Skigebietsfusion Schlick-Lizum: Genehmigung als Weihnachtsgeschenk vom Land?

Seit Ende 2009 ist Thomas Ceipek Geschäftsführer der Infrastruktur Stubai Service GmbH. Seine Haupttätigkeit war und ist es, das Projekt Skigroßraum von Neustift über Schlick und Lizum bis Mutters voranzutreiben. Im BEZIRKSBLATT-Interview spricht Ceipek nun erstmals im Detail über den momentan größten Wunsch ganz vieler.

BEZIRKSBLATT: Herr Ceipek, die Fusion in Schwung zu bringen, beschäftigt Sie vollauf?
Ceipek:
Das kann man sagen! Meine erste Aufgabe war es, mögliche Erschließungen und Investitionen auf Stubaier Seite zu beleuchten. Mittlerweile stehen hierfür zwei Varianten aus Neustift im Raum: Die Achtergondelbahn könnte entweder vor dem Ortseingang oder etwas weiter außerhalb, im Bereich Gemoch, platziert werden. Die Mittelstation wäre unterhalb der Almflächen von Kaserstatt geplant.

BEZIRKSBLATT: Die zweite Sektion würde am Sennjoch enden, welche Schritte sind noch geplant?
Ceipek:
Stimmt. Zusätzlich soll ein Skiweg vom Sennjoch bis in die Mitte der Goldsuttn gezogen werden. In den Goldsuttn gibt es dann mehrere Abfahrtsvarianten: Eine blaue und drei rote Pisten sowie weitere im Gebiet Grünangerl – alles mit technischer Beschneiung versteht sich – sollen in Ergänzung zur Schlick die Sonnenseite erschließen. Eine Ausweichroute wird über das schattigere Bärenbadl führen. Ergänzend dazu werden mehrere Abfahrtsmöglichkeiten ins Dorf geschaffen. Mit diesem Quantensprung ist Neustift ein Wintersportort!

Quantensprung zu Wintersportort
BEZIRKSBLATT: Was ist abgesehen vom Zusammenschluss an sich noch vorgesehen?
Ceipek:
Die nächste Etappe ist dann die Erschließung des Burgstallsattels mit einer kuppelbaren Sportbahn samt erforderlichen Lawinensicherungsmaßnahmen und die alten Schlepplifte sollen durch moderne Sessellifte in der Schlick ersetzt werden. Dann ist auf Stubaier Seite ein geschlossener Skiraum und die präparierte Skifläche in der Schlick verdoppelt sich auf rund 130 ha. Und das alles mit nur zwei neuen Aufstiegshilfen! Das Argument, dass keine neuen Pisten dazukommen, ist also nicht richtig!

BEZIRKSBLATT: Steigen Urlauber bald nur noch in Neustift ab?
Ceipek:
Nein. Wir sehen immer nur den überregionalen Groß-
skiraum, ähnlich dem Kronplatz in Südtirol – deshalb auch unser Arbeitstitel „Schneekrone Tirols“ – wo aus allen verbundenen Gemeinden Zubringer und Talabfahrten bestehen. Da ist es vollkommen egal, wo der Gast wohnt. Außerdem hat Fulpmes weniger Verkehr.

Zwei neue Aufstiegshilfen und Skifläche kann verdoppelt werden
BEZIRKSBLATT:
Was soll sich auf Mittelgebirgsseite tun?
Ceipek: Zentrales Anliegen ist immer die 3-S-Bahn, zudem soll ein Sechsersessellift Götzner Alm und Birgitzköpfl ver- und die neue Kögelebahn Axams anbinden, auch dort sollen 60 ha an neuer Skifläche entstehen (inklusive derzeit brach liegender Abfahrt). Nach Fertigstellung hätten wir alles in allem rund 400 ha und 110 km Pistenlänge – in etwa so viel wie der Gletscher! Und all das mit vergleichsweise geringen Eingriffen. Was für eine Aufwertung!

