Adlwanger Lebensmittelgeschäft sperrt zu
Hannelore Straßer schließt: Ein ganzes Leben im Geschäft und für die Kunden
- Hannelore Straßer schloss ihr Lebensmittelgeschäft in Adlwang, Bürgermeisterin Maria Achathaler bedankte sich mit einem Präsent.
- hochgeladen von Katharina Ulbrich
„Schweren Herzens muss ich mein Geschäft endgültig schließen. Leider ist es immer schwieriger geworden, mit einem Betrieb dieser Größe zu bestehen“, steht auf dem Abschiedsbrief von Hannelore Straßer an der Eingangstür. Mit diesen Worten endet eine Ära, die das Ortsleben von Adlwang über Generationen geprägt hat.
Seit 2002 führte Hannelore Straßer das Lebensmittelgeschäft – als Geschäftsfrau, Ein- und Verkäuferin, Schulbusfahrerin und vor allem als vertraute Ansprechpartnerin für viele Stammkunden. Mit ihnen teilte sie fröhliche, schöne, aber auch stille und traurige Momente. Doch eigentlich war ihr ganzes Leben seit frühester Kindheit eng mit dem Familienbetrieb verbunden, wo bis 1998 täglich Brot gebacken wurde.
„Wir hatten alles. Zucker und Salz wurden händisch abgewogen, es gab Schwarz- und Weißbrot, Babykleidung, Stoffe, Nägel, Kuhhalfter oder Kälber-Fopper“, erinnert sich die 62 jährige Pensionistin schmunzelnd. Viele Jahre fuhr sie zudem täglich „ins Gey“, um dort hauseigenes Gebäck, Brot und Lebensmittel zu verkaufen.
Die Bäckerei am Standort Adlwang reicht weit zurück: In den Grundbüchern ist sie bis ins Jahr 1600 dokumentiert. Großmutter Barbara Moser sowie die Eltern Josef und Hermine Bruckbauer führten den Betrieb weiter und errichteten eine neue Backstube. Doch die Rahmenbedingungen veränderten sich rasant. Großhändler boten nur noch große Verpackungseinheiten an, Produkte hatten kürzere Haltbarkeiten, und der wirtschaftliche Druck stieg. Gleichzeitig änderte sich das Kaufverhalten: Die Kundschaft wurde mobiler, preisbewusster und wich zunehmend auf Großmärkte aus.
„Viele meiner Stammkunden wurden älter, und beim Abschied gab es zahlreiche emotionale Momente“, erzählt Straßer. Bis zum Schulschluss wird sie weiterhin als Chauffeurin für die Kinder unterwegs sein. Wie es danach weitergeht, lässt sie offen. „Vielleicht backen wir zu den hohen Festtagen unser traditionelles Brauchtumsgebäck – zu Ostern Lamperl und Weihbrot, zum Kirtag Schaumrollen und Apfelkrapfen und zu Weihnachten Störibrot.“
Zum offiziellen Abschied überbrachte Bürgermeisterin Maria Achathaler ein Blumenarrangement und dankte herzlich: „Für deinen jahrelangen Einsatz als unsere Kauffrau im Ort. Du warst weit mehr als eine Nahversorgerin – immer ein offenes Ohr und ein Stück Heimat für Leib und Seele. Ich wünsche dir persönlich und im Namen der gesamten Gemeinde alles Gute für die Zukunft.“
Auch Hermine Bruckbauer, die „Seele der Backstube“, wurde für ihre jahrzehntelange Arbeit und ihre beliebten Brioche, Krapfen und Schaumrollen gewürdigt.
Mit der Schließung des Geschäfts endet ein traditionsreicher Familienbetrieb in Adlwang. Als Ersatz stehen nun bäuerliche Hofläden sowie eine Bäckerei zur Verfügung – doch die persönliche Atmosphäre und der vertraute Treffpunkt im Ort werden vielen fehlen.
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