

Valeria Bruni-Tedeschi wurde 1964 in Turin geboren und entstammt einer reichen italienischen Industriellen- und Künstlerdynastie.
Ihr Vater, Teilhaber des Pirelli-Konzerns, komponierte in späteren Jahren Zwölftonmusik, ihre Mutter war Konzertpianistin. Anfang der 70-er Jahre flüchtete die Unternehmerfamilie aus Angst vor den Roten Brigaden nach Frankreich. Ihre Schwester ist Carla Bruni Sarkozy. Ihr Bruder war der Fotograf Virginio Bruni Tedeschi, der 2006 verstorben ist.

Einsamkeit

Valeria Bruni-Tedeschi: "Für mich ist Einsamkeit eine Bestrafung. Ich hasse es, allein zu sein. Das ertrage ich nicht. Ich möchte alles teilen, was ich erlebe. Die einfachen Dinge, wie beispielsweise das Abendessen: Alleine essen ist für mich der Inbegriff der Einsamkeit." Und weiter: "Im Augenblick der Krise, der Niederlage, sind wir Menschen am offensten und am schönsten. In solchen Momenten entschleiern wir uns, weil wir unseren Wunden und heimlichen Träumen sehr nahe kommen. Das ergreift mich: Wenn jemand an irgendeinem Punkt in seinem Leben anlangt und nicht recht weiß wohin. Wenn er droht, zu entgleisen. Im Französischen bedeutet entgleisen auch: ein bisschen verrückt werden. Die Frauen in meinen Filmen entgleisen. Sie haben verpasst, erwachsen zu werden. Es ist unglaublich hart, mit vierzig aus der Balance zu geraten, weil man sich von den Erwartungen seiner Eltern, der Umwelt oder von seinen Schwärmereien niemals gelöst hat."

In ihren mehr als sechzig Filmen hat sie mit den interessantesten Regisseuren des europäischen Kinos gearbeitet: Mit Claude Chabrol, Bertrand Blier, mit Francois Ozon. Jetzt spielte sie im Film "Die süße Gier" (Originaltitel: Il capitale umano) die Ehefrau eines skrupellosen Fondsmanagers. Der Film zeigt ein moralisch gründlich ruiniertes Italien und hat dem Regisseur Paolo Virzi einen Sensationserfolg beschert. Mit der frivolen Beschwörung einer Gesellschaft im Zustand des sozialen und politischen Totalbankrotts ist Virzi ein toller Coup gelungen. Der Film, Adaption eines zehn Jahre alten Romans von US-Autor Stephen Amidon ("Der Sündenfall"), besticht vor allem durch die Performance von Valeria Bruni Tedeschi.

Humor

"Für mich ist Humor ein Überlebensinstinkt," sagt sie. "Er ist Konsolidierung, ein Retter, der Gegenpol der Tragik. Lächeln ist wie eine Therapie. Es erlaubt einem, sein Leid zu vermindern. Ohne das Lachen nimmt das Ernste, der Schmerz, der Tod den gesamten Raum in einem Leben ein. Humor lässt vergessen, wenn auch nur für den Augenblick. Das entfesselte Lachen ist erotisch, sehr physisch und sehr kindlich.

Trailer: Il capitale umano (Die süße Gier)

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