BEZIRKSBLATT: Aber wenn die einzige Verbindung mal außer Betrieb sein sollte?
Ceipek:
Dieses Szenario wird nicht eintreten, denn die 3-S-Bahn ist die windsicherste überhaupt! Auch vom Komfort her sind diese 28 je eineinhalb Tonnen schweren Fahrbetriebsmittel für bis zu 30 Personen einzigartig. Ich möchte nochmal hervorheben, dass sich die Verbindung Hoadl-Kreuzjoch sehr wohl dem Gelände anpasst und optisch nicht so stört, wie viele befürchten. Der höchste Punkt wäre 350 m über dem Boden. Bei diesem tollen Panorama wird die Bahn sicher eine Attraktion, im Sommer wie im Winter!

Mit „Nein“ wird nicht gerechnet
BEZIRKSBLATT: Alles ist ausgearbeitet, wie geht‘s jetzt weiter?
Ceipek:
Ja, es liegen vorgeprüfte Grobplanungen vor. Mit der Gesamtkonzeption ist das Ingenieurbüro I.N.N. beauftragt, des Öfteren haben wir auch mit DI Daniel Illmer zusammen gearbeitet. Es gibt regelmäßig Arbeitssitzungen mit den zuständigen Planungsverbands- und Seilbahnchefs sowie den Bürgermeistern. Dass das Projekt von deren Seite einhellig befürwortet wird, ist bekannt, positive Stellungnahmen gibt es auch vom TVB Innsbruck und seine Feriendörfer sowie von der Stadt Innsbruck. Es gab auch öfters Kontakt mit LH Günther Platter, der sich übrigens eine etappenweise Realisierung vorstellt. Das Wichtigste ist jetzt, den 10-Jahres-Masterplan zu finalisieren, in dem der Großraum technisch, räumlich und finanziell umschrieben ist und wo alle Positionen in Richtung Evaluierung des Tiroler Seilbahnen- und Skigebietsprogrammes enthalten sind. Bis Ende Oktober soll alles abgestimmt sein und dem Landeshauptmann vorgelegt werden. Eine endgültige Entscheidung wurde uns für Dezember in Aussicht gestellt.

BEZIRKSBLATT: Sollte das „Ja“ kommen, wie stellt man sich die Finanzierung vor?
Ceipek:
Die muss ein Mix aus Seilbahngesellschaften, TVB Stubai und Innsbruck sowie den Gemeinden dem Land und möglichen Investoren sein. Die erste Ausbaustufe würde in etwa 63 Millionen Euro kosten. Aufgeschlüsselt wird nicht, es gibt ein gemeinsames Auftreten und demzufolge einen gemeinsamen Geldtopf.

Mehrere Fliegen mit einer Klappe
BEZIRKSBLATT: Und wenn keine Genehmigung erteilt wird?
Ceipek:
Daran wird nicht gedacht, denn wir sind sehr zuversichtlich, dass das was wird! Immerhin ist es regionalwirtschaftlich von immenser Bedeutung und es wäre mit Abstand die beste Lösung für derzeit fünf isolierte Skigebiete, die alleine kaum marktfähig sind. Strukturelle Investitionen sind ja auch am Elfer und in Mieders geplant – auch die sollen in das Paket Masterplan mit rein.

BEZIRKSBLATT: Die Fusion bringt also Riesenvorteile?
Ceipek:
Gigantische! 800 ha Skifläche im Stubai werden einen gewaltigen wirtschaftlichen Impuls auslösen. Der Reiz liegt in der Kombi von Gletscher und Großraum. Also wann, wenn nicht jetzt, 2012 könnte die 3-S-Bahn frühestens in Betrieb gehen.

BEZIRKSBLATT: Daher auch keine „faire Gegenüberstellung“ mit dem Projekt Sonnenbergbahn?
Ceipek:
Das ist einfach nicht machbar! Der Großraum ist ein überregionales Vorhaben mit einer Dimension für den gesamten Zentralraum Tirols. Aber auf das Projekt Sonnenbergbahn wurde mehrmals verwiesen und die Betreiber werden nicht ignoriert! Das Thema Großraumskigebiet ist zu wichtig, um damit ständig auf dem Rücken der Tourismuswirtschaft zu versuchen, in Neustift politisches Kleingeld zu machen!

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