Missbrauch: Trotz allem leben

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Birgit Weiß gründet im Herbst die erste Selbsthilfegruppe für Frauen, die sexuell missbraucht wurden.

ST. GEORGEN (tao). In Amerika nennt man Opfer von sexuellem Missbrauch "Survivors" (Überlebende).
Birgit Weiß weiß aus eigener Erfahrung, wie schmerzhaft und schambesetzt es ist, sich diesem "Trauma" zu stellen und das Schweigen zu brechen.

Hilfestellung geben
Nun will sie andere Frauen unterstützen, denen dasselbe passiert ist – mit einer Selbsthilfegruppe, die sich ab Herbst im Stift St. Georgen treffen soll.
"Sexueller Missbrauch ist ein sehr heikles, sensibles Thema", weiß die heute 51-Jährige. "Nach wie vor wird es in unserer Gesellschaft tabuisiert."
Und gerade deshalb hat sich die ausgebildete Sexualpädagogin zur Gründung der Selbsthilfegruppe entschlossen. (Nähere Infos dazu finden Sie im Artikel rechts.)
"Betroffene Frauen sollen in einem geschützten Rahmen und anonymer Atmosphäre die Möglichkeit haben, sich mit anderen Opfern auszutauschen und zu lernen, sich und ihren eigenen Körper wahr- und anzunehmen", so Weiß.

Schamgefühl
"Häufig wird sexueller Missbrauch von den Betroffenen aus Scham verschwiegen", weiß die Sexualpädagogin. "Besonders Kinder entwickeln eine ‚Überlebensstrategie‘ und verdrängen das traumatische Erlebnis in ihr Unterbewusstsein, sodass sie sich im Erwachsenenalter nicht mehr an den Missbrauch erinnern können." Meist würden sie aber auch von den Tätern unter Druck gesetzt und eingeschüchtert werden.
Weiß weiter: "Sie glauben, sie als Person seien schlecht, weil ihnen solch Schlimmes angetan wurde, und richten die entwickelten Hassgefühle gegen sich selbst."

Selbst akzeptieren
Zu lernen, sich selbst zu akzeptieren und anzunehmen, ist ein wesentlicher Bestandteil des Heilungsprozesses. "Auch wenn ich weiß, wie schwer es ist, über den eigenen Schatten zu springen und das Schweigen zu brechen, hoffe ich, dass Frauen den Mut finden, sich zu melden, um sich mir und der Gruppe anzuvertrauen", so Weiß. Die oberste Priorität in der Gruppe ist, dass die Anonymität von jedem einzelnen Mitglied gewahrt wird. Außerdem bestehe absolute Verschwiegenheitspflicht.

Nicht schweigen
Beim Thema Missbrauch ist Präventionsarbeit gefragt. "Missbrauch kann leider nicht immer verhindert werden, aber Kinder sollten so früh wie möglich aufgeklärt werden. Ihnen muss klar sein, dass keiner das Recht hat, ihren Körper zu berühren, wo es ihnen unangenehm ist", sagt die Sexualpädagogin.
Weiß wünscht sich, dass innerhalb der Gesellschaft mehr Sensibilität für das Thema entwickelt werde.

"Sexueller Missbrauch wird in der heutigen Zeit immer noch als ein Tabuthema angesehen."

Birgit Weiß

"Ich hoffe, dass betroffene Frauen den Mut finden sich zu melden, um sich aus der Isolation zu befreien."

Birgit Weiß

Autor:

Tanja Orasch aus St. Veit

